AUA-Vorstand Peter Malanik geht sofort

25. Mai 2012, 18:46

Insgesamt sind 250 Crew-Mitglieder schon weg, an eine gütliche Einigung glaubt der Betriebsrat nicht mehr

Wien - Nach dem Abgang von Vorstand Andreas Bierwirth geht auch Peter Malanik (50). Bisher hat es geheißen, dass Malaniks heuer auslaufender Vertrag nicht mehr verlängert werde. Nun geht der Vorstand per sofort, wie die AUA in einer Aussendung mitteilt. Der Abschied Malaniks nach 27 Jahren bei der AUA, seit 2008 als Vorstandsmitglied, erfolge "im beiderseitigen Einvernehmen zum 25. Mai 2012". Seine Vorstands-Agenden sollen CEO Jaan Albrecht und CCO Karsten Benz übernehmen. Malanik war der letzte Österreicher im AUA-Vorstand.

Als voriges Jahr AUA-Aufsichtsratschef Stephan Lauer bei einer Flugzeugtaufe in Wien ganz nebenbei "für Herbst" einen neuen AUA-Chef ankündigte und im November dann Jaan Albrecht neuer Chef der verlustgebeutelten österreichischen Lufthansa-Tochter wurde, galt der damals amtierende Wiener Zweiervorstand Andreas Bierwirth und Peter Malanik als angezählt. Bierwirth, gebürtiger Deutscher, musste im März zurücktreten. Auf ihn folgte mit Karsten Benz ebenfalls ein Lufthanseat, der früher das Europa-Geschäft des Mutterkonzerns managte.

Betriebsversammlung in Schwechat

Auch der Umbau bei der AUA-Crew ist noch voll im Gange. Es kommt nun doch zu weiteren Piloten-Abgängen, die sich dem Betriebsübergang auf Tyrolean verweigern. Allerdings gehen die Zahlen doch nicht in die Hunderte. AUA-Bord-Betriebsratschef Karl Minhard hat am Freitag seinen Verbleib bekanntgegeben. Das sei ein Signal auch für andere Piloten gewesen, sagte Minhard vor Journalisten nach der Betriebsversammlung.

Nach einer am Vormittag begonnenen Betriebsversammlung der AUA-Bordmitarbeiter (Piloten, Flugbegleiter) sollte geklärt werden, ob es zu einer "Massenflucht" aus den AUA-Cockpits kommt oder ob bei vielen die generelle Jobangst überwiegt. Die meisten AUA-Mitarbeiter lehnen den Betriebsübergang auf die billigere Tyrolean weiter ab. Nach Riesenprotest sah es am Freitagvormittag in Wien-Schwechat aber nicht mehr aus.

Die Stimmung der Teilnehmer beim Eintreffen zur Versammlung war am Freitag gedämpft, anders als bei ähnlichen Versammlungen der letzten Wochen und Monate. Auch waren merklich weniger Bord-Crewangestellte erschienen. Fest steht schon jetzt, dass einige wenige Flüge um ein paar Stunden später abheben, darunter die Vormittags-Langstrecken (New York, Washington und Toronto). Vier Kurse hat die AUA schon gestern vorsorglich gestrichen. Ansonsten stehen aber Stand-by-Crews bereit.

"Kollaps vermieden"

"Wären wir gegangen, wäre der Kollaps perfekt gewesen", meinte Betriebsratschef Minhard. Man habe damit Augenmaß bewiesen. Jetzt will er Signale vom Vorstand.

Mit Stand Donnerstag seien es 80 Piloten und 170 Flugbegleiterinnen, die das Unternehmen wegen des Übergangs verlassen. 43 der 80 Piloten hatten schon davor einvernehmlich den Abschied bekanntgegeben. Bis Ende Mai dürften zwar noch einige dazu kommen. Anderseits habe die persönliche Entscheidung der führenden Belegschaftsvertreter viele andere bewogen, an Bord zu bleiben, hieß es heute.

Von 17 Bord-Betriebsratsmitgliedern wählten zwei (Piloten) den Abgang. Minhard und seine weiteren verbliebenen Kollegen "wollen weiter für die Rechte der Mitarbeiter kämpfen", wie er sagte. Bisher laufen sechs Klagen gegen den Zwangsumstieg, nächste Woche geht die Gewerkschaft zum Obersten Gerichtshof (OGH). Den Betriebsübergang selbst wertet Minhard weiter als "Schwachsinn", den er immer noch wegverhandeln will.

Betriebsratschef will weiterkämpfen

Eine halbe Stunde nach Beginn der Versammlung gab es einmal langanhaltenden Applaus, als Minhard verkündete, er wolle weiterkämpfen. Im Vorfeld waren nämlich Rücktrittsspekulationen über maßgebliche Betriebsräte im Raum gestanden.

Auf informeller Ebene soll sowohl auf Wirtschaftskammerseite als auf Gewerkschaftsebene über Mittelsleute weiter versucht werden, die verfahrene Situation zu entspannen. Ob das noch etwas bringt, wurde in der Früh aber bezweifelt. Es wird vermutet, dass die Lufthansa bei ihrer defizitären österreichischen Tochter nicht mehr klein beigeben will.

Ein altgedienter AUA-Pilot sah sich durch den Personalkostensparkurs aus der Firma gedrängt. Es gehe ja nicht nur um Einbußen durch wegfallende Gehaltsbestandteile wie Vorrückungen. Durch die längeren Arbeitszeiten ab Sommer würde er umgelegt auf die Stunden fast die Hälfte weniger herauskriegen, begründete er seinen Abschied.

Boden-Betriebsrat skeptisch

Die Verunsicherung unter den Kollegen des fliegenden Personals sei groß, sagte Boden-Betriebsratschef Alfred Junghans. Er ist als Gast bei dem Treffen der Bord-Crews dabei. Er vermutet, dass die Verunsicherung in der Chefetage der AUA ähnlich groß ist, auch wenn das dort nicht zugegeben werde.

Junghans glaubt wie seine Bord-Betriebsratskollegen, dass der vom Management per 1. Juli betriebene Betriebsübergang auf die billiger operierende Tyrolean teurer kommt, als es Verhandlungslösungen gewesen wären.

Emotionale Auftritte unter Tränen

Trotz langer sachlicher Debatten um offene Rechtsfragen beim vom Vorstand verfügten Betriebsübergang kam es bei der Betriebsversammlung am Freitag zu emotionalen Auftritten. Eine langjährige Flugbegleiterin verabschiedete sich unter Tränen von allen. Sie könne so nicht mehr weiter. Ein Teilnehmer nannte es vor Journalisten "schäbig, wie die Firma mit den Menschen umgeht. Wir waren doch einmal eine Familie."

Dass die Bord-Betriebsratsspitze bleibt, steht mittlerweile fest. Offizielle Angaben gibt es noch nicht. Im Lauf des Vormittags verließen immer wieder Crews grüppchenweise die Versammlung, um ihren Dienst an Bord anzutreten. Damit hielten sich Verspätungen einiger Flüge in engeren Grenzen als beim letztenmal.

Die AUA hat für das verkehrsreiche Pfingstwochenende vorgesorgt. Sollten sich zu viele Piloten "unfit to fly" melden und kein Ersatz aus der eigenen Gruppe aufzutreiben sein, stünden Lufthansa und Swiss bereit, Europastrecken zu übernehmen. Ob dieser Einsatzplan aktiviert werden muss, ist offen. (APA, 25.5.2012)

Link

Der aktuelle Status der Flüge ist unter austrian.com abrufbar, Menüpunkt "Ankunft & Abflug". Die AUA ersucht von einem Flugausfall Betroffene, sich an das Callcenter unter +43 (0)5 1766 1000 zu wenden.

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... austrian newsroom, vom CEO Albrecht:

... Für die Kunden wird sich durch den Betriebsübergang nichts ändern: Die Marke Austrian Airlines bleibt Austrian Airlines, die etwa 130 Destinationen weltweit anfliegt. Für die Mitarbeiter des Austrian Airlines Flugbetriebs, das sind 600 Piloten und 1.500 Flugbegleiter, ändert sich in punkto Arbeitsalltag und Gehalt nichts.
Warum verlassen Piloten und Flugbegleiter die AUA, wenn sich weder Gehalt noch Arbeit ändert, oder lügt da jemand?

Kunden

aus meiner Sicht sind die Kunden den Vorständen egal. Denn es kann doch nur kontraproduktiv sein Gehaltskürzungen und Dienstzeitänderungen des Personals öffentlich zu diskutieren. Die öffentliche Konfliktaustragung kann nur gewollt sein, ansonsten würde ich sagen die LH hat den falschen Mann an die Spitze der AUA gestellt. Keine Firma bei der heutigen Konjunktur kann sich solche Schlagzeilen leisten. Den KV zu kündigen war der Beginn vom Ende.

... austrian newsroom, vom CEO Albrecht:

... Für die Kunden wird sich durch den Betriebsübergang nichts ändern: Die Marke Austrian Airlines bleibt Austrian Airlines, die etwa 130 Destinationen weltweit anfliegt. Für die Mitarbeiter des Austrian Airlines Flugbetriebs, das sind 600 Piloten und 1.500 Flugbegleiter, ändert sich in punkto Arbeitsalltag und Gehalt nichts. Die Automatismen der Gehälter werden abgeschafft.
Lügen, ein Anfordernis um CEO zu sein???

Verantwortung der Flugkapitäne

Nach meinem Verständnis tragen die Flugkapitäne die Letztverantwortung für die Passagiere.
Hat eine Maschine etwa technische Probleme, dann entscheidet meines Wissens gleichsam „in letzter Instanz“ der Kapitän, ob gestartet wird oder nicht. Entscheidungen dieser Art kollidieren schon aus logischen Gründen mit den Unternehmensinteressen der jeweiligen Airline, denn nur eine Maschine, die in der Luft ist, bringt Geld.

Es bedarf daher eines gerüttelt Maß an Selbstbewusstsein, dass ein Kapitän (allenfalls gegen Airline-interne Richtlinien) auftritt und sagt: „Nein, die Verantwortung kann ich für den Start dieser Maschine nicht übernehmen.“

Das Agieren des AUA Vorstands stimmt mich auch diesbezüglich (als Kundin) sehr nachdenklich.

Der gut informierte Herr Zopf....

... Ist einer Zeitungsente aufgesessen. Herr Minhart ist sehr wohl Gewerkschaftsmitglied.

Ich habe den Kurier zitiert, also bitte, Kritik an den Kurier.

Zitiert?

Ah ja, sie als selbsternannter Gewerkschaftsinsider hätten dann aber merken müssen, dass die VERDI die deutsche Gewerkschaft ist. Bei dieser sind logischerweise weder Kaske Präsident noch Minhard Mitglied. Mitdenken nicht verboten. Hat aber wohl gerade so schön in ihr Weltbild gepasst.

Tja, für mich zeigt es, wer sich kritisch äußert, den versucht man zu denunzieren, schwaches Niveau.

Nein, Herr Zopf!

Es zeigt, wer einfach abschreibt, den Zeitungen glaubt und dann gross daherredet, DER wird kritisiert. Denunzieren ist ganz etwas anderes, aber das wissen Sie ja sicher...

in beiderseitigem einvernehmen

aua, das tut weh!

Abgang

keiner wird Dr.Peter Malanik nach weinen. Wer link ist und falsch spielt bekommt irgendwann seine Rechnung. Nur wenn Jaan Albrecht nicht bald erkennt wie er das missbrauchte Vertrauen des Bordpersonals wieder herstellt, dann sehe ich schwarz. Firmenloyalität muss hart erarbeitet werden.Gehälter der Mitarbeiter Öffentlich auszudiskutieren ist der falsche Weg. Die Folgen hätte sich der Vorstand vor der KV Kündigung überlegen sollen. ODER WAR DASS DAS ZIEL??? Echt fies

Aha, Pilotenfluch bleibt aus?

auch darin hat sich der Betriebsrat-Pilot getäuscht... hhhmmm....

250 Crew Mitglieder sind weg

Ist das nicht genug? Die AUA hatte ja wohl kaum einen Ueberhang von 250 Piloten und Flight Attendants.

Nein, die sind nicht 1:1 zu ersetzen, denn die muessen die entsprechenden Qualifikationen (Type Ratings) für den jeweiligen
Flugzeugtyp haben. Von der Fokker (und auch da gibt es kaum zu viele) auf die 767 oder777 geht es nicht über Nacht. Gilt auch für die F/A's.

Fristende

Deadline läuft noch bis Mittwoch, viele warten bis zum letzten Moment.

Fristende

Genau, nächste Woche bekommt der Vorstand der AUA die Abrechnung für sein Verhalten.
Den Sommerflugplan wird man nie und nimmer einhalten können.

Und was dann ? Die Rück-Antwort wird sein - AUA in den Konkurs, tolle Leistung der MitarbeiterInnen ! Wer glaubt mit Erpressung das Management in eine andere Richtung zu bringen, liegt vollkommen daneben und ist am Konkurs voll beteiligt, aber bitte dann nicht noch die Dreistigkeit zu haben, zu erklären, das Management ist schuld, so gehts eben nicht.

Management

sehr geehrter Herr Zopf, glauben Sie wirklich dass die Mitarbeiter das Management erpressen können. Es ist doch eher umgekehrt. Entweder der Mitarbeiter lasst sich ca 40-50% seines Gehaltes wegnehmen oder er kann gehen und keiner kann garantieren ob es reicht (Zitat Jaan Albrecht). Wie würden Sie persönlich bei solchen Prognosen entscheiden. Jetzt die volle Abfertigung nehmen und gehen oder bleiben und weniger verdienen und wenns in die Hosen geht bekommen sie von dem Wenigeren vielleicht eine kleine Abfertigung. Jaan Albrecht macht nicht den Eindruck das seine Sanierungsmassnahmen wirklich die Aua in schwarze Zahlen bringt. Also wie würden sie sich entscheiden.......Selbst Niki Lauda hat nichts zu verschenken!!!

Wer glaubt mit Erpressung das Management in eine andere Richtung zu bringen

Wenn der freiwillige Verzicht von einem Viertel Gehalt und mehr als 50% der Abfertigungs-/Pensionsansprüche für sie Erpressung ist, dann verstehe ich auch dass sie von Dreistigkeit reden die Verantwortung den Verantwortlichen unterzuschieben.
Ab in den Konkurs mit der AUA und ins Gefängnis mit den Verantwortlichen der ersten drei Managementebenen plus Aufsichtsrat! Der Insolvenzrichter soll jemanden suchen der aus der AUA eine blühende Firma macht, das dürfte nicht schwer sein, solange derjenige nicht Lufthansa heißt und LH gleich mal eine saftige Rechning für zwei Jahre Nichtstun präsentieren!

Für den Bundespräsidenten wäre diese Kürzung sicher kein Problem, bei einem 3 000 € Brutto-Bezug wäre es ein Problem.

Es ist keine Erpressung, wenn man sagt, "ich tu mir das nicht mehr an, und gehe".

Da haben Sie recht, wer so handelt, der tuts und macht kein Aufhebens darum !

Fristende

Und intern giesst Albrecht bereits wieder Öl ins Feuer - von wegen "Wir wollen alle an Bord behalten". Lügen ohne Ende.

Erstaunlich, daß der Aufsichtsrat Vorstände geduldet hat, die gegen das Interesse der Eigner der Gesellschaft, diese in den Bankrott geführt haben.
Zeichen wirtschaftlicher u politischer Verkommenheit?
Sabotage am Unternehmen oder Dummheit? Meist wohl eine Kombination von beiden!

verkommen ist wohl eher ein Betriebsrat,

der wider besseres Wissen eine Firma in den Konkurs erpressen will.... aber Gott sei Dank lassen sich das die Deutschen net gefallen.

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