Kontonummer des Papstes veröffentlicht

24. Mai 2012, 18:06
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Ein neues Enthüllungsbuch des Journalisten Gianluigi Nuzzi empört den Vatikan

Vatileaks nimmt kein Ende. Diesmal kommt es für den Kirchenstaat knüppeldick. Mit Empörung regiert der Vatikan auf ein neues Buch des italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi, der das nicht immer friedliche Innenleben der Kirchenführung detailreich ausleuchtet.

Ein Maulwurf aus dem Staatssekretariat (Kodename Maria) hat Nuzzi, im Apostolischen Palast als Autor des Bestsellers "Vatikan AG" verhasst, Hunderte von Geheimdokumenten, Aktenvermerken und Notizen zugesteckt, darunter handgeschriebene Briefe des Papstes. Der Vatikan spricht von einem "kriminellen Akt" und will beim italienischen Staat Rechtshilfe einfordern. Die Publikation gestohlener Dokumente sei rechtswidrig. Nuzzi konterte, er wolle von einem Staat, "der die Geldwäsche erst 2010 als Delikt anerkannt hat, keine Rechtslektionen annehmen".

Die Geldwäsche und undurchsichtige Operationen der Vatikanbank IOR sind nur eines von vielen Themen des 350 Seiten umfassendes Bandes "Seine Heiligkeit". Kein Detail wird ausgespart - auch nicht die Bankbewegungen auf dem Konto des Heiligen Vaters. Abgedruckt ist eine Anweisung von Staatssekretär Tarcisio Bertone aus dem Jahr 2011 an die Nuntiatur in Spanien, Friedensverhandlungen mit der ETA aufzunehmen. Mysteriös bleibt der beschriebene Angriff 2009 auf ein Auto der Vatikan-Gendarmerie, das von Kugeln durchsiebt wird, während die Insassen mit Interpol-Vertretern zu Abend essen.

Mehrere Polzeiberichte demonstrieren die Abhörtätigkeit vatikanischer Geheimpolizisten auf italienischem Staatsgebiet. Silvio Berlusconi wird in einem Vatikan-Dokument als "Opfer einer politisierten Justiz" bemitleidet. Anmerkung zu Staatschef Giorgio Napolitano, der sich mit dem Papst zu einem geheimen Essen trifft: "Nur standesamtlich verehelicht". (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, 25.5.2012)

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