"Essen an Bord ist nicht wurscht"

24. Mai 2012, 17:34
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Kein Mensch fliege wegen des Essens, sagt der Do-&-Co-Chef, für Airlines sei es ein Leichtes, hier Millionen zu sparen

Wien - Kein Mensch fliege wegen des Essens. Für Airlines sei es ein Leichtes, hier Millionen zu sparen, sagt Attila Dogudan. Er habe aber noch von keiner Fluglinie gehört, die Erträge durch weniger Service verbessert habe. Schließlich gehe es bei Bord-Menüs ums Image.

Einen großen Deal will der Chef und Gründer des Caterers Do & Co nun so gut wie in der Tasche haben - er verhandle mit einem Big Player der europäischen Luftfahrt, lässt er wissen. Fix um fünf Jahre verlängert wurden seine Verträge mit Turkish Airlines. Woraus Dogudan den Schluss zieht: "Das Essen an Bord ist nicht wurscht."

Fliegendes Essen

Do & Co fährt zwei Drittel des Geschäfts mit der Verköstigung von Flugpassagieren ein. Sie fiel im Zuge der Kostendiät der krisengeschüttelten Airlines mitunter freilich mager aus. Er habe die Sparpakete der AUA mehrfach mitgetragen und tue das auch dieses Mal. Schließlich sei es sinnlos, auf Verträge zu beharren, die sie nicht einhalten könne, meint Dogudan. Die neuen mit ihr laufen bis 2018. Geplante Veränderung für AUA-Gäste: Auf Kurzstrecken, bei denen Snacks meist nur gegen Aufpreis zu haben sind, sollen künftig Menüs mit dem Ticket mitgebucht werden können.

Geschmälert hat der Sparkurs der Flugbranche die Erträge des Caterers nicht. Der Konzern steigerte seinen Nettogewinn 2011/12 um mehr als 20 Prozent auf 19 Millionen Euro. Seine Umsätze legten um fast zehn Prozent auf 466 Millionen Euro zu. Er habe die airlinebedingten Verluste mehr als kompensieren können, zieht der gebürtige Türke Bilanz.

Heuer versucht er sich vor allem im Fußball: Dogudan tischt bei der EM in Polen und der Ukraine für 250.000 Gäste auf - und zählt damit nebenbei erwähnt zu Europas größten Zeltkäufern. Zwei Millionen Gewinn soll der Event für ihn einspielen. Ob die Debatten über einen Boykott der EM in der Ukraine wegen der Behandlung der inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko seine Geschäfte stören? "Bis zum Schnitzel gehen diese Turbulenzen dann doch nicht."

Fußball als Chance

Gute Chancen rechnet sich Dogudan auch für die nächste Fußball-EM 2016 in Frankreich aus. Die Entscheidung, Essen aus französischer Hand zu geben, werde dabei freilich wohl auf hoher politischer Ebene gefällt.

Sein Ziel: Risiko streuen. Neben dem Einstieg ins Catering der ÖBB ("schwierige Übung") erfreut sich Dogudan an Gourmetfilialen namens Henry ("unfassbare Multiplikatoren"). Vier kommen heuer in Wien dazu. 60 Mio. Euro hat er zuletzt investiert, 20 legte er "für den Fall des Falles als Reserve" in Gold an. "Man hat mir anfangs den Vogel gezeigt. Mittlerweile heißen es die Investoren gut." (vk, DER STANDARD, 25.5.2012)

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    Attila Dogudan steigerte den Gewinn um ein Fünftel.

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