Deutschland: Zahl der "Working Poor" gestiegen

24. Mai 2012, 17:25
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Überdurchschnittlicher Anstieg in Deutschland im EU-Vergleich

Düsseldorf - Die Zahl der Armen unter den Erwerbstätigen und Arbeitslosen hat in Deutschland nach der Einführung der Hartz-Reformen stärker zugenommen als in allen anderen EU-Ländern. Zwischen 2004 und 2009 stieg die Zahl der sogenannten "Working Poor" in Deutschland um 2,2 Prozentpunkte, wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung ermittelte. Im EU-Durchschnitt wuchs die Armutsquote unter Erwerbstätigen in dem Zeitraum nur um 0,2 Prozentpunkte. Damit liege Deutschland bei der Arbeitsarmut inzwischen im europäischen Mittelfeld.

Die positive Entwicklung der Beschäftigtenzahlen seit 2004 und der deutliche Rückgang der Arbeitslosigkeit hätten auch eine Schattenseite, erklärte der WSI-Experte Eric Seils, der die derzeit verfügbaren Armutsdaten der EU-Statistikbehörde Eurostat auswertete. Eine Analyse der sozialen Lage der Erwerbsbevölkerung zeige, "dass die deutschen Beschäftigungserfolge mit einem hohen sozialen Preis verbunden waren".

2009 waren laut Eurostat 7,1 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland von Armut betroffen. Das heißt, dass ihnen weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung standen. Für Alleinstehende in Deutschland liege die Armutsschwelle bei 940 Euro im Monat, erklärte das WSI.

Armutsquote bei Arbeitslosen

Viel drastischer ist laut dem Institut die Entwicklung der Armutsquote bei Arbeitslosen, die von 2004 bis 2009 in Deutschland um 29 Prozentpunkte stieg, im EU-Durchschnitt aber nur um fünf Prozentpunkte. 2009 hatten 70 Prozent der Arbeitslosen in der Bundesrepublik ein Einkommen unter der Armutsgrenze, das waren 25 Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt der 27 EU-Staaten.

Die hohe Armutsquote unter den Arbeitslosen habe mehrere Gründe, erklärte Seils. So sei der Anteil der Langzeitarbeitslosen gestiegen, weil im Zuge der Erholung am Arbeitsmarkt vor allem Menschen eingestellt wurden, die noch nicht so lange arbeitslos waren. Zudem seien Langzeitarbeitslose seit der Abschaffung der Arbeitslosenhilfe im Zuge der Hartz-Reformen schlecht gegen Armut abgesichert. (APA, 24.5.2012)

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