Die Grenzen des Moore'schen Gesetzes

24. Mai 2012, 17:08
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Einen Ausweg wären Biocomputer

Nichts ist unumstößlich, schon gar nicht Theorien, auch wenn sie so gut wie als Gesetze gelten. Wie in Fels gemeißelt wird seit vielen Jahrzehnten in der Computerindustrie das sogenannte Moore's Law hochgehalten. "Sogenannt", weil es von seinem Schöpfer Gordon Moore, dem späteren Mitgründer des Chipherstellers Intel, 1965 in einem Artikel in der Zeitschrift Electronics mehr als Prognose denn als Gesetz formuliert worden war.

Die Zahl der Transistoren auf einem Chip verdoppelt sich etwa alle 18 Monate

Moores vielzitierte Aussage: Die Zahl der Transistoren auf einem Chip verdoppelt sich etwa alle 18 Monate, womit sich auch die Rechenleistung annähernd verdoppelt. Dass diese bis heute standhielt, ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass es den Chipforschern gelungen ist, die Strukturen auf einem Chip - also die Dicke der Leiterbahnen und die Größe der Transistoren - immer weiter zu verkleinern. Selbst das Problem der enormen Hitzeentwicklung, die durch Millionen Transistoren auf kleinstem Raum entsteht, konnten sie durch Mehrprozessorentechnik "abkühlen".

Doch bald schon soll Schluss sein mit der Moore'schen Verdoppelungsaussicht - sagt Michi Kaku voraus. "In ungefähr zehn Jahren werden wir den Kollaps von Moore's Law erleben", so der Professor für Theoretische Physik an der City University New York in einem Videointerview auf BigThink.com. Die Computerleistung könne bei herkömmlicher Siliziumtechnologie diesem schnellen, exponentiellen Wachstum nicht mithalten - was schon Wissenschafter vor ihm prophezeiten.

Technologien wie dreidimensional integrierte Schaltkreise

Spätestens wenn neue Technologien wie dreidimensional integrierte Schaltkreise (an denen derzeit gearbeitet wird) ausgereizt seien, sei wegen zunehmender Hitzeentwicklung und Streuverlusten endgültig das Limit erreicht, vertieft Kaku die Voraussagen. Die Industrie werde dann nicht umhinkönnen, sich zum Beispiel Biocomputern zuzuwenden. In ihnen sieht er eine vielversprechende Zukunft. Anders als in Quantencomputern (s. Bericht unten), von denen er glaubt, dass sie frühestens Ende des 21. Jahrhunderts einsatzreif seien.

Chiphersteller Intel bleibt bei der ganzen Diskussion gelassen. "Nicht ist unmöglich. Auch wenn es zunehmend herausfordernder wird, das Moore's Law einzuhalten", zitiert das Technikportal Cnet einen Unternehmenssprecher. "Auch Gordon Moore sagte immer wieder, dass die von ihm aufgestellte Gesetzmäßigkeit eventuell eines Tages aufgehoben werden würde. Doch jedes Mal, wenn er sich die neue Chipgeneration anschaute, sei er fasziniert gewesen, wie es wieder erfüllt würde. (kat, DER STANDARD 24.05. 2012))

 

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