Deutschland bietet Entsorgung von 350 Tonnen Giftmüll aus Indien an

24. Mai 2012, 16:42
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Verantwortlicher US-Konzern Dow Chemicals soll sich zu wenig um hochgiftige Substanzen kümmern

Neu Delhi - Nach indischen Regierungsangaben könnte Deutschland 350 Tonnen Giftmüll aus der zentralindischen Stadt Bhopal in die Bundesrepublik bringen und entsorgen. Das sei Teil des Angebots der staatlichen deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), sagte am Donnerstag der zuständige Minister im Bundesstaat Madhya Pradesh, Babulal Gaur. Die indische Regierung habe der Vergabe des Auftrags an die GIZ im Prinzip zugestimmt. Vor Vertragsunterzeichnung müssten noch Einzelheiten geklärt werden.

Die GIZ äußerte sich zurückhaltender. "Wir sind im Gespräch, aber ein Auftrag liegt uns noch nicht vor", sagte GIZ-Sprecher Hans Stehling. "Die indische Seite ist auf uns zugekommen." Mit Blick auf die Entsorgung sagte Stehling: "Dass wir das können, haben wir in den letzten Jahrzehnten bewiesen." Er machte keine Angaben dazu, wo die Entsorgung stattfinden solle. Laut Experten hat Deutschland aber Verbrennungsanlagen, die Giftmüll rückstandslos und ohne Gefahr für die Umwelt vernichten können. 

In Bhopal kam es am 3. Dezember 1984 zu einer Gaskatastrophe, aus der Pestizidfabrik des US-Konzerns Union Carbide waren etwa 40 Tonnen hochgiftiges Methylisocyanat (MIC) ausgetreten. Nach den meisten Schätzungen kamen 8.000 Menschen zu Tode, mehr als 15.000 weitere starben an Spätfolgen. Mindestens 100.000 Menschen wurden chronisch krank. Viele erlitten Hirn- oder Organschäden oder erblindeten. Bei Neugeborenen kam es zu Fehlbildungen. Insgesamt waren ein halbe Million Einwohner Bhopals, der Hauptstadt von Madhya Pradesh, mit dem Gas in Berührung gekommen.

Nun zu entsorgender Giftmüll nicht mit Katastrophe in Zusammenhang

Die 350 Tonnen Giftmüll, um deren Entsorgung es nun geht, haben nach indischen Medienberichten allerdings nichts mit dem Gas zu tun. Sie wurden bereits in den Jahren zuvor auf dem Firmengelände verklappt.

Union Carbide wurde später von Dow Chemicals übernommen. Dow Chemicals wird bis heute vorgeworfen, sich weder ausreichend um die Opfer noch um Giftmüll an der Fabrikruine zu kümmern. Umweltschützer schätzen, dass dort neben 350 Tonnen an der Oberfläche noch weitere 27 000 Tonnen Giftmüll im Erdreich sind, die die Menschen in der Umgebung weiterhin vergiften.

Manfred Santen, Chemieexperte bei Greenpeace, lehnte eine Entsorgung in Deutschland ab: "Wir möchten nicht, dass hochgiftige Substanzen um die halbe Welt gefahren werden", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Technologie müsse notfalls an den Ort gebracht werden, wo sie benötigt wird. Zudem müssten die Kosten nach dem Verursacherprinzip übernommen werden, also von Dow Chemicals. (APA, 24.5.2012)

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