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Am Linzer Landestheater verkommt "Das Narrenschiff" zum mamboseligen Traumschiff.
Linz - Mit dem Bug voran kommt die "Vera" den Zuschauern im Großen Saal des Landestheaters sehr nahe. Ein klein wenig schief liegt sie bereits, so als wäre sie weniger auf hoher See als fast schon gestrandet oder eben erst wuchtig in den Zuschauerraum hineingerammt worden.
Die "Vera" ist jenes "Narrenschiff", das in Katherine Ann Porters 1962 erschienem Roman im Jahr 1931 auf dem Weg von Veracruz nach Bremerhaven eine Menge Wasser und Einsamkeit aufwartet, ebenso wie Raum für sich langsam, aber schrecklich entwickelnden Hass auf den einzigen Juden an Bord. Dazu kommen weitere Schicksale, geplatzte Träume, gescheiterte Liebe.
Während das Bühnenbild von Alexandra Pitz klar und eindeutig wirkt, verliert sich die Inszenierung von Ballettdirektor Jochen Ulrich schnell im nebelumwobenen Nirgendwo zwischen Musical, Tanzrevue und Ballett.
Hundert Minuten lang ist das Publikum damit beschäftigt, herauszufinden wohin diese Reise genretechnisch geht, und endet dann doch wie die Passagiere der "Vera" im Ungewissen.
Spannung - so es ihr erlaubt wird, sich zu entwickeln - würde zwar unterstützt durch gut gewählte Raumklänge, verflacht jedoch rasch, wenn der nächste Mambo erklingt oder Daniela Dett als Sängerin Lola Hits aus den 1930ern zu Arrangements von David Wagner und Band schmettert.
Und dies verhindert wiederum, dass sich die Geschichte in all ihren bedrückenden und schmerzvollen Ausprägungen vermittelt. Eine Gruppe unterschiedlicher internationaler Passagiere ist auf dem Weg von Mexiko nach Deutschland, wo sich gerade der Nationalsozialismus etabliert.
Ihre unterschiedlichen Geschichten, ihre Beweggründe für diese Reise, körperliche und seelische Abhängigkeiten sowie politische und religiöse Differenzen verdichten sich zu einer Grundstimmung, die sich am jüdischen Geschäftsmann Löwenthal entlädt und von der sich viele an Bord mitreißen lassen.
Warum auch immer ist von dieser Enge, dieser von Intoleranz, Aggression und Brutalität geprägten Stimmung nur wenig zu spüren. Dafür ist man von "Traumschiff" samt Mambo-Gruppentanz oder den ORF-"Dancing Stars" nur eine Brise entfernt.
Das Premierenpublikum quittierte dies mit einer Mischung aus Applaus für Tänzer und Musiker und einigen Buhrufen für Choreografie und Inszenierung. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 25.5.2012)
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(und die campingplatzmusik mag auch nicht von der tatsache ablenken, dass es keine nachzuvollziehende geschichte gibt)
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