David Schalko: Sender sollen Publikum nicht für "Trottel" halten

  • David Schalko: Im Privatfernsehen findet man heute wesentlich öffentlich-rechtlicheres Fernsehen als im öffentlich-rechtlichen.
    foto: apa/herbert neubauer

    David Schalko: Im Privatfernsehen findet man heute wesentlich öffentlich-rechtlicheres Fernsehen als im öffentlich-rechtlichen.

Regisseur, Produzent und Autor warnt vor Quotenprogrammierung - "HBO macht mehr öffentlich-rechtliches Fernsehen als der ORF in den nächsten 20 Jahren"

Regisseur, Produzent und Autor David Schalko hinterfragte Mittwochabend bei einer Public-Value-Diskussion des ORF dessen Quotenorientierung: "Es geht nicht nur darum, Qualität herzustellen. Es geht auch darum, Leute zu haben, die Qualität überhaupt goutieren können. Wenn es davon nicht genug gibt, dann ist das ein Teufelskreis. Dann gibt es kein Geld, um Qualität herzustellen." Hier sieht er die "Hauptproblematik, da beißt sich die Katze ständig in den Schwanz".

Einerseits suche man die Breite im Sinne der Quote. "So entsteht diese Spirale nach unten." Aber: "Ein öffentlich-rechtlicher Sender hat in erster Linie die Aufgabe, diese Spirale nicht nach unten zu setzen, sondern nach oben. Und sich nicht darum zu kümmern, ob der Marktanteil 40 Prozent ist." Schalko: "Der ORF fühlt sich zuständig für den letzten lobotimisierten Trottel wie für den Elitemenschen. Das ist das Problem."

Mancher Programmchef erweckt bei Schalko den Eindruck, er unterschätze sein Publikum: "Es stimmt nicht, dass der auf der anderen Seite ein Trottel ist."

Die Politik messe die Relevanz von Sendern daran, "wie viele Leute davor sitzen". Aber: "Das stimmt nicht. Es geht schon auch darum, welche Leute vor dem Fernsehsender sitzen. Vor allem, wenn man das Fernsehen in Zeiten des Internet immer mehr als Leitmedium begreift, als behäbiges elektronisches Medium. Es erfüllt schnell eine Rolle, die früher die Printqualitätszeitungen erfüllt haben."

Im Privatfernsehen finde man heute wesentlich öffentlich-rechtlicheres Fernsehen als im öffentlich-rechtlichen, sagt Schalko und verweist auf den US-Bezahlsender HBO, der hochwertige Serien produziert. "HBO macht mehr öffentlich-rechtliches Fernsehen als der ORF in den nächsten 20 Jahren." (fid, derStandard.at, 24.5.2012)

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