David Schalko: Sender sollen Publikum nicht für "Trottel" halten

24. Mai 2012, 16:16
  • David Schalko: Im Privatfernsehen findet man heute wesentlich öffentlich-rechtlicheres Fernsehen als im öffentlich-rechtlichen.
    foto: apa/herbert neubauer

    David Schalko: Im Privatfernsehen findet man heute wesentlich öffentlich-rechtlicheres Fernsehen als im öffentlich-rechtlichen.

Regisseur, Produzent und Autor warnt vor Quotenprogrammierung - "HBO macht mehr öffentlich-rechtliches Fernsehen als der ORF in den nächsten 20 Jahren"

Regisseur, Produzent und Autor David Schalko hinterfragte Mittwochabend bei einer Public-Value-Diskussion des ORF dessen Quotenorientierung: "Es geht nicht nur darum, Qualität herzustellen. Es geht auch darum, Leute zu haben, die Qualität überhaupt goutieren können. Wenn es davon nicht genug gibt, dann ist das ein Teufelskreis. Dann gibt es kein Geld, um Qualität herzustellen." Hier sieht er die "Hauptproblematik, da beißt sich die Katze ständig in den Schwanz".

Einerseits suche man die Breite im Sinne der Quote. "So entsteht diese Spirale nach unten." Aber: "Ein öffentlich-rechtlicher Sender hat in erster Linie die Aufgabe, diese Spirale nicht nach unten zu setzen, sondern nach oben. Und sich nicht darum zu kümmern, ob der Marktanteil 40 Prozent ist." Schalko: "Der ORF fühlt sich zuständig für den letzten lobotimisierten Trottel wie für den Elitemenschen. Das ist das Problem."

Mancher Programmchef erweckt bei Schalko den Eindruck, er unterschätze sein Publikum: "Es stimmt nicht, dass der auf der anderen Seite ein Trottel ist."

Die Politik messe die Relevanz von Sendern daran, "wie viele Leute davor sitzen". Aber: "Das stimmt nicht. Es geht schon auch darum, welche Leute vor dem Fernsehsender sitzen. Vor allem, wenn man das Fernsehen in Zeiten des Internet immer mehr als Leitmedium begreift, als behäbiges elektronisches Medium. Es erfüllt schnell eine Rolle, die früher die Printqualitätszeitungen erfüllt haben."

Im Privatfernsehen finde man heute wesentlich öffentlich-rechtlicheres Fernsehen als im öffentlich-rechtlichen, sagt Schalko und verweist auf den US-Bezahlsender HBO, der hochwertige Serien produziert. "HBO macht mehr öffentlich-rechtliches Fernsehen als der ORF in den nächsten 20 Jahren." (fid, derStandard.at, 24.5.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 214
1 2 3 4 5

musik, die mit für österreich untypischen instrumenten in untypischen rhythmen und untypischen intervallen gespielt ist. dazu wird in einer fremdsprache gesungen und das wär dann die definition von fremdklingender musik. ich würds privat nie so bezeichnen, aber da der orf nunmal keine privatinstitution ist und ich ihm eine gewisse repräsentationsfunktion zuschreibe, finde ichs bemerkenswert.

Ihre Definition lautet: alles was nicht H.Goisern oder Gabalier ist soll verboten werden,

wo kommen wir den hin wenn in fremdsprachen (englisch, italienisch, französisch etc.), mit untypischen Rhythmen (Lateinamerica, Portugal/Fado, Grichenland oder Türkei) gesungen/gespielt wird. Und die untypischen Intervalle erst! Aber hier geht es um russisch, das Sie die Sprache und Instrumente (auch Geige) nicht erkennen finde ich bemerkenswert.

Was? Verbieten? Wieso unterstellen sie mir, dass ich irgendetwas verbieten will?! Ich versuche nur, die Funktion von Russkaja als psychologisches Signal an den österreichischen Bürger zu umschreiben. Ich sollte nicht einmal auf ihre Anschuldigung antworten, da sie einfach lächerlich ist. Mein Musikgeschmack geht bis auf die 13th floor elevators zurück oder die roots reggae legenden black uhuru der 80' Jahre. Selbst wenns um österreichische Musik geht, wieso Gabalier?! Ich darf annehmen, sie wissen, dass Schlager nicht das einzige ist, das Österreich hervorgebracht hat. Mittlerweile spreche ich 3 Fremdsprachen und spiele 3 Instrumente. Ihr Unverständnis ist mein Unverständnis. Oder sind sie nur ein unkreativer :-):-) Troll ?

UK / BBC

Ich finde es hingegen faszinierend welche Qualität der Briten z.B im Bereich der Serien erreichen. Wir kaufen mittlerweile gezielt bei amazon.co.uk und finden dort laufend Serien, die qualitativ um einiges besser sind als der Durchschnitts-US-Serienbrei, der bei uns in Massen beim ORF landet. Und ja - UK ist ein bisserl größer als Ö und BBC ein wenig finanzstärker, aber auch der Vergleich zu ARD/ZDF ist bemerkenswert.

Weiß wer warum die selten bis nie bis Österrreich kommen und wir weitgehend von US-Waren beglückt werden (sind die billiger? kennen die ORF-Einkäufer die BBC-Serien nicht? glaubt man dass die BBC-Ware in Ö nicht kommt?...)

Stimmt absolut!

Bei uns ist man anscheinend zu feig ordentliche Serien mit Inhalt und Aussage zu produzieren. Und weil wir schon so feig sind werden gemeinsam mit ARD/ZDF alle Groscherlromane a la Pilcher verfilmt. Gleicher Inhalt, gleiche Landschaft, gleiche "Schauspieler"....

Das verstehen die Verantwortlichen unter Bildungsauftrag.

Aber selbst wenn ein Programmverantwortlicher Cochones hätte und bei BBC einkauft würde alles wieder verunstaltet mit deutscher Synchronisation....

Sherlock und Top Gear auf deutsch?? Lieber nicht ;-)))

Einkaufen Einkaufen

... ist für mich auch nicht die Lösung! Was mich an dieser Postingdebatte verwirrt - scheinbar sehr viele wollen eigentlich, dass hierzulande einfach HBO (u.ä.) Muster kopiert werden. Why? Lieber kontinuierlich eigenes aufbauen. Was mir zu übersehen wird, in den letzten Jahren hat sich die deutschsprachige Serienlandschaft gesteigert. (Klar, blöde Antwort dazu werden kommen:) Nur von 0 auf 100 geht nicht in 5 Sekunden. Schätze 75% der Postings hier, stammen vielleicht von frustrierte Kollegen. Gehen wir lieber auf einen Kaffee, schnappen wir uns eine Kamera und drehen uns den Frust von der Seele. Auch Vimeo hat Sendeplätze und statt motschergn lieber eine Fingerübungen und Handwerk schärfen. :) So ich muss jetzt BBC schauen ...

Mir fällt jetzt spontan keine ORF- oder ORF Co-Produktion ein die Serien wie z.B. Sherlock und Co. das Wasser reichen kann.

ein heimischer Sherlock

fällt mir auch noch nicht ein. Ich glaube vor 2-3 Jahren hätte man statt Sherlock vielleicht Life on Mars zitiert. Und demnächst? ... Mich interessiert kein heimischer Sherlock, mich reizt - die neuen Erzählformen, auch frische Darsteller, clevere Bildsprache. Diagonales Erzählen. Aber nicht als Dogma, sondern als Bereicherung. Wenn sie das mit "Wir haben ja keinen Sherlock" meinen, dann stimme ich Ihnen zu. Wenn sie auch noch vom Fach sind wissen sie auch, das kann man nicht so leicht "verlangen" :)

Als "einfacher Zuschauer" fasziniert mich die spannende Story der BBC Serie, während Co-Produktionen mit dt. Privatsendern eher nach dem Schema 08/15 ablaufen und teilweise schon sehr peinlich geschrieben wurden.

(Das sind dann meistens die Produktionen die auf ORFeins laufen)

einfacher

Zuschauer sind sie nicht, sonst würden sie nicht BBC Sachen kennen :)

Zuschauer der nicht in der TV oder Film-Branche arbeitet. ;)

Na Trautmann natürlich

oder nicht...?

Sich von Kisterl berieseln lassen uns sich dabei g'scheit vorkommen - das hat schon was.

die frage is

warum kann man hbo bei uns nicht empfangen ??? an hbo kanns wohl nicht liegen.

Bevor hier zu viele Missverständnisse entstehen, würde ich gerne ein paar Dinge von meiner Seite richtigstellen:
1. der ORF ist kein Trottelsender und das hat auch keiner behauptet. Im Gegenteil. Der ORF produziert sehr viel Qualität. Ich finde aber, er hat nicht die Pflicht, auch noch die Zielgruppe des Dschungelcamps zu bedienen. Es geht nicht darum jeden zufrieden zu stellen.
2. HBO ist im fiktionalen Bereich sicher ein Vorreiter. Das Statement ist aber aus dem Zusammenhang gerissen und bezieht sich auf einen Diskutanten. Von den anderen Diskutanten fehlt in diesem Artikel nur leider jede Spur.
3. Ich weiß, was Lobotomie ist. Danke.

Ich find das Nachmittagsprogramm des ORF als nicht mehr zu unterscheiden von jenem eines Pro7/Sat1. Bis auf die Donnerstag-Nacht gibts kein ansprechendes, originelles Programm, dass die Stellung als öffentlich-rechtlicher Sender legitimieren würde. Seien es abgedroschene 20.15 Programme oder nachmittags amerikanischen Fernsehserien. Wenn Fernsehn, dann bei mir nur noch Deluxe Music, Arte, 3Sat und teils Nachrichtensender. Den Rest kann ich mir doch auch im Internet ohne Werbung ansehn'.
Ihre Kritik war dann doch erfrischend und aus meiner Sicht auch berechtigt. Niemand wird gerne einen Trottel genannt.
Doch würde ich mir vom ORF eine individuellere Zukunft erhoffen als einen nicht hinterfragten Mainstream landesweit zu verbreiten.

..

1. "Ich finde aber, er hat nicht die Pflicht, auch noch die Zielgruppe des Dschungelcamps zu bedienen"

nein. er hat die pflicht, die zu bedienen, die eben nur an diesem trog überleben können. auch nachzuschlagen bei: die üblichen verdächtigen, oder jenen, welche beabsichtigen, die üblichen verdächtigen zu werden.

2. HBO. ist eh nicht so gut, nein. verscherzen will man sichs mit den öffentlichen auf keinen fall, denn sonst.. nun ja. bliebe noch die möglichkeit, sich gen usa aufzumachen und dort das vielgepriesene glück zu suchen.

3. weiss eh jeder andere auch.

Aufschneider heute noch auf Arte+7

http://videos.arte.tv/de/videos... 61220.html

27000 Aufrufe mit Note 4,8 ist sensationell.

Die zeitweisen Untertitel sind das Tipferl auf dem i.

am besten ist jetzt leider nur noch 3Sat - ORF kann man auch vergessen

3Sat: ARD/ZDF, ORF und SRG, also ORF gefällt Ihnen schon?

Was ist bei den Serien von HBO zB Game of Thrones öffentlich rechtlich?

schau dir mal "the wire" (ist glaub ich von hbo) an.
z.b. wird darin das thema homosexualität um einiges lockerer und realitätsnäher hergebracht als in den meisten serien und reportagen...

Die HBO Serien

verlangen eine gewisse Grundintelligenz jenseits der 50 Punkte.

Posting 1 bis 25 von 214
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.