Wenn Fondsmanager gehen

24. Mai 2012, 15:20
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Dass Fondsanalysten oft negativ auf Managerwechsel reagieren, kommt nicht von ungefähr. Warum Anleger bei Starmanagern vorsichtig sein sollten

Eine der weltweit bekanntesten Fondsgesellschaften, Fidelity, hat vergangene Woche mit einem Fondsmanagerwechsel für Schlagzeilen gesorgt. Alexander Scurlock geht nach fünf Jahren als Fondsmanager des Fidelity European Growth Fund, Matt Siddle ersetzt ihn. Das hat das Fondsanalysehaus Morningstar dazu veranlasst, den Fonds "unter Beobachtung" zu stellen, der 7 Milliarden Euro schwere Flaggschifffonds ist derzeit mit der zweitbesten Rating-Note Silver bewertet.

Dass Anleger und Fondsanalysten oft negativ auf Managerwechsel reagieren, kommt nicht von ungefähr. Denn "Starmanager" wie ein Bill Gross von Pimco, oder Michael Hasenstab von Franklin Templeton oder ein Jens Erhardt in Deutschland locken Anleger an. Sie haben in der Vergangenheit hohe Renditen erwirtschaften und sind in den meisten Fällen auch noch recht charismatisch. Der Erfolg einer Fondsstrategie wird oft mit ihnen assoziiert. Doch wenn sie gehen, ist die Unsicherheit über die Nachfolge groß und gerade institutionelle Anleger verkaufen dann ihre Anteile. Auch eine Studie von britischen und deutschen Wirtschaftsforschern bestätigt, dass Fondsmanagerwechsel bei guten Fonds zu einer Verschlechterung der Performance führen, etwa weil institutionelle Anleger ihr Geld abziehen. Nicht nur der Wechsel per se beeinflusst die Performance, sondern auch die Mittelzu- und Abflüsse als Reaktion der Anleger.

Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist Raphael Kassin. Bis 2007 war er wohl der Starmanager für Rentenfonds mit Schwellenländer-Fokus. Seine Erfolgsgeschichte war einmalig, er brachte seinen Anlegern im Vergleich zum breiten Markt von Schwellenländer-Bonds zwischen 1999 und 2007 doppelt so viel Rendite. Seine Strategie war riskant, da er einige wenige große Positionen einging (etwa in Argentinien und Venezuela), aber bei europäischen Anlegern war er sehr beliebt. Der ABN Amro Global Emerging Markets Bond Fund und andere Strategien unter Kassin's Ägide sammelten mehr als sechs Milliarden Dollar ein. Als er 2007 ABN Amro verließ und zur Credit Suisse wechselte, fielen die Kurse in Argentinien und Venezuela, in denen er große Investments hatte, deutlich. Anleger zogen nach seinem Wechsel mehrere Milliarden Dollar ab.

Diese Risiken sollten Fondsanleger in ihre Kaufentscheidung einfließen lassen. Einzelmanager können im Falle des Erfolgs hohe Mehrerträge erwirtschaften. Allerdings sollte man immer auf dem laufenden sein, ob das Managementteam oder die Strategie geändert wurden. Das lässt sich mit regelmäßigen Blicken in die Fonds-Factsheets bewerkstelligen. In einer Studie kommen etwa die Forscher des CFR, den Centre for Financial Research in Köln, zu dem Ergebnis, dass einzelne Fondsmanager deutlich aggressivere Positionen eingehen als Teams, die für ein Portfolio verantwortlich zeichnen.

Professionelle Fondsanalysten in Wien, die für Dachfonds oder den internen Vertrieb Fonds selektieren, betonen, dass es gerade bei den größeren Fondshäusern immer weniger "One-Man-Shows" gibt. Denn hinter dem Fondsmanager einer mehrere Milliarden Euro schweren Strategie stehen meist mehrere Analysten und Portfoliomanager. Dazu kommt, dass große Fondsgesellschaften einen deutlich stringenteren Prozess bei der Aktien- oder Anleihenauswahl von ihren Managern erwarten, um Ausreißer nach oben wie auch nach unten zu vermeiden. Starmanager mit großer Freiheit hingegen finden sich regelmäßig bei kleineren Häusern oder gründen eigene Boutique-Assetmanager. (Lukas Sustala, derStandard.at. 24.5.2012)

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