Zum Teil schwere Mängel - Kein "Sehr gut" bei Kindersitztest

24. Mai 2012, 14:03
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Vier Produkte durchgefallen

Wien - Der alljährliche Kindersitztest des ÖAMTC fiel 2012 ernüchternd aus: Kein einziges Produkt erreichte die Bestnote "Sehr gut", dafür sind gleich vier Sitze durchgefallen. Zwölf Produkte bekamen immerhin noch ein "Gut", ein "Befriedigend" wurde sechsmal vergeben, so ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl.

Beim Frontalaufprall haben sich die Ergebnisse früherer Tests bestätigt: Bei allen sechs der in dieser Kategorie mit "Sehr gut" beurteilten Sitze wird das Kind mit dem Rücken zur Fahrtrichtung transportiert. "Bei dieser Transportart findet beim Aufprall nahezu keine Relativbewegung zwischen Kopf und Oberkörper statt, weil der Kindersitz den gesamten Körper des Kindes abstützt. Die Belastungen sowohl für Kopf als auch für Nacken sind somit besonders gering", meinte Kerbl.

Schwere Mängel bei manchen Modellen

Erhebliche Mängel beim Frontalaufprall wies der Peg Perego Viaggio Convertibile auf. Die verrutschende Fixierung der Höhenverstellung des Hosenträgergurtes hat schlimme Folgen: Der Dummy fiel zunächst ungebremst nach vorne, um Augenblicke später schlagartig vom Beingurt zurückgehalten zu werden. "Massive Verletzungen können drohen", so der ÖAMTC-Techniker.

Auch der Kiddy Guardianfix Pro fiel beim Sicherheitstest durch. Wird dieser nämlich nicht mit der optionalen Isofixhalterung montiert, rotiert der gesamte Sitz beim Aufprall aus dem Sicherheitsgurt und kommt später ungesichert im Fahrzeuginneren zu liegen. Mit Isofixhalterung montiert, tritt dieses Problem allerdings nicht auf.

Isofix als beste Befestigung

Eine positive Entwicklung ist die weite Verbreitung des Isofix-Befestigungssystems. Laut ÖAMTC sind bereits rund 90 Prozent der Neufahrzeuge serienmäßig damit ausgestattet. Auch der dritte Befestigungspunkt für den "Top-Tether-Gurt" ist mittlerweile bei nahezu zwei Dritteln der neuen Fahrzeuge vorhanden. 15 der getesteten Modelle können zusätzlich oder ausschließlich via Isofix im Fahrzeug montiert werden. "Durch Isofix wird sowohl die Gefahr von Fehleinbauten als auch das Verletzungsrisiko der Kinder reduziert", so der ÖAMTC-Techniker.

Der Trend zu Isofix und Top-Tether könnte sich noch weiter verstärken, denn ab November 2012 sind diese beiden Befestigungsmöglichkeiten obligatorisch für alle in der EU neu genehmigten Fahrzeugmodelle. Ab November 2014 müssen schließlich alle Neufahrzeuge, die in den Handel kommen, damit ausgestattet sein.

Schadstoffe: Hersteller reagierte

Bei der Prüfung auf Schadstoffe erhielten 16 der getesteten Sitze die Bestnote. "Keines der getesteten Produkte ist so hoch belastet, dass es mit 'Nicht genügend' bewertet werden musste", meinte der ÖAMTC-Experte.

Erfreulich ist das Ergebnis des Modells Maxi Cosi RodiFix. Der Vorgänger dieses Sitzes wurde im Vorjahr wegen stark erhöhter Phthalat-Gehalte mit "Nicht genügend" bewertet. Der Hersteller hat laut dem Club reagiert und das Produkt bezüglich der Schadstoffbelastung deutlich verbessert. (APA, 24.5.2012)

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    Bei Frontalaufprall bieten Sitze, die in Fahrtrichtung angebracht sind, weiterhin weniger Schutz als Modelle, in denen die Kinder mit dem Rücken zur Frontscheibe sitzen.

  • Alle getesteten Kindersitze in der Übersicht - mit Einzelbewertungen und Gesamtnoten.

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