Euroaustritt Griechenlands wäre massive Erschütterung

24. Mai 2012, 13:40
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Wien - Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone und die Folgen davon wäre "schon große, massive Erschütterungen, wo man nicht weiß, welche Folgewirkungen das sind", warnte OeNB-Gouverneur und EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny am Rande der heutigen Pressekonferenz. Daher sei es hier sehr wichtig, seriös zu arbeiten und zu vermeiden, dass es zu spekulativen Entwicklungen komme. "Und wir als österreichische Nationalbank wollen das auf jeden Fall nicht anheizen", sagte Nowotny.

Ob der Euroaustritt Griechenlands beherrschbar sei, wie die Deutsche Bundesbank es meint, wollte Nowotny nicht direkt beantworten. "Es kommt auf die Frage an, was man unter beherrschbar versteht. Man sollte auch mit solchen Dingen nicht so leichtfertig spielen", so Nowotny.

Wirklich ärgerlich sei, so Nowotny, dass derzeit alle möglichen Gerüchte bezüglich Griechenland verbreitet werden, so etwa auch, dass die EZB schon einen Krisenstab zur Vorbereitung eingerichtet habe. "Ich kann dazu nur sagen, jede Notenbank der Welt hat die Verpflichtung, sich natürlich für alle Fragen vorzubereiten und hat zugleich die Verpflichtung, nicht zu allen Fragen einen Kommentar abzugeben." Jetzt gehe es vor allem darum, die Dinge seriös und ruhig zu behandeln und nicht laufend neue Gerüchte in die Welt zu setzen.

Dominoeffekt

Die Gefahr eines Dominoeffektes nach einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone bestehe natürlich. Ob es dazu komme, wisse kein Mensch. "Das ist immer so, wenn ich hier quasi physikalische Experimente mache, von deren Ausgang ich zwar eine Meinung haben kann, wo ich es in Wirklichkeit aber erst im Nachhinein weiß", so Nowotny. "Ich halte das Schicksal Europas für zu wichtig, als dass man hier leichtfertig Experimente macht."

Der Rückgang des Eurokurse gegenüber den Dollar auf den tiefsten Stand seit rund zwei Jahren ist für Nowotny nicht bedenklich. Der Eurowert liege ja noch immer über dem Wert bei seiner Einführung. Für die wirtschaftliche Entwicklung in Europa habe dies keine negative Auswirkung. "Das ist im normalen Rahmen, ich würde das nicht als bedenklich sehen", so der Notenbanker.

Zum Thema Eurobonds meinte Nowotny, dabei müsse man mehrere Aspekte sehen, einerseits den Zinseffekt und andererseits auch, wer solche Bonds bediene. Er sei persönlich aber dafür, sich jetzt auf die naheliegenden Dinge zu konzentrieren, wie zum Beispiel die Kapitalerhöhung bei der Europäischen Investitionsbank (EIB). Diese ermögliche es der EIB, wieder Geld auf dem Kapitalmarkt aufzunehmen. "Man hat dann sofort ein bewährtes Instrument, das man sofort einsetzen kann". Es sei vor allem wichtig, dass man rasch handelt. "Zeit ist hier sehr wichtig", betonte Nowotny. (APA, 24.5.2012)

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