Wenn die Blase platzt

  • Die Qual der Wahl...
    foto: heribert corn

    Die Qual der Wahl...

  • Viele Unbekannte ergeben süß-aromatische Softdrinks.
    foto: heribert corn

    Viele Unbekannte ergeben süß-aromatische Softdrinks.

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  • Bitte mit dicken Halmen schlürfen!
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    Bitte mit dicken Halmen schlürfen!

Bubble-Teas kommen aus Taiwan und erobern gerade Österreich - Was an diesen Tees so besonders ist

Bitte nur ja keine kulinarische Schwellenangst: Die Schilder sind bunt, der Tresen in weißem Neonlicht, und das, was hier gemixt und geschüttelt wird, ist mit der Ästhetik eines Comics angepriesen. Es heißt Bubble-Tea, hat aber mit "Blasen-Tee" rein gar nichts zu tun. Konkret handelt es sich um warmen Tee in einem Plastikbecher, exotisch mit süßem Sirup aromatisiert. Aufregend ist die "Einlage", die unten schwimmt. Süß und glitschig wird sie über den dicken Strohhalm eingesaugt, fühlt sich wie nasse Gummibärlis an.

Beim Draufbeißen platzen die Kügelchen, ein süßer Spritzer schießt an den Gaumen. "Es ist ein Erlebnis im Mund", sagt Susanne Dreier-Phan Quoc, die vor zwei Jahren Österreichs ersten Bubble-Tea-Shop Tea-licious in der Wiener Margaretenstraße eröffnet hat. Damals gab es die taiwanesischen Softdrinks nur in Paris und Hamburg, derzeit schwappt der kulinarische Import gerade wie eine Welle über Europa, auch in Österreich entstehen monatlich neue Shops.

Als Alternative zu Cola und Co sind die aromatisierten Grün- und Schwarztees vor allem bei Kindern und Jugendlichen ein Renner. Aus allerhand Sirupen, diversen Milchprodukten und Kügelchen - im Winter warm und im Sommer eiskalt - ergeben unendliche Kombinationsmöglichkeiten. Topping ist der Fachbegriff für die diversen, an asiatische Nachspeisen erinnernde Süßwaren, die sich wie Kaulquappen auf dem Boden der Plastikbecher sammeln und nur darauf warten, durch die dicken Strohhalme samt Tee aufgesaugt werden.

Milchtee mit Tapioka-Perlen

Die Mädchen, die kurz nach 12 Uhr im Tea-licious einfallen, wissen, welche Mischung sie wollen. Orangefarben glänzende, optisch an Kaviar erinnernde Juicy Pearls zum Beispiel. Sie werden aus Agar-Agar, einem aus Algen gewonnenen, geschmacksneutralen Geliermittel, hergestellt, sind innen mit Fruchtsaft gefüllt. Auch Nata di Coco, fermentierter Kokosnusssaft, war in hiesigen Breiten bis vor kurzem so unbekannt wie Rainbow-Jelly, die an in ihrer Konsistenz Gummibärlis ähneln.

"Der klassische Bubble-Tea ist Milchtee mit Tapioka-Perlen", erzählt Chieh-shu Tzou, der als Vierjähriger aus Taiwan nach Österreich kam und fortan ohne das Kindergetränk seiner Heimat aufwuchs. Tapioka-Perlen werden aus Maniokwurzeln gekocht, schmecken wie glitschiges Stollwerk und sind sättigend. Tzou, mittlerweile erfolgreicher Architekt in Wien (Büro Ten-Two), staunte nicht schlecht, als er von der austrochinesischen Familie Wang den Auftrag bekam, im Jonas-Reindl am Schottentor den Bubble-Tea-Shop "Baburu" zu entwerfen. Er fällt durch seine grafisch aufsehenerregende Fassade auf, obwohl er ganz hinten im Eck ist. "Das Shop-Design muss zum Lebensgefühl von Bubble-Tea passen", sagt Tzou.

Erdbeere, Maracuja und Mango

Als Geschäftsidee scheint sich Bubble-Tea hervorragend fürs Franchising zu eigenen. Susanne Dreier-Phan Quoc hat über einen Tee-Blog auf Facebook Georg Demmer, Spross des traditionsreichen Wiener Teehauses, gewonnen. Sechs Niederlassungen gibt es; bis Ende des Jahres sollen vier weitere dazukommen. Auch Baburu ist auf Expansionskurs.

Erdbeere, Maracuja und Mango sind einstweilen die bevorzugten Sorten, "weil die Leute das halt kennen", sagt Demmer. Auch für ihn sind Dreier-Phan Quocs Verkostungen mit Hibiskus-Schwarztee und Rainbow-Jelly, Matcha latte mit Mango-Pearls oder Kirsche-Vanilla-Latte mit Nata di Coco immer noch aufregend. "Wir süßen weniger als in Taiwan", sagt Dreier-Phan Quoc und nimmt einen Schluck ihres Taro-Smoothie, eines aus der Süßkartoffel gewonnenen, an geröstete Mandeln erinnernden Tees mit Milch. Er löst Wohlgefühl aus, beteuert sie, und zum Ausprobieren von neuen Bubble-Teas sei immer nur beim ersten Mal ein ganz wenig Mut erforderlich. (Karin Pollack, Rondo, DER STANDARD, 25.5.2012)

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