Ex-Steuerberater belastet Grasser schwer

Ex-Minister wird verdächtigt, Ein­kommen aus seiner Tätigkeit für die Meinl-Gruppe steuerschonend nach Liechtenstein transferiert zu haben

Wien - Karl-Heinz Grassers Steuerberater Peter Haunold hat vor der Justiz ausgesagt, er habe dem Ex-Finanzminister bereits 2007 empfohlen, seine Einkommen aus der Tätigkeit für die Meinl-Gruppe offenzulegen. Das schreibt das Nachrichtenmagazin "Profil" unter Berufung auf das Protokoll einer Vernehmung Haunolds durch die Staatsanwaltschaft Wien am 21. März dieses Jahres.

Grasser wird verdächtigt, Einkommen aus seiner Tätigkeit für die Meinl-Gruppe über komplizierte Stiftungskonstruktionen und Treuhandgesellschaften nach Liechtenstein transferiert und dabei in Österreich fällige Steuern hinterzogen zu haben. Grasser bzw. sein Anwalt haben wiederholt betont, dass die Konstruktion steuerrechtlich legal gewesen sei. Grasser hat diese Einkommen 2009 offengelegt, nach eigenen Angaben umfassend und vollständig, die Justiz hat daran allerdings Zweifel.

8,45 Millionen verdient

Grasser habe "nach vorläufigen Erkenntnissen der Justiz" zwischen 2007 und 2009 "dank Julius Meinl" 8,45 Mio. Euro verdient, schreibt das "Profil". Dazu gehörten 4,38 Mio. Euro Vertriebsprovision, die im August 2007 - wenige Wochen nach dem Börsengang der Meinl International Power (MIP) - an die Silverwater Invest & Trade auf den britischen Jungferninseln gingen, sowie 4,069 Mio. Euro, die Grasser ab 2008 als Meinl-Manager über die Man-Angelus-Holdings Ltd auf Zypern erhalten haben soll. Von dem Geld sollen aber nur 3,074 Mio. Euro in Österreich versteuert worden sein, schreibt das Magazin. Nun gehe es um die Versteuerung der Differenz von 5,376 Mio. Euro, aus der die Finanz eine Steuerschuld von 2,658 Mio. Euro errechnet habe.

"Im April 2009 kam KHG zu mir und sagte, er will jetzt offenlegen. Ich habe ihn gefragt, warum erst jetzt. Der Grund war, glaube ich, dass Meinl am 1.4.2009 verhaftet wurde. Ich hatte das Gefühl, dass er Angst hatte, der Nächste zu sein", zitiert das "Profil" aus dem Vernehmungsprotokoll. Haunold außerdem: "Ich glaube, dass KHG schon 2007 hinsichtlich der Zurechnung der Vertriebsprovision Bedenken hatte (...) Ich habe KHG 2007 zur Offenlegung geraten." Und: "Ich habe ihn insbesondere auf das steuerliche Risiko in Verbindung mit der von mir überhaupt nicht vorgeschlagenen Vertriebsprovision hingewiesen." Haunold sagte laut Protokoll auch: "Ich schließe nicht aus, dass ich ihm zu einer Selbstanzeige geraten habe (...) Er wollte aber nur eine Offenlegung machen."

Haunold will auch in den Entwurf des Vertriebsprovisionsvertrags ausdrücklich hineingeschrieben haben, "dass für den Vertrieb KHG als Person für die Silverwater unter Vertrag ist. In der unterschriebenen Version findet sich der Name KHG nicht mehr, weil er herausgestrichen wurde. Das ist nicht durch mich passiert", zitiert das Magazin aus Haunolds Vernehmungsprotokoll.

Gut ausgekannt mit Steuerpflichten

Haunold glaubt demnach auch, dass sich Grasser mit seinen Steuerpflichten gut ausgekannt habe. "Die möglichen steuerlichen Konsequenzen aus der Struktur waren ihm meiner Meinung nach sicher bewusst (...) KHG hat sehr genau über die steuerlich relevanten Fragen Bescheid gewusst, insbesondere über die Frage der Einkünftezurechnung", zitiert das "Profil".

Haunold, der bis heute von Grasser nicht von seiner Verschwiegenheitspflicht entbunden wurde, war zwischen 2007 und 2011 für Grassers Wiener Gesellschaft Valuecreation GmbH tätig und wird der Beihilfe zur Steuerhinterziehung verdächtigt.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter sieht durch Haunolds Aussagen "die unwiderlegbare Demaskierung des ehemaligen FPÖ-Landeshauptmann-Stellvertreters und Finanzministers der schwarz-blauen Regierung, Karl-Heinz Grasser, erfolgt". Damit "sollten auch die Voraussetzungen für eine baldige Anklageerhebung in den im Untersuchungsausschuss behandelten Korruptionsverdachtsfällen wesentlich untermauert worden sein". (APA, 24.5.2012)

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Gut getroffen! Der hat wohl sein Inneres nach außen gekehrt?

Acht Jahre Haft für Banküberfall

"Acht Jahre Haft für Banküberfall - Beute betrug knapp über 1.000 Euro"

http://wien.orf.at/news/stor... s/2535847/

Unschuldsvermutete Millionen-Betrüger und Gauner werden nach Jahren nicht mal angeklagt.

Der interessante Teil ist und bleibt, wieso der von seiner Verschwiegenheitspflicht nicht entbundene

Steuerprofi von Deloitte trotzdem seine Aussagen tätigte.
Wer oder was hat ihn zu diesem lebenslänglich karriereschädigenden Schritt vorzeitig "motiviert"??
Juristisch wäre das gar nicht notwendig gewesen.
js

Hemd und Rock. ^^

na bitte dann klagt ihn doch an, wenn alles so klar ist...

vermutungen, interpretationen, darstellungen von ermittlungsbehörden sind bisher nicht ausreichend, dass grünes licht gegeben wird. Die zuständige staatsanwaltschaft getraut sich nicht, weil sie eine bauchlandung fürchtet
es wird hier so getan, als liege irgend ein beweis vor - die ewigen verweise auf unterlagen aus liechtenstein sind doch nur hilfskonstrukte.
selbst der em. prof. doralt ist überzeugt, dass das konstrukt ausgefeilt ist und nur unter zugrundelegung wissenschaftlicher kriterien zu fall gebracht werden könnte. Diese werden nicht für die finanzrechtliche strafbemessung herangezogen, also handelt es sich hier um spiegelfechtereien.

sehr traurig, aber hochwahrscheinlich wahr.

und das erleichtert Sie?

Grasser verliert auf allen Linien

KHG hat derzeit keinen guten Lauf. Nun hat er auch die Wahl zum schönsten Politiker Österreichs verloren: http://hugovalerian.wordpress.com/2012/05/2... r-zweiter/

Karl Heinz Grasser und Wolfgang Schüssel

Andreas Khols Interview war ein einziger freudscher Versprecher: Er hält Grasser für einen "Ehrenmann" (Ist Herr Andreas Khol schon völlig meschugge?) und er ließ einen Satz fallen, der alles offenbart, den ganze schwarz/blauen Sumpf, die ganzen acht Jahre Schüssel, Bartenstein und Co: "Da will man Wolfgang Schüssel durch meine Brust hindurch ins Auge treffen." http://www.kleinezeitung.at/nachricht... mann.story

Khol weiss noch mehr: ;-)

ANDREAS KHOL: Die ÖVP ist für mich immer ein zusätzlicher Gottesbeweis gewesen. Es muss einen guten Gott geben, sonst gäbe es schon lange keine ÖVP mehr.

Diese Blüte findet sich hier:
http://www.kleinezeitung.at/nachricht... nden.story

Der hat so was von einem Hochwürden, na sagen wir einmal eher Merkwürden!

wieder..

..ein hoffnungsschimmer den kerl einlochen zu können und wieder wirds nichts werden..jeder "normalo" wär schon xmal eingesessen. das ist so eine riesenverarsche.

Es gilt die Unmutsverschuldung

...immer wenn ich Grasser seh...

http://www.info-graz.at/diskussio... slands_zu/

Brüssel/Wien. In der gestrigen Anhörung zur Reform der Eigenkapitalregeln im Basler Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europaparlaments gab Erste-Bank-Chef Andreas Treichl offen zu, dass die Erste Bank auf den Cayman Islands eine Briefkastenfirma zum ausschließlichen Zweck der Steuervermeidung unterhalte. Zusatz: Solange dies legal sei, denke er nicht daran, das zu ändern.

Aktenteile in der Öffentlichkeit als Staatsbürger kommt Unbehagen auf...!!

Nicht dass ich Grasser schützen möchte, aber es befällt mich ein Unbehagen wenn ich mir vergegenwärtige, dass die Staatsanwalschaft permanent Aktenteile an die Öffentlichkeit duerchsickern läßt!
Wie kann ein Protokoll einer Einvernahme in die Öffentlickeit gelangen an deren Veröffentlichung der Beschuldigte kein Interesse haben kann und damit auch die Verschwiegenheitspflicht eines Steuerbraters durchbrochen wird und das Amtsgeheimnis der STA ebenfalls!
Langsam gehört mal unter den Staatsanwälten aufgeräumt und nach deren Korruptheit gerichtlich Untersucht! Denn das permanent Durchsickern ist scheinbar gewollt und das hat die STA voll zu verantworten! Hir wäre mal die KorruptionsSTA gegen die STA zur Tätigwerden aufgerufen!

Ach, das wird sich doch alles in Wohlgefallen auflösen.

So ein schöner und intelligenter Mann wird nicht ins Gefängnis kommen.

Schade.

Die Mithäftlinge hätten ihre Freude mit ihm gehabt...

Nettes Wort: "steuerschonend".
Klingt gar nicht böse, darf ich das jetzt auch machen?

darf ich das jetzt auch machen?

Direkt nicht.

Ein bekannter österreichischer Finanzminister, wir wollen den Namen Androsch nicht nennen, hat damit bereits Erfahrungen gemacht.

Nachdem jedoch Elsner vorläufig wieder ausgezogen ist, wäre ein Zimmer mit Aussicht auf die Nationalbank frei.

Der kleine Nachteil: es liegt im Souterrain und das WC ist hinterindisch (= am Ende des Ganges).

grassers abgehobenheit wird ihn noch zu fall bringen.
hatte die justiz zu beginn noch etliche schranken auferlegt bekommen, so schwinden diese zusehends. auch die övp muss zu ihrem leidwesen langsam akzeptieren, dass man grasser nicht mehr diesen schutz vor der justiz einräumen kann..man probierts zwar immer noch, auch auf die gefahr hin sich lächerlich zu machen...

grassers abgehobenheit war vielleicht für so manchen aufdecker erst der richtige ansporn.
die arbeit der justiz ist vielleicht gar nicht so schlecht, wie grasser oft vorwirft.
schön langsam bröckelt das netzwerk rund um grasser auseinander, bis immer mehr mitwisser und mittäter die flucht nach vorne antreten.

welche Vorbildwirkung für den österreichischen Steuerzahler hat es,

wenn der Finanzminister Österreichs sein Geld 'steuerschonend' in Liechtenstein anlegt.

Wieso und wozu Vorbildwirkung..??

Ein Politiker ist ja ein Spiegel der Gesellschaft in der er wirkt!!
Sogesehen ist das steuerschonende Einkommen schon seit Androsch USUS.
Und bevor ich meine Steuern Griechenland oder der EU gebe....!

Aber Grasser ist doch kein Vorbild, egal welche Tätigkeit er gerade ausübt!

In zwei Jahren 8 Millionen verdient ! Wer kann das schon von sich behaupten ?

Moralisch ist er kaum Vorbild. Aber ich glaub fast die da Oben sind praktisch alle so!

Also wennst Arm bleiben willst dann ist er kein geeignetes Vorbild.

Wer?

So wahnsinnig wichtige Menschen wie Profifussballer, der eine oder andre Skistar, Eishockeyspieler, etc.

Aber die verdienen es ja, oder?

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