Hewlett-Packard setzt 27.000 Mitarbeiter vor die Tür

24. Mai 2012, 08:10
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Mitarbeiter müssen für die Fehler des Managements büßen - HP beschäftigt in Österreich rund 850 Mitarbeiter

Die Befürchtungen haben sich bestätigt: Beim weltgrößten Computerhersteller Hewlett-Packard müssen angesichts eines schrumpfenden Geschäfts voraussichtlich rund 27.000 Mitarbeiter das Unternehmen bis zum Ende des Geschäftsjahres 2014 verlassen. Das sind etwa 8 Prozent aller Beschäftigten. Die Mitarbeiter müssen auch für die Fehler des Managements büßen. HP beschäftigt in Österreich rund 850 Mitarbeiter. Wie viele hier gehen müssen, ist unklar. "Es wird noch Wochen dauern, bis länderspezifische Informationen vorhanden sind", sagte eine Sprecherin am Donnerstag zur APA. HP sei in Österreich aber "sehr schlank und effizient aufgestellt".

Angst um Jobs in Deutschland

Die Gewerkschaft IG Metall befürchtet, dass der Computerhersteller Hewlett-Packard (HP) auch in Deutschland massiv Arbeitsplätze streicht. Die Erfahrung zeige, dass proportional zum internationalen Abbau auch hierzulande Jobs wegfallen könnten, sagte der Unternehmensbeauftragte der IG Metall für HP, Johannes Katzan, am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart.

"Mit detaillierten Informationen zum Stellenabbau ist aber erst Mitte Juni zu rechen", sagte Katzan. "Die IG Metall fordert von HP schnelle Klarheit zur Strategie in Deutschland und ein Konzept zur Beschäftigungssicherung und Qualifizierung. Kunden und Beschäftigte brauchen Klarheit zur Strategie von HP." Das Unternehmen war für eine Stellungnahme zum möglichen Stellenabbau in Deutschland zunächst nicht zu erreichen.

"Absolut notwendig."

"Ein Stellenabbau ist niemals leicht", erklärte Konzernchefin Meg Whitman am Mittwoch. "Aber in diesem Fall ist er absolut notwendig." HP verkauft immer weniger Computer und Drucker. Der kalifornische Konzern droht sogar, die PC-Marktführerschaft an den chinesischen Rivalen Lenovo zu verlieren, der zuletzt merklich zulegen konnte.

In Medienberichten aus der vergangenen Woche war bereits von Plänen für massive Entlassungen die Rede. Durch die harten Einschnitte will HP 3,0 bis 3,5 Milliarden Dollar im Jahr sparen (2,4 bis 2,8 Mrd Euro). Der Stellenabbau variiere je nach Land, erklärte das Unternehmen. Ein Teil der Mitarbeiter soll in Frühruhestand gehen.

Querelen und konfuse Entscheidungen

HP leidet darunter, dass immer mehr Kunden zu einem Tablet-Computer oder ihrem Smartphone greifen und sich den Kauf eines neuen PC sparen. Erschwerend hinzu kamen in der jüngeren Vergangenheit Querelen und konfuse Entscheidungen im Management. Die frühere Ebay-Lenkerin Whitman hat den Job bei HP im September angetreten und räumt seitdem auf.

Im zweiten Geschäftsquartal von Februar bis April ging der Umsatz um 3 Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar zurück und der Gewinn gab im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar nach. Im vorangegangenen Weihnachtsquartal war der Rückgang allerdings noch drastischer ausgefallen.

"Ich würde noch nicht so weit gehen zu sagen, wir haben die Kurve gekriegt", sagte Whitman in einer Telefonkonferenz mit Analysten. "Aber wir machen Fortschritte." Es dauere, HP wieder in die Spur zu bringen. Alleine die Kosten für den Stellenabbau veranschlagt das Unternehmen mit 3,5 Milliarden Dollar.

Börse reagiert

Bei den Börsianern kamen die Sparpläne gut an. Zudem lief das Geschäft besser als befürchtet. Die Aktie stieg nachbörslich um 10 Prozent auf 23 Dollar. Für viele Anleger dürfte aber selbst dieser Sprung nur ein schwacher Trost sein: Vor einem Jahr kostete das HP-Papier noch 36 Dollar.

Selbst die einstige Geldmaschine von HP stottert: die Drucker. Der Umsatz der Sparte ging um satte 10 Prozent zurück. Whitman hatte im März angekündigt, die Drucker- mit der PC-Sparte zusammenzulegen. Das soll Verbesserungen bei Produktion, Einkauf, Kundendienst und Marketing bringen und sparen helfen.

Léo Apotheker

Es ist eine radikale Abkehr von den Plänen von Whitmans Vorgänger, dem aus Deutschland stammenden Léo Apotheker. Der hatte das PC-Geschäft abspalten und sich auf IT-Dienstleistungen und Software konzentrieren wollen. Damit eckte er bei seinen Managerkollegen und bei den Anteilseignern an. Er musste schließlich gehen.

Am Vortag hatte der Rivale Dell enttäuschende Zahlen vorgelegt, der chinesische Rivale Lenovo dagegen ein rasantes Umsatzwachstum bekanntgegeben. Nach Angaben der Gesellschaft IDC hält HP die Marktführerschaft mit einem weltweiten Anteil von 18 Prozent, vor Lenovo mit einem Anteil von 13,4 Prozent und vor Dell mit 11,6 Prozent. (APA, 24.05. 2012)

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