Streit um Sternwartepark: Lieber Wildnis statt Park

Kommentar24. Mai 2012, 05:05
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Der Sternwartepark soll weiter geschützt bleiben

Manchmal wird man von der Geschichte eingeholt, manchmal auch überholt. 1973 war die Kronen Zeitung mitverantwortlich dafür, dass ein Bauprojekt im Sternwartepark nach der ersten Wiener Volksbefragung abgeblasen wurde. 40 Bäume hätten damals gerodet werden müssen, "Baum-Mord!" titelte die Krone. SP-Bürgermeister Felix Slavik, der für den Bau war, trat zurück. Der Park blieb für die Öffentlichkeit geschlossen.

Diesmal macht sich das Blatt für eine Öffnung des mittlerweile als Naturdenkmal geschützten Areals stark. Die Anrainer haben ja ein Anrecht auf Grünfläche. Damit auch verbunden: eine Rodung von Bäumen, die seit 130 Jahren vor sich hin verwildern dürfen. Die Sicherheit der Parkbesucher vor herabfallendem Geäst muss ja gewährleistet sein. Die SPÖ und die Grünen zeigten vorauseilenden Gehorsam, waren von der Idee begeistert. Für eine Öffnung muss aber zuvor der Naturschutzbescheid gekippt werden. Somit wäre theoretisch die Umwidmung in wertvolles Bauland möglich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Engagierte Anrainer haben - diesmal ohne Krone - eine Unterschriftenliste initiiert. Denen reicht der dreimal so große Türkenschanzpark. Er ist keine 100 Meter vom Sternwartepark entfernt. Dass von der Stadt jetzt eine Ausweitung der Öffnungszeiten nach Uni-Betrieb in der Sternwarte überlegt wird, ist Zeichen großen Interesses an diesem Stück Wildnis. Und das soll weiter geschützt bleiben. (David Krutzler, DER STANDARD, 24.5.2012)

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