Volksbanken tief in roten Zahlen

23. Mai 2012, 19:41
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Beteiligungsabschreibung kostete die regionalen Volksbanken 333 Millionen Euro, ÖVP-Justiz­sprecher Donnerbauer ist neuer Verbandspräsident

Wien - Weil die 62 regionalen Volksbanken in Österreich ihre Beteiligung an der mittlerweile teilverstaatlichten Volksbanken AG (ÖVAG) de facto auf null abschreiben mussten, fiel die Bilanz der "Primärstufe" 2011 tiefrot aus.

Nachdem schon 2009 erstmals riesige Abwertungen auf die Beteiligung am Spitzeninstitut nur mit Reserveauflösungen verdaut werden konnte, gab es 2011 noch höhere Lasten aus diesem Titel zu bewältigen. Die jüngste Abwertung an der ÖVAG kostete die Volksbanken in den Bilanzen 2011 insgesamt 333 Mio. Euro, was zu einem EGT-Verlust von 95,4 Mio. Euro führte.

Laut Volksbanken-Verbandsanwalt Hans Hofinger wurden die Belastungen zum Teil aus den Ergebnissen, zum anderen Teil mit der Auflösung von Rücklagen und stillen Reserven verkraftet. Es seien alle Volksbanken gesund. Aber einige, die besonders hohe Anteile an der ÖVAG hatten, musste mit Garantien aus dem Gemeinschaftsfonds geholfen werden.

VP-Justizsprecher Donnerbauer wird Verbandspräsident

Mit neuen Köpfen an der Spitze wollen die Volksbanken ihre alten Probleme lösen. Am Mittwoch wurde der ÖVP-Justizsprecher Heribert Donnerbauer neuer Präsident des Volksbanken-Verbandes. Er folgt auf Werner Eidherr, der turnusmäßig nicht mehr angetreten ist. Die Rochade wurde am heutigen Verbandstag in Wien vollzogen.

Donnerbauer, Jahrgang 1965 und von Beruf Rechtsanwalt, sitzt seit 2001 für die ÖVP im Parlament. Seit 2008 ist der gebürtige Wiener Bürgermeister von Hardegg. Er bekam bei seiner Kür bei den Volksbanken heute hundert Prozent der Stimmen.

Vorwürfe der FMA zurückgewiesen

Die Volksbanker haben am Mittwoch Vorwürfe von Aufsehern und Politikern zurückgewiesen, die sich in den Verhandlungen um die staatliche Rettungsaktion bei der ÖVAG (Volksbanken AG) mit viel teureren Konkursszenarien erpresst fühlten.

"Es geht nicht um Erpressbarkeit, man hat sich das nicht herbeigewünscht", sagte der am Mittwoch neu gekürte Präsident des Volksbanken-Verbandes, Heribert Donnerbauer, nach dem Verbandstag. Es sei volkswirtschaftlich die beste Lösung gefunden worden, das habe nichts mit Erpressung zu tun. Solche Aussagen seien "unzulässig", findet Donnerbauer.

Die ÖVAG habe ja an Altlasten (Stichwort: Investkredit/Kommunalkredit) und Abschreibungen infolge der Schuldenkrise zu leiden gehabt, wird argumentiert. Für Donnerbauer wird es zudem Aufgabe des neuen Aufsichtsrates und Vorstands der ÖVAG sein zu prüfen, ob es Management-Fehler gab.

Neue Chefs Ende Mai

Donnerbauer hat keine operative Banker-Karriere hinter sich, er ist Anwalt, Bürgermeister von Hardegg und Justizsprecher der ÖVP. Im Bank-Business bekleidete er bisher eine Aufsichtsratsposition in einer niederösterreichischen Volksbank. Er sehe sich durch seine regionalpolitische Tätigkeit als Vertreter einer Region und der Wirtschaft, sagte Donnerbauer nach seiner Wahl. Er findet zudem, dass das genossenschaftliche System unter seinem Wert geschlagen wird.

Vorwürfe, die "Genossen" würden seit längerem ein Bankeninsolvenzrecht blockieren, wies der Neo-Volksbanker heute zurück. "Überhaupt nicht, es gibt einfach eine breite Diskussion". Wie auch die Vertreter von Raiffeisen hielten es die Volksbanken für sinnvoll, auf EU-Vorgaben Rücksicht zu nehmen und "keine zersplitterten Regelungen" zu forcieren.

Bis 29. Mai, zum nächsten ÖVAG-Aufsichtsrat, sollen Details über die neuen Chefs in der ÖVAG fest stehen. Die Vorschläge der Head Hunter sollen in dieser Woche vorliegen. (APA, 23.5.2012)

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