Test für strebsame Eltern

Kommentar23. Mai 2012, 19:02
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Die Frage "Wer ist Erster?" stellt sich bei den Bildungsstandards nicht

Was kann die Schule? Bildungsstandards sollen das an den Tag bringen - und in einer Moderne, in der von den dümmsten Fernsehsendungen bis zur Häufigkeit von Kindernamen alles einem Ranking unterzogen wird, wollen Mütter und Väter selbstverständlich auch wissen, welches Institut die meisten Trottel produziert. Man macht sich die Schulwahl für den Nachwuchs ja schließlich nicht leicht. Da will man doch wissen, an welcher Adresse die Genies von morgen produziert werden, es geht um nicht weniger als die Zukunft unserer Kinder!

Diese Vorstellung ist bei Eltern verbreitet, Bildungsstandards sind ein missverstandenes Instrument, ihr nahezukommen. Es soll ein einheitliches Leistungsniveau in den heimischen Schulen sichergestellt werden, das ist kein Wettlauf. Es wird, sagt die Logik, nach der Mitte gesucht, in der sich die meisten Schüler befinden müssten.

Die Frage "Wer ist Erster?" stellt sich hier nicht. Lehrer und Schuldirektoren bekommen eine bisher nicht gekannte Möglichkeit zur Orientierung in die Hand. Erst im intimen Wissen um die betroffenen Klassen lässt sich das Ergebnis interpretieren und seine Aussagekraft beurteilen. Das gesamte Unternehmen richtet sich an ein Fachpublikum und stellt auf Nachhaltigkeit ab, nicht auf einen Vergleich, wo es weniger Fünfer und mehr Einser gibt.

Und wie findet sich dann die richtige Schule? Interessen, Fähigkeiten und besondere Begabungen der Kinder weisen eher den Weg als Rankings. (Otto Ranftl, DER STANDARD, 24.5.2012)

Pro Bildungsstandards veröffentlichen: Konkurrenz belebt

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