Traurige Popos

23. Mai 2012, 18:52
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Viel peinlicher, als das Finale zu verpassen, ist, beim Finale Letzter zu werden - Das wurde verhindert

Das mit dem Europa der Sprachregionen, das haben Plöchl/Hoffelner zu wörtlich genommen. Ihr Mundart-Rap lud ja schon daheim zu Missdeutungen ein; erst recht musste das Votingvolk bei Woki mit deim Popo den Eindruck gewinnen, Stangen betanzende Testosteronjungs (einer verletzte sich) wollen mit simuliertem Neandertaler-Sprech auf ihre Unterleibsvorzüge hinweisen.

Ein ungerechtes Missverständnis. Eines jedoch, das womöglich zum Ausscheiden von Trackshittaz führte, durch ein paar englische Sprachrülpser jedoch aus der Welt hätte geschaffen werden können. Sah man an den russischen Tanzdiven (Name: Buranowskie Babuschki, Durchschnittsalter 70): Sie schoben in der Crystal Hall von Baku nicht nur (sympathisch falsch singend) Backwaren in den Ofen, vielmehr wippten sie sich mit klaren Lockrufen ("Party For Everybody!" und "Boom! Boom!") in die Euroherzen. Man sieht die bäuerlichen Damen am Samstag wieder. Wie auch die Vertreter von Rumänien, Moldawien, Island, Ungarn, Dänemark, Albanien (Rona Nishliu, beste Stimme und Frisur des Abend), Zypern, Irland und Griechenland, das Gefahr läuft, mit einem Sieg und der kostspieligen Austragung des Wettsingens 2013 bestraft zu werden.

"Schade, aber keine Schande", so Andi Knoll angesichts des Arschflops. Stimmt. Es ist zwar vorbei, bevor es begonnen hat. Viel peinlicher, als das Finale zu verpassen, ist jedoch, beim Finale Letzter zu werden. Das immerhin wurde energisch verhindert! Reicht dies nicht als Trost, wende man sich an Ralph Siegel. Er schrieb zum 20. Mal ein Contest-Lied (für San Marino) und schied aus. Er weiß also, wie man Kummer bewohnt. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 24.5.2012)

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    Sangen vor Trackshittaz und ließen das Duo hinter sich - die russischen Finalistinnen Buranowskie Babuschki.

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