Telekom hält Prüfbericht unter Verschluss

23. Mai 2012, 21:44
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Der Prüfbericht über die mutmaßlichen Malversationen wird Aktionären und Öffentlichkeit nicht vorgelegt. Der Einzug Sawiris in den Aufsichtsrat scheiterte vorerst

Wien - Die Rede, mit der sich Neoaktionär Ronny Pecik am Mittwoch den Aktionären der Telekom Austria (TA) präsentierte, sollte wohl gute Stimmung verbreiten. Er könne zwar nicht sagen, wie lang er investiert bleiben werde, aber das Engagement sei sehr ernst gemeint. Er und die um ihn versammelten Investoren haben demnach 21 Prozent der TA-Aktien erworben und dafür 800 Millionen Euro investiert.

Quasi als Beweis bot die "Heuschrecke", die "lieber als Schmetterling" gesehen würde, an, Einblick in den Kreditvertrag, mit dem die dafür notwendigen 640 Millionen Euro Fremdkapital aufgenommen wurden, zu gewähren. Wie viel Vertrauen die mit patriotischen Elementen gespickte Wortspende zu schaffen vermochte, zeigte sich erst beim letzten Tagesordnungpunkt, der Wahl in den Aufsichtsrat, über die gegen 18 Uhr abgestimmt wurde. Klar war bis dahin nur, dass dieser entscheidende, von Peciks "Marathon Zwei" beantragte Tagesordnungspunkt bereits vor Beginn des Aktionärstreffens in der Wiener Stadthalle obsolet war. Die Wahl des ägyptischen Investors Naguib Sawiris (vom Telekomriesen Orascom) war nämlich bereits am Vorabend abgeblasen worden.

Peciks Begründung: Sawiris habe wegen der Präsidentenwahl in Ägypten nicht nach Wien kommen können. Er werde aber zu einem späteren Zeitpunkt in den Telekom-Aufsichtsrat einziehen. Als Indiz für Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Investorengruppe sei das nicht zu werten, versicherte Pecik. So wurde aus der angestrebten Aufstockung des Telekomaufsichtsrats um zwei Kapitalvertreter nur eine Vergrößerung um einen Mann: Pecik. Er wurde mit 73,19 Prozent der Stimmen gewählt. Da nicht davon auszugehen ist, dass Pecik und Sawiris ein Jahr bis zur nächsten Hauptversammlung warten würden, gilt die baldige Einberufung einer außertourlichen Hauptversammlung in Unternehmenskreisen als wahrscheinlich.

Kein reiner Wein

Bis es so weit war, wurden die Investoren mit dem Vorstandsbericht über den Geschäftsverlauf, den Gewinnverwendungsvorschlag niedergeredet und natürlich dem sehnsüchtig erwarteten Bericht der Wirtschaftsprüfer von BDO über die forensischen Untersuchungen diverser Malversationen unter ehemaligen Vorstandsdirektoren - von den Aktienkursmanipulationen im Jahr 2004 zur Erreichung von Erfolgsprämien über dubiose Immobilienverkäufe bis hin zum Agenturkomplex Hochegger/Valora, über den mutmaßlich Bestechungsgelder geschleust wurden.

Wiewohl BDO-Prüfer Markus Brinkmann für die bisher stets mit Malversationen und Unregelmäßigkeiten umschriebenen Korruptionsfälle klare Worte fand: Die auch von anwesenden Aktionärsvertretern wie Wilhelm Rasinger vom Interessenverband der Anleger vehement geforderte Chance, ihren Aktionären reinen Wein einzuschenken, nützte die TA-Führung unter ihrem Präsidenten Markus Beyrer (zugleich ÖIAG-Chef) nicht. Im Gegenteil. Von mehr als tausend Seiten Bericht des Prüfteams bekamen die Aktionäre schlanke 25 Seiten vorgelegt.

Auf die in Untersuchungsausschuss und Medienberichten ausgebreiteten Details ging niemand ein. Der Verdacht auf "dolose Handlungen" einzelner Vorstandsmitglieder in und nach der Ära von General Heinz Sundt und dessen Nachfolger Boris Nemis hätten sich aber erhärtet. Als "dolos" bezeichnen Wirtschaftsprüfer vorsätzliche Handlungen zum Schaden des Unternehmens wie Bilanzmanipulation, Untreue, Betrug und Unterschlagung.

Wesentliche neue Erkenntnisse seien nur im Bereich Infrastruktur und bei Beraterverträgen aufgetaucht, sagt BDO. Heißt auf gut Deutsch: Es wurde (zu) viel bei Alcatel gekauft. Und: Unter dem Titel Blaulichtfunk wurden Zahlungen an ein Budapester Beratungsunternehmen im Ausmaß von 1,1 Millionen Euro aus 2008/09 gefunden - ohne Dokumentation der Leistungserbringung. Tiefer gehende Prüfungen ohne die Mittel eines Strafverfahrens seien der Telekom aber ebenso wenig möglich wie bei den Rechnungen von Peter Hocheggers Agentur Valora.

Die BDO-Prüfung kostete laut Beyrer 1,43 Mio. Euro. Dass der Prüfbericht von Deloitte, durch den die wichtigsten Malversationen aufgeflogen sind, von BDO noch einmal auf Plausibilität geprüft wurde, kritisierten mehrere Aktionäre. Die TA sollte sich lieber dem operativen Geschäft widmen, das in Österreich, Kroatien und Bulgarien schwächle, so der Tenor. Die von Pecik im Vorfeld heftig kritisierte Dividende von 38 Cent pro Aktie wurde mit 99 Prozent beschlossen, detto die Entlastung von Vorstand und Aufsichts rat. Harmonisch ging es weiter: Pecik wurde im Aufsichtsrat als Vizepräsident ins Präsidium gewählt, das zu diesem Zweck extra aufgestockt wird. Er sitzt dort nun mit Beyrer und Anwältin Edith Hlawati. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 24.5.2012)

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    Investor Ronny Pecik wäre gerne ein Schmetterling.

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