Vom Wiegen fetter Säue und anderen Rechenkünsten

23. Mai 2012, 17:50
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Testung der Bildungsstandards: ÖVP-Landespolitiker fordern Veröffentlichung "auf Punkt und Beistrich"

Wien - Fußball. Parlament. Lehrlinge. Für das alles kann Mathematik hilfreich sein. Ob sie für solche Rechnungen gewappnet sind, mussten am Mittwoch die rund 86.000 Schülerinnen und Schüler, die derzeit die achte Schulstufe in einer Hauptschule, Neuen Mittelschule (NMS) oder AHS absolvieren, zeigen. Österreichweit wurde nämlich zum ersten Mal der "Bildungsstandard" für das Fach Mathematik getestet.

Die vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) freigegebenen Beispiele umfassten etwa die Ermittlung des mittleren Alters (Median) einer Schülerfußballmannschaft. Der Lehrlingsfall sah so aus: "Im Jahr 2009 waren in Österreich 142.209 Lehrlinge beschäftigt, darunter 50.536 weibliche. Stelle die absoluten Häufigkeiten der männlichen und der weiblichen Lehrlinge in einem Stabdiagramm dar!" Zur grafischen Mandatsverteilung im Parlament sollte jene statistische Grafik als richtig angekreuzt werden, aus der man "möglichst leicht erkennen kann, welche Koalitionen eine Mehrheit im Parlament hätten": Streu-, Kreis-, Linien- oder Piktogramm? Kreisdiagramm!

"Österreich-Bericht"

Die Politik rechnet auch schon mit. Aus Ober- und Niederösterreich kamen quasi schwarze Fehlermeldungen zur "zielgruppenorientierten" Veröffentlichung, die Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) plant: für Schüler das eigene Ergebnis, für Lehrer anonymisierte Einzelleistungen, für Direktoren das Schulergebnis, für die Landesschulbehörden ihr Bundesland. Jeder Ergebnisbogen beinhaltet als Vergleich den Österreich-Schnitt und die Werte der anderen Schultypen sowie einen "fairen Vergleich" mit einer Bandbreite, die "unter den gegebenen Bedingungen (Standort und Umfeld) zu erwarten wäre" - auch die Kategorien Migrationshintergrund und Geschlecht werden ausgewertet. Die Ministerin erhält einen "Österreich-Bericht". Schmied will die Standards zur "Schulentwicklung" nützen, aber (vorerst) nicht für öffentliche Rankings und Schultypen-Vergleiche.

Kritik aus ÖVP

Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) kritisierte das "Überblicks- und Vergleichsmonopol" als "Geheimniskrämerei", Niederösterreichs Bildungslandesrat Karl Wilfing (ÖVP) als "Geheimnistuerei, die auch viel Steuergeld kostet". Er will "lückenlose Transparenz". Pühringer fordert, dass die Ergebnisse "auf Punkt und Beistrich veröffentlicht werden", vor allem auch AHS-NMS-, Stadt-Land- und Bundesländer-Vergleiche.

AHS-Lehrergewerkschaftschef Eckehard Quin stößt sich nicht nur an den Entwicklungs- und Implementierungskosten von bisher 36 Millionen Euro. Das hätte für alle ein "vergoldetes Testheft" geben müssen. Quin will auch eine sofortige Rückmeldung der Ergebnisse statt erst im Dezember: "Wir benötigen mehr Geld für die Kinder und nicht immer mehr für Testungen. Denn: Vom Wiegen allein wird die Sau nicht fett." (Andrea Heigl/Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 24.5.2012)

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    Am Mittwoch fanden die ersten Tests der Bildungsstandards in Mathematik statt.

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