Nicht alles, was geigt, ist eine Stradivari

Renate Graber
23. Mai 2012, 17:30

Wenig Erlös bei Versteigerung von angeblich wertvollsten Instrumenten

Wien - Die Causa Stradivari, die nun auch Medien wie Spiegel oder Wall Street Journal beschäftigt, hält Straf- wie Ziviljustiz auf Trab. Geigenhändler Dietmar Machold hat die Instrumente mit Bankkrediten finanziert und (zum Teil) mehrfach verpfändet, er und seine Gesellschaften sind pleite. Der ehemalige Schlossherr sitzt in U-Haft, er ist zum Teil geständig, es gilt Unschuldsvermutung.

Heute, Donnerstag, tagt in Macholds Konkursverfahren der Gläubigerausschuss. Masseverwalter Jörg Beirer überlegt nun auch Schritte gegen Macholds Sohn: Er soll mit Instrumenten seines Vaters handeln. Seine Anwältin Irina Schiffer weist das zurück: "Das stimmt nicht."

Der Masseverwalter des "privaten" Machold (Masseverwalter der Wiener Machold Gesellschaft ist Wolfgang Herzer, Sohn des gleichnamigen Cellisten und Ex-Mitglieds der Wr. Philharmoniker) hat inzwischen auch schon einiges verkauft.

Schloss Eichbüchl in Niederösterreich etwa wechselte um 3,5 Mio. Euro den Eigentümer. 2,6 Mio. Euro vom Erlös gingen freilich flugs an die Wr. Neustädter Sparkasse, die Machold den Ankauf des Schlosses finanziert und sich per Pfandrecht abgesichert hatte. Auch bei den Verkäufen kam man zu interessanten Einsichten, etwa was den Wert so mancher Geige betrifft.

Suche geht weiter

Bloß ein Beispiel: Geigerin Alexandra Soumm spielte jahrelang eine Omobono Stradivari aus dem Jahr 1735, die ihr Machold geborgt und mit ein bis zwei Millionen Euro Wert angesetzt hatte. Aufgrund eines Berichts im Standard, wonach weltweit nach Machold-Instrumenten gesucht werde, übergab Soumm die Geige an den Masseverwalter, der diese bei Sotheby's schätzen ließ. Durch das Gutachten der Experten wurde aus der Super-Stradivari eine namenlose "norditalienische Geige aus dem Jahr 1700, die 14.000 bis 21.700 Euro wert ist". Das Instrument wurde im Paket mit zwei weiteren Geigen versteigert. Netto-Gesamterlös: rund 27. 300 Euro.

Die Suche nach verwertbaren Geigen geht unterdessen weiter, wobei im Jänner des Vorjahres allein im Bremer Geschäft Macholds rund 100 Instrumente gefunden worden sind, wie sich aus Akten ergibt. Die Gläubiger aus dem Konkursverfahren hierzulande haben von diesem Fund freilich nichts: Die Geigen wurden nicht sichergestellt, sondern im April 2011 allesamt abgeholt. Von einer deutschen Privatbank, die mit Machold Geschäfte gemacht hatte.

Apropos Banken: Sie streiten in der Causa nun auch miteinander. UniCredit Deutschland etwa hat Geigen-Sammlerin Oesterreichische Nationalbank geklagt. Beide Banken erheben Anspruch auf ein- und dasselbe Instrument. (Renate Graber, 23.5.2012)

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