Freiheit als höchstes künstlerisches Gut

  • Als "Testat von Todesnähe und Verzweiflung" beschrieb Jean-Paul Sartre 
dieses Selbstbildnis des alten Tintoretto (entstanden um 1585). Die 
Leihgabe aus dem Pariser Louvre ist eines von vierzig Meisterwerken, die
 derzeit in Rom ausgestellt sind.
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    foto: musée du louvre / wikimedia commons

    Als "Testat von Todesnähe und Verzweiflung" beschrieb Jean-Paul Sartre dieses Selbstbildnis des alten Tintoretto (entstanden um 1585). Die Leihgabe aus dem Pariser Louvre ist eines von vierzig Meisterwerken, die derzeit in Rom ausgestellt sind.

Dem Renaissance-Meister Tintoretto ist erstmals seit 75 Jahren in Italien eine Ausstellung gewidmet

Rom - Rebell, Künstlergenie, Renaissance-Meister des Lichts: Schon seine Zeitgenossen beschrieben Tintoretto (1518-1594) als "das furchterregendste Gehirn, das es in der Malerei je gegeben hat". Vier Jahrhunderte später entdeckte der französische Existenzialist Jean-Paul Sartre seine Seelenverwandtschaft mit Jacopo Robusti alias Tintoretto, dem Färbersohn aus Venedig, dem die Freiheit - künstlerisch wie menschlich - höchstes Gut war.

In Essays analysierte Sartre, warum und wie sich Tintoretto im Kunstbetrieb seiner Zeit durchsetzen konnte. Tintorettos um 1585 entstandenes Selbstporträt als alter Mann sah Sartre als "Testat von Todesnähe und Verzweiflung".

Dieses Selbstbildnis, Leihgabe aus dem Pariser Louvre, ist eines von vierzig Meisterwerken, die noch bis 10. Juni in den römischen Scuderien auf dem Quirinalshügel zu sehen sind. Auch das Kunsthistorische Museum hat für die opulente Schau - übrigens die erste in Italien seit 75 Jahren - Susanna im Bade verborgt, das Londoner Victoria-&-Albert-Museum steuert ein Selbstporträt des jungen Tintoretto bei.

Das "Färberlein", wie Tintoretto übersetzt heißt, lernte zunächst bei Tizian, entwickelte aber bald seinen eigenen Stil, großzügig und frei von allen Gesetzen der Perspektive, unkonventionell in der Verwendung der Farben.

Sein Credo: "Von Michelangelo die Zeichnung, von Tizian die Farbe." Einer seiner Biografen verglich Tintorettos Stil mit dem Richard Wagners: Tintoretto, schrieb Henry Thode, erreiche in seinen Bildern ein ebenso tiefes emotionales Verstehen des Ganzen wie Wagner in seinen Opern. (asch, DER STANDARD, 24.5.2012)

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