Auch Volks- und Hauptschullehrer sollen sich "Professor" nennen

23. Mai 2012, 14:34

Regierungsvorschlag: Pflicht zur Fortbildung in Freizeit - Basisgehalt von 2.420 Euro bei Unterrichtsverpflichtung von 24 Stunden

Wien - Die Reform des Dienstrechts soll Schluss machen mit den unterschiedlichen Spielregeln, die seit 1948 für Landeslehrer (Volks-, Haupt, Sonder-, Berufs- und Polytechnische Schule) und Bundeslehrer (AHS; berufsbildende mittlere und höhere Schulen, BMHS) gelten: So sieht das der APA vorliegende Papier für alle Junglehrer, die 2013/14 zu arbeiten beginnen, u.a. die gleiche Wochenarbeitszeit von 24 Stunden, dasselbe Basisgehalt von 2.420 Euro und dieselbe Fortbildungspflicht von 15 Stunden pro Jahr außerhalb der Unterrichtszeit vor. Und auch den Titel sollen die Lehrer sich teilen: Künftig werden alle die Verwendungsbezeichnung "Professor" führen, was bisher Bundeslehrern vorbehalten war. Die von der Regierung vorgeschlagenen Änderungen in Kürze:

PRAGMATISIERUNG: Wie von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) angekündigt ist keine Möglichkeit zur Pragmatisierung vorgesehen, in dem Papier ist nur von Vertragsbediensteten die Rede. Die Pragmatisierung wird bei den Bundeslehrern schon seit 2003 ausgesetzt und auch nur noch bei Teilen der Landeslehrer durchgeführt.

ARBEITSZEIT: Lehrer müssen verpflichtend 24 Stunden pro Woche unterrichten, wobei darunter auch Lernzeiten bei der Tagesbetreuung fallen. Derzeit gilt für Pflichtschullehrer eine Unterrichtsverpflichtung von 20 bis 22 Wochenstunden, für Lehrer an Bundesschulen sind es 20. "Aus wichtigen Gründen" kann die Unterrichtszeit künftig auf bis zu 28 Stunden angehoben werden. Darüber hinaus gibt es für jede Unterrichtsstunde 1,3 Prozent des Gehalts zusätzlich. Neben diesen "pädagogischen Kernaufgaben" gehören zu den Dienstpflichten auch die Vertretung anderer Lehrer, Vor- und Nachbereitung des Unterrichts sowie Korrekturen schriftlicher Arbeiten und "standortbezogene Tätigkeiten" (Elterngespräche, Schul- und Qualitätsentwicklung, Projekte, Teilnahme an Konferenzen, Teambesprechungen und schulinterner Fortbildung). Welches Ausmaß diese Tätigkeiten abseits des Unterrichts haben, wird in den Gesetzesentwürfen nicht näher definiert. Lediglich die Zahl der Supplierstunden ist mit 24 pro Jahr vorgegeben, jede zusätzliche Stunde bringt 33,4 Euro.

GEHALT: Es soll 2.420 Euro brutto als Einstiegs-Grundgehalt für alle Lehrer geben, unabhängig von Schultyp oder Fach. Die bisher steile Gehaltskurve soll deutlich abgeflacht werden, das Lebens-Einkommen dabei aber gleichbleiben. Die bisher 17 bis 18 Gehaltssprünge alle zwei Jahre werden durch sieben Gehaltsstufen ersetzt. Die erste Vorrückung gibt es erst nach 13 Jahren, Gehaltsstufe 2 liegt bei 2.760 Euro, nach 17 Arbeitsjahren sind es 3.100 Euro, nach 22 Jahren 3.440 Euro, nach 27 Jahren 3.780 Euro, nach 33 Jahren 4.120 Euro und in der letzten Gehaltsstufe nach 39 Jahren 4.330 Euro. Für Pflichtschullehrer bedeutet das neue Anfangsgehalt ein Plus von 400 bis 500 Euro, für Bundesschullehrer von 200 Euro. Das Endgehalt bringt ein Minus von 170 Euro für Pflichtschul- und minus 810 Euro für Bundesschullehrer. Allerdings kommen nach dem neuen Schema unterschiedliche Zulagen nach Fächern, Schulstufe und Zusatzaufgaben hinzu. Ein direkter Vergleich ist deshalb nicht möglich.

BERUFSEINSTIEG: Junglehrer starten nicht bereits in der Entlohnungsstufe I, sie müssen künftig eine sogenannte Induktionsphase durchlaufen. In dieser sollen sie bei einer Lehrverpflichtung von 22 Stunden plus verpflichtender Weiterbildung an Pädagogischen Hochschulen (PH) 1.960 Euro verdienen - und zwar unabhängig von Schulstufe und Fach. Für Bundeslehrer dauert diese Phase wie das bisherige Unterrichtspraktikum ein Jahr, für Landeslehrer, die bisher überhaupt keine Induktionsphase kannten, zwei Jahre.

ZULAGEN: Je nach unterrichtetem Fach bekommen Lehrer Zulagen, die sich nach den bisher für Bundeslehrer geltenden Lehrverpflichtungsgruppen richten: In der Sekundarstufe I (AHS-Unterstufe, Hauptschule) bekommen Lehrer etwa für Deutsch und Fremdsprachen, Mathematik, darstellende Geometrie, Informatik und EDV 24 Euro pro Wochenstunde zusätzlich. Damit werden die an der Uni ausgebildeten AHS-Lehrer für den Unterricht in Unterstufenklassen künftig gleich viel verdienen wie die derzeit an den PH kürzer ausgebildeten Lehrer der Sekundarstufe I. Mit der geplanten Reform der Lehrerausbildung sollen sie ja künftig gemeinsam auf den Beruf vorbereitet werden. In der Sekundarstufe II (AHS-Oberstufe, BMHS) liegt die Zulage für die genannte Fächergruppe bei 36 Euro. Zwölf Euro zusätzlich sollen Lehrer bekommen, die in der Oberstufe Geografie, Geschichte, Psychologie oder ähnliche Fächer unterrichten. Extra Geld gibt es auch für "Spezialfunktionen": So bekommen Mentoren, die Junglehrer in der Induktionsphase betreuen, 90 Euro für ihre Betreuungsaufgabe, bei zwei Schützlingen sind es 120 Euro, bei drei 150 Euro. Für Bildungs- und Schülerberatung oder Berufsorientierung gibt es eine Zulage von 150 Euro, dasselbe gilt für Sonderpädagogik.

FORTBILDUNG: Alle Lehrer müssen künftig verpflichtend Fortbildungen im Ausmaß von 15 Stunden pro Jahr besuchen - und zwar außerhalb der Unterrichtszeit, wie präzisiert wird. "Nur bei Vorliegen eines wichtigen dienstlichen Interesses" darf deshalb der Unterricht ausfallen. Im Schuljahr 2010/11 sind 95 Prozent aller 384.000 Kursanmeldungen auf die Unterrichtszeit entfallen. Pflichtschullehrer hatten schon bisher eine Fortbildungspflicht von 15 Stunden pro Jahr, bei Bundeslehrern ist Fortbildung derzeit eine nicht quantifizierte Dienstpflicht.

MENTOREN: Lehrer, die Berufseinsteiger in der Induktionsphase betreuen wollen, müssen mindestens fünfjährige Berufserfahrung mitbringen sowie einen Hochschullehrgang von 60 ECTS absolvieren, jede Person darf maximal bis zu drei Junglehrer betreuen. Bis 2019/20 reicht allerdings auch ein 30 ECTS umfassender Lehrgang bzw. die bisherige Erfahrung als Betreuungslehrer für Unterrichtspraktika.

SCHULLEITER: Schulleiter werden nach dem Entwurf auf fünf Jahre befristet bestellt, bei "Nichtbewährung" können sie vorzeitig abberufen werden. Vom Unterricht sind Direktoren gänzlich freigestellt, derzeit ist das erst ab einer Schul-Mindestgröße von 40 Klassen der Fall. Für den Posten gibt es je nach Schulgröße eine Zulage von 450 bis 1.300 Euro in den ersten fünf Jahren, danach sind es 550 bis 1.500 Euro.

MITTLERES MANAGEMENT: Im Dienstrecht ist auch das von Schmied angekündigte Mittlere Management für größere Schulen vorgesehen. Lehrer in dieser Funktion müssen 50 bzw. 75 Prozent weniger unterrichten und bekommen eine Zulage von 300 bzw. 450 Euro pro Monat. (APA, 23.5.2012)

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Brotfressoren...

...dürfen sich alle (Jodel-)Diplompädagog(inn)en nennen, die ihr Pausenbrot in der Schule verzehren.

wenn die diskussion in ö über titel und nicht inhalt ist, ist sowieso etwas schiefgelaufen..

normalerweise schon...

in anderen ländern!
in ö. bin ich mir da nicht immer ganz so sicher!

wenn die diskussion in ö über titel und nicht inhalt ist, ist sowieso etwas schiefgelaufen..

Was für eine Schnapsidee!

Is das nicht wurscht, ob der nun Professor ist oder nicht? Nur weil er einen Titel bekommt, den er sich nicht erarbeitet oder erlernt hat, muss man noch lange nicht niederknien. Anscheinend will man dem dem "Professor für alle Lehrer" einfach mehr Studenten anlocken, die dann vielleicht Lehrer werden wollen, weil "Frau/Herr Professor" einfach so gut klingt...

"Verwendungsbezeichnung "Professor"" ungleich akademischer Titel beim Namen!!!!

Professorentitel für Lehrer abschaffen!

Nur Universitätsprofessoren sollten weiter so heißen!

Gendarm gibt es auch nicht mehr. Die heißen jetzt auch Polizist.

Sie verwechseln Berufsbezeichnung und Titel.

Der Lehrer hatte noch nie einen Professorentitel, sondern war immer schon Magister/Magistra.

Ab ins Ausland!

Ich habe nach der HTL und dem Bundesheer Österreich verlassen und in England studiert. Dann in Australien einen Master gemacht und 2005 mit PR Visum eingewandert. Letztes Jahr habe ich einen Dip Ed gemacht (1 Jahr Uni Ausbildung zum High School Teacher). Max. Stunden sind 21. Gehalt steigt jedes Jahr an und nach 9 Jahren hat man das max. Gehalt erreicht. Wir haben gerade eine 12% Gehaltserhöhung über die nächsten 4 Jahre bekommen. Gehalt ist Top! Mit dem neuen System frage ich mich wer in Österreich noch Lehrer sein will. Gutes Talent wird damit sicher nicht angelockt. Ich sehe 10-20% mehr arbeiten für weniger Gehalt. 2-4 mehr Unterrichtsstunden sind dann noch zusätzlich 1-2h zum vorbereiten. Der Standard wird garantiert sinken.

Ja, alle, die so ticken wie Sie, sollten auswandern

ich glaub der Maulwurf wolte hauptsächlich klarmachen, das man mit dem jetzigen und mit dem geplanten Vorwurf auch nicht gerade die Lehrer motivieren kann, bzw. das Frust so wieder erzeut wird.

wahrscheinlich ist am australischen System auch nicht alles Top - vielleicht könnte es aber für unsere Bildungspolitik interessant sein es zumindest anzusehen.

ja eh.

schöne bildungskarriere. gratuliere. sind sie eigentlich der meinung, dass managerposten in österreich höher bezahlt werden sollten? im internationalen vergleich verdienen die ziemlich wenig!

Toll. Dann boxen verwahrloste Kinder nicht mehr dem Herrn Lehrer in den Bauch, sondern dem Herrn Professor, der sich noch mehr in den Bauch boxen lassen muss für weniger Geld.

wenn die Gewerkschaft dem zustimmt hat sie verdient, dass eine neue gegründet wird

das erinnert mich sehr an Ephraim Kishons: "Wiener Titelwalzer"

http://www.ephraimkishon.de/Satire_Re... n.htm#Wien

Alle werden "Professor"

für ein Hungergehalt in desolaten Schulen, 50qcm Arbeitsplatz: Bis alle Schulen ganztagstauglich sein werden, rechne ich mit 100 Jahren und mehr. Wer möchte sein Kind täglich einkasernieren? Schmied zäumt das Pferd von hinten auf. Ideologie allein bleibt Wunschdenken bis in die österreichische Ewigkeit! Hätte sie ein Kind, ginge es SICHER NICHT in eine Ganztagsschule nach heutigem Standard.

In der Sekundarstufe I bekommen Lehrer etwa für darstellende Geometrie,

wtf!! In welcher Schule gibts DG in der Unterstufe? Wer sitzt denn an diesen Entwürfen? Haben diese Personen auch nur ungefähr eine Ahnung von den Lehrplänen?

Was hat das mit dem Titel Prof. zu tun?

"Geometrisch Zeichnen" in der 3 und 4 Klasse als eigenes Fach - in der AHS.

GZ ist aber schon ein bissl was anderes als DG. Abgesehen davon, dass GZ - angeblich - von der Bildfläche verschwinden wird mit den neuen Lehrplänen und damit in den Mathematikunterricht integriert werden muss.

Ich sehe GZ als Vorstufe zu DG.
So wie Unterstufenmathematik nur eine Vorstufe zur Oberstufenmathematik ist - und das wieder nur die Basis dessen bildet, was dann an der Uni kommt.

Wäre aus meiner Schicht Schade, wenn GZ verschwindet. Es ist kein beliebtes Fach, aber für zukünftige Techniker ein guter Einstieg.

in der nms auch - lehrpläne ident

aber trotzdem lachhaft. für physik/chemie gibts nix. sagt ja alles.

Das Gehaltskürungsprogramm

kann sich die Schmied von mir aus dorthin stecken, wo die Sonne niemals scheint.
Zum Glück hab ich schon vor ein paar Monaten Anfragen an Hessen und Bayern gemacht und folgende Antworten bekommen: "Sehr geehrter Herr XXX, ich danke Ihnen für die Bewerbung, das Land Bayern hat einen großen Bedarf an Lehrern mit der Fächerverbindung......."
Bei Hesses war die Antwort dieselbe. Ich sage danke für Lehrerausbildung und mache noch mein Probejahr, aber das schmiedsche Lohndumping werde ich mir nicht antun.

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