Metro-Führungskrise hat Nachspiel - Kritik auf Hauptversammlung

23. Mai 2012, 13:54
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Umsatz von Metro steigt - Ergebnisplus bei Media-Saturn

Die Führungskrise beim deutschen Handelskonzern Metro hat ein halbes Jahr später ein Nachspiel. Die Fondsgesellschaft Union Investment kündigte kurz vor Beginn der Hauptversammlung am Mittwoch in Düsseldorf an, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Ex-Metro-Chef Eckhard Cordes und Ex-Aufsichtsratschef Jürgen Kluge hatten sich im vergangenen Jahr einen heftigen Machtkampf geliefert. Nachfolger von Cordes an der Spitze des Dax-Konzerns wurde der frühere Finanzvorstand Olaf Koch.

Unter seiner Führung will Deutschlands größter Handelskonzern aggressiver um die Gunst der Verbraucher werben. Mit niedrigeren Preisen soll der Umsatz wieder angekurbelt werden. Den Spielraum dafür sollen Einsparungen schaffen. Zur Metro AG gehören die gleichnamigen Großhandelsmärkte für Gewerbetreibende, die Elektronikketten Media Markt und Saturn, der Lebensmittelhändler Real und die Warenhauskette Kaufhof. Koch hatte im Jänner den Verkauf von Kaufhof vorerst auf Eis gelegt. Dazu dürfte die Aktionäre Fragen haben.

Bei dem Aktionärstreffen geht es auch um Personalien. Der neue Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel war im November gerichtlich zum Mitglied des Kontrollgremiums bestellt worden. Er will nun in den Aufsichtsrat gewählt werden und dessen Vorsitz erneut übernehmen. Außerdem will der Finanzchef des Duisburger Mischkonzerns Haniel, Florian Funck, für Bernd Pischetsrieder in das Kontrollgremium der Metro ziehen. Damit würde Haniel seinen Einfluss im Metro-Aufsichtsrat ausbauen. Zusammen mit der Familie Schmidt-Ruthenbeck besitzt Haniel die Mehrheit an der Metro AG.

Metro hat in den ersten vier Monaten 2012 mit dem wichtigen Ostergeschäft den Umsatz steigern können. Metro habe ein Umsatzwachstum von "mehr als ein Prozent erreicht", sagte Koch bei der Hauptversammlung am Mittwoch in Düsseldorf laut Redetext. Die Tochter Media-Saturn werde ihr Ergebnis zudem im zweiten Quartal verbessern - zu Jahresbeginn hatte Europas größter Elektronikhändler noch einen Ergebniseinbruch erlitten. Die Prognose des Konzerns für das Gesamtjahr bekräftigte Koch: Er erwarte 2012 weiter einen Umsatzanstieg und einen operativen Gewinn (Ebit) vor Sonderfaktoren in etwa auf Höhe des Vorjahres von 2,37 Mrd. Euro.

Koch will nach dem Sparkurs seines Vorgängers Eckhard Cordes vor allem den Umsatz ankurbeln - dies will er etwa mit einer Internet-Offensive und niedrigeren Preisen erreichen. Die zu Jahresbeginn ins Netz gestellte Online-Plattform von Media Markt entwickle sich "sehr erfreulich" und verzeichne derzeit rund 300.000 Besucher pro Tag, betonte Koch. (Reuters, 23.05. 2012)

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