Unter Straßenlaternen ändert sich die Insektengesellschaft

26. Mai 2012, 12:06
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Wo es hell ist, gibt es mehr Räuber und Aasfresser - Effekt ist laut britischen Forschern dauerhaft

London - Das Licht der Straßenlampen lockt nicht nur Millionen fliegender Insekten ins Verderben, es verändert auch das Leben der Kleintiere auf dem Boden. Die Zusammensetzung des Artengemischs wird durch das nächtliche Licht beeinflusst - und das nicht nur in der Nacht, sondern auch am Tag, wie Forscher in den "Biology Letters" der britischen Royal Society berichten.

Thomas Davies von der Universität Exeter in Großbritannien hatte 28 Bodenfallen in einem mit Gras bewachsenen Straßenrandstreifen eingegraben, und zwar jeweils unter den Laternen und genau in der Mitte zwischen zwei Lampen. Diese leerte er drei Tage lang jeweils in der Früh und am Abend. Die Sammlung ergab, dass sich die jeweiligen Mikro-Ökosysteme unter den 35 Meter voneinander entfernten Lichtquellen anders zusammensetzten als die in den Fallen dazwischen: Unter den Lampen gab es deutlich mehr Laufkäfer, Weberknechte und bestimmte Spinnenarten.

Dauerhafter Effekt

Nach ihrer ökologischen Stellung betrachtet war insgesamt die Gruppe der Räuber und Aasfresser im Licht deutlich stärker vertreten als sonst. Besonders interessant sei, so Davies, dass sich diese Unterschiede auch noch während des Tages fanden - sie beruhten also nicht auf einem reinen Anlockungseffekt, sondern zeigen, dass die Insektengesellschaft am Straßenrand durch das Nachtlicht dauerhaft beeinflusst wird.

Der Effekt von Straßenlicht auf das Verhalten von fliegenden Insekten, die Paarungs- und Überlebensrate verschiedener Tiergruppen und etwa das Jagdverhalten von Fledermäusen ist bereits nachgewiesen worden. Dies sei aber das erste Mal, dass ein, wenn auch kleinräumiger Effekt auf die Zusammensetzung einer ganzen Tiergemeinschaft gefunden wurde, betont Davies. (APA/red, derStandard.at, 23.5.2012)

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    Laternenlicht lockt Insekten nicht nur kurzfristig an - im Kleinen kann sich das ganze Ökosystem verändern.

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