Andersrum in Baku

Blog | Marco Schreuder
23. Mai 2012, 18:24
  • Vereinspräsident Kamran Rzayev (2. v. r.) und Aktivisten von "Gender & Development".
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    Vereinspräsident Kamran Rzayev (2. v. r.) und Aktivisten von "Gender & Development".

  • Buttons, die in Baku verteilt werden.
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    Buttons, die in Baku verteilt werden.

Der Anteil schwuler Fans beim Eurovision Song Contest ist bekanntlich hoch. In Aserbaidschan stellte sich daher für viele die Frage: Geht das denn dort? Der Iran meldet sich dabei auch zu Wort

Im Grunde kennt der Eurovision Song Contest zwei Arten von Fans. Diejenigen, die sich den Event vor dem Fernseher ansehen - das sind Jung und Alt, Männlich, Weiblich (und alles, was es dazwischen noch gibt), Arm und Reich, Ost und West. Und dann gibt es noch die Fans, die jedes Jahr hinfahren, um den Event vor Ort zu erleben. Der Anteil schwuler (selten lesbischer) Fans ist dort besonders hoch.

Aserbaidschan ist ein mehrheitlich muslimisches Land, zumal ein schiitisches. Gleichzeitig ist es das laizistischste und säkularste Land der muslimischen Welt. Daher stellt sich für viele Reisende zwangsläufig die Frage: Wie geht das Gastgeberland denn überhaupt mit dem Thema Homosexualität um? Der Iran wettert jedenfalls schon heftig gegen den "Gay Event" Eurovision Song Contest und kritisiert eine Gay Parade in Baku, die es allerdings noch nie gegeben hat. Die Mullahs warnen vor Rache der muslimischen Welt aufgrund dieses unislamischen Events. Die Reaktion der Aseris: Demonstrationen vor der iranischen Botschaft, und die israelischen Fans sind über die Gastfreundschaft mehr als überrascht. Der iranische Botschafter in Baku wurde übrigens am Dienstag aus dem Land abgezogen.

Legal seit 2000

Bis 2000 wurden homosexuelle Akte noch mit Gefängnis bestraft - allerdings schon damals ausschließlich Analverkehr. Lesben hatten also kaum mit Verfolgung zu rechnen. Das Gesetz wurde damals geändert - nunmehr sind ausschließlich Vergewaltigungen strafbar -, und somit ist männliche Homosexualität seit zwölf Jahren vollkommen legal. Das Schutzalter liegt für Hetero- und Homosexualität generell bei 16 Jahren.

Gender & Development

In Baku ist eine lesbisch-schwule Organisation aktiv, die auch Projekte in anderen Städten Aserbaidschans gestartet hat. "Uns gibt es seit 2006. 2007 wurden wir staatlich anerkannt", so Kamran Rzayev, der Vereinspräsident. Zufällig traf man bei einer Veranstaltung den Justizminister und bat um offizielle Bestätigung des Vereins, die sie prompt bekamen. Er war es auch, der ihnen den Vereinsnamen vorschlug. Wohl kein Zufall, dass die Wörter "schwul" und "lesbisch" nicht vorkommen. Danach unterstützte sie die niederländische Regierung, sie konnten ein Büro aufmachen und es entstanden viele Projekte mit der niederländischen Organisation COC Nederland.

Eine der wesentlichsten Schwerpunkte liegt auf der Aids-Prävention: "Es gibt viele transsexuelle Sexarbeiterinnen in Aserbaidschan. Wir verteilen Kondome und Gleitmittel und werden diesbezüglich auch vom Gesundheitsministerium unterstützt."

Keine Politik

Die Demokratie-Bewegung rund um "Sing for Democracy" unterstützen die Aktivisten nicht. "Sie haben recht mit ihrer Kritik. Aber wir haben Angst, dass unser Thema dann für einen anderen Zweck benutzt wird und die Regierung unsere Aktivitäten stoppt. Diese Arbeit muss aber weitergehen!"

Antidiskriminierungsgesetze, Gay Pride oder Partnerschaftsrechte wären schon schön, so meinen die Aktivisten, aber darum geht es derzeit in Aserbaidschan einfach noch nicht. Als politische Gruppe definieren sie sich auch nicht. "Wir sind keine Anwälte. Wir wollen, dass sich Lesben und Schwule vernetzen können, sich treffen können, und im Notfall wollen wir einfach helfen."

Passend dazu hat Baku seit einigen Monaten auch das erste Schwulenlokal, in dem in diesen Tagen auch viele Eurovisionsfans anzutreffen sind. Dort verkehren vor allem Transgender und Schwule. Für Lesben gibt es schon länger zwei Bars.

Das aktuellste Projekt von "Gender & Development" richtet sich an JournalistInnen. Ein Preisausschreiben für den besten Artikel für Respekt gegenüber Lesben, Schwulen und Transgendern wurde ausgeschrieben. "Es haben sich viele daran beteiligt. Eine Online-Plattform hat etwa Interviews mit PassantInnen in Baku dazu geführt und Fragen gestellt. Etwa ob eine Gay Pride in Baku akzeptabel wäre."

Mord und Raub

Die meiste Hilfe, die "Gender & Development" leisten muss, ist brutaler Natur. Auch schwule und transsexuelle AserbaidschanerInnen suchen Sexpartner gerne auf Online-Seiten. Vor allem russische Webseiten sind sehr populär. Voriges Jahr gab es eine Reihe von Überfällen. Bei vorgetäuschten Dates wurden Menschen in Wohnungen brutal misshandelt und ausgeraubt. Auch Morde sind passiert. "Die Polizei ist aber hilfreich in diesen Fällen", beteuern die Aktivisten. Einer der Anwesenden war selbst einmal Opfer eines solchen Überfalls, als er sich zufällig in der Wohnung einer transsexuellen Freundin befand. Die Täter wurden zumeist gefasst und verurteilt.

Kulturelle Vorteile

Auf die Frage, ob es für ein gleichgeschlechtliches Paar ein Problem sei, Hand in Hand auf der Straße zu gehen, erntet man vor allem Lacher: "In Aserbaidschan ist es üblich, dass Männer Hand in Hand, umarmt und wangenküssend auf der Straße herumlaufen. Da fällt es gar nicht auf, wenn es sich dabei um ein schwules Paar handelt. Frauen machen das auch." Es gibt sogar einen Riesenvorteil für Lesben und Schwule: Wenn man etwa als unverheiratetes heterosexuelles Paar ein Hotelzimmer bucht, kann das zu großen Problemen führen. Ein gleichgeschlechtliches Paar fällt hingegen gar nicht auf.

Hotelzimmer und Reisen sind allerdings für viele Paare notwendig. Denn auch in Aserbaidschan ist es üblich, dass man das Elternhaus erst zur Hochzeit verlässt. Dieses Problem kennt man aber auch in Italien.

Party

Die Aufmerksamkeit der Medien in diesen Tagen ist groß. Geduldig beantworten die Jungs immer dieselben Fragen. Etwa ob es auch Lesben in ihrer Organisation gebe. Ja, die gebe es. Sie konnte allerdings leider nicht zum Treffen kommen. Sie ist Psychologin und hilft auf diesem Gebiet. Am meisten freuen sie sich aber derzeit auf die vielen Gäste aus dem Ausland. Also sind die Abende im neuen Club gerade so richtig heiß. Diese Wochen ist vor allem eines wichtig: Party! (Marco Schreuder, derStandard.at, 23.5.2012)

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Ui

vor 2000 hätte man unsere Rapper dort noch verhaftet??

fesch

2.v.l.

bitte ich will das überhaupt nocht wissen wer leiber mit den buberln oder den mäderln oder gar nicht ode r wie oder wann.das geht uns alle miteinander nix an,geschützter privater bereich,zum glück.war nicht immer so

daß Rechte immer so Probleme mit der Rechtschreibung haben; und auch noch offen zur Schau stellen ...

Holprig formuliert ja, aber eigentlich liberal die Meinung ..., er/sie sagt ja, Ausrichtung sei Privatsache und gehe niemanden etwas an.

Na ja, ist eben nicht überall so und muß aus diesen Gründen thematisiert werden.

Interessanter Beitrag

Danke Hr. Schreuder. Songcontest und Homosexualität geht nun mal Hand in Hand. Ich finde es super das hier darüber berichtet wird. Im Vergleich dazu wie oft wird über jedes Hetero dominierte Event im übermaß Berichtet wo sich keiner aufregt ? Ich möchte hier dezidiert Dinge nicht zwangsweise in Hetero und Homo unterteilen. Begrüße es aber durchaus das bewusst die Homosexuelle Seite beleuchtet wird. Vor allem bei einem Land wie Aserbaidschan. Bei allen die sich hier Sorgen um Hr. Schreuders finanzierung machen möchte ich ernsthaft Fragen ob diese Personen nicht andere Sorgen haben. bzw. vielleicht um jene Geister zufrieden zu stellen könnte sich Hr. Schreuder hier selbst zu Wort melden ?

Für die "Rotstrichler..."

MICH als Steuerzahler interessiert das schon, wer die Kosten des Aufenthalts von Herrn Schreuder zahlt, Sie nicht?
Oder gelten für Grünabgeordnete andere Gesetze?

de facto wird's eh vom Steuerzahler bezahlt, na ja, eigentlich ist es mehr Freizeitbeschäftigung und Interesse von Herrn Schreuder für den Songcontest. Vom Standard bekommt er nicht viel, wer weiß, ob sich dafür überhaupt der Flug ausgeht. Schöne neue Medienwelt. Aber dafür kriegen wir ja kostenlos nette Geschichten aus Baku. ;-)

sie sind so furchtbar .. ich weiß garnicht was ich sagen soll um der zensur zu entgehen und sie ihnen dabei kein kompliment zu machen.

meine güte, einfach mal schimpfen ohne irgend einen begründeten verdacht. und wie sie selbst lesen können sind sie ja auch scheinbar ganz schön falsch gelegen

Mich als Steuerzahler würde interssieren, ob sie eh kein Beamter sind, der vom Dienst-PC postet. Weil das würde ja dann ich bezahlen. Bitte um kurze Stellungnahme diesbezüglich. Danke.

Kein Problem das zu beantworten: Die Reise ist privat, keine Dienstreise und ich habe auch den roten Privatpass für das Visum verwendet. Mit meinem Dienstpass hätte ich gar kein Visum gebraucht und mir € 60,- erspart, was ich aber natürlich nicht gemacht habe, weil es eine Privatreise ist. Nur um zu verdeutlichen.

Dienstfreistellungen gibt es bei Abgeordneten übrigens nicht, weil sie ja nicht klassisch angestellt sind. Viele haben ja weitere Berufe, so wie ich ein Einzelunternehmen, der vom Standard einen kleinen Pauschalbetrag erhält. Solltest du das so übriugens nicht wollen, sei angemerkt, dass wir dann nur noch BeamtInnen im Parlament sitzen hätten. Ich erde mich dazwischen gern durch nichtpolitische Arbeit.

Ich hoffe Baku ist eine Reise wert. Wenn ja, dann werde ich bald meine Flugmeilen einlösen und dort hinfliegen :-)

na bitte

Danke Hr. Schreuder - DAS wollte ich wissen.

Wollten Sie nicht wissen, Sie wollten anpatzen.

Man braucht sich nur Ihre doch sehr eindeutigen Postings anschauen.
Passt scho...

Vorauseilende Verdächtigungen...

Wie kommen Sie darauf, dass die Reise nicht von Herrn Schreuder selbst, oder möglicherweise vom Standard bezahlt wurde?
Haben Sie einen Hinweis, oder wollen Sie nur einfach Misstrauen säen?

@johannes schenk1

Weder noch - ich würde es einfach gerne wissen!
Wenn die Reise-, Aufenthalts-, Unterkunftskosten auf Kosten der Steuerzahler gehen, wäre ich damit nicht einverstanden.
Genauso wenn man dafür Dienstfreigestellt wird bzw. Dienstreiseabrechnung inkl. TG legen kann, dass auf Kosten ALLER in Österreich lebenden und steuerzahlenden Bürger geht.
So einfach ist das!

warum sollte das überhaupt der fall sein? fragen sie das bei jedem auslandsaufenthalt eines parlamentariers?!
an ihrer stelle würde ich das paranoid machen..

Ok. Aber wie kommen Sie überhaupt darauf?

Bevor ich jemanden eines Missbrauchs von Steuergeld verdächtige, habe ich normalerweise einen Anhaltspunkt. Wenn ich diesen nicht habe, muss ich mir gefallen lassen, für einen Verleumder oder zumindest Misstrauens-Säer gehalten zu werden.

Anhaltspunkt: Österreichische Politik.
Wunderbar, dass es Ausnahmen gibt, aber der Verdacht ist jetzt auch nicht so absurd, wäre bei VP-PolitikerInnen allerdings ungleich akuter.

Hat vielleicht damit zu tun dfass es bei ÖVP-Politikern unzählige Präzedenzfälle gibt.

Bei Grünen fällt mir da aber kein einziger ein.
Ihnen etwa?

@johannes schenk1

Bitte GENAU lesen!
Ich wollte lediglich Informationen über die Kosten haben - verdächtigt eines Missbrauches habe ich niemanden:-)))

Ganz am Rande: Interessiert Sie nicht was mit Ihren Steuergeld passiert? Wunder oh Wunder...

Aha - ein Satirikier - lesen sie Ihre eigenen Postings noch einmal gewissenhaft durch, bevor sie sich rechtfertigen.

Und weil Sie lediglich Informationen haben wollte, konnten Sie sich ein "Oder gelten für Grünabgeordnete andere Gesetze?" nicht verkneifen, gell?! ^^

Was mich als Steuerzahler interessieren würde

wer bezahlt die "Beglückung" (im Auftrag des Standards?) die Reisespesen, Aufenthalt etc. von Hr. BR Schreuder?
Ist das sein Privatvergnügen, oder wird Frau/Herr ÖsterreicherIn zur Kassa gebeten.
Dienstfreistellung etc.?

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