NZZ will mit Paywall die "Quadratur des Kreises" schaffen

23. Mai 2012, 12:57
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"Neue Zürcher Zeitung" launcht Beta-Version ihrer Webseite - Reichweite soll trotz geplanter Bezahlschranke erhöht werden

Die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) will mit einer völlig neuen Struktur die "Quadratur des Kreises" schaffen, wie es Peter Hogenkamp, Leiter Digitale Medien der NZZ, in einem Interview mit dem Schweizer Branchenmedium persoenlich.com formuliert. Nämlich trotz Implementierung einer Paywall soll die Reichweite erhöht werden.

Wie bereits berichtet befindet sich die NZZ in einem Konvergenzprozess. Die Print- und Onlineredaktion wurde zusammengelegt, die neue Webseite wird derzeit in einer Betaversion getestet - und parallel zur Hauptseite geführt. Eine Bezahlschranke soll ab Herbst in Etappen installiert werden.

Bei der Beta-Version der NZZ-Seite, die kürzlich "live" gegangen ist, setzt Hogenkamp auf das Feedback der User: "Wir stellen sehr bewusst ein fast fertiges Produkt zum Testen ins Netz." Ein Produkt, das bereits vor einigen Wochen hätte online gehen sollen. Technische Probleme führten zur Verzögerung. Fehler nimmt er aber auch jetzt in Kauf: "Es geht nicht um Perfektion versus Schlamperei, sondern um eine Geisteshaltung, die auch beinhaltet, wie ernst man seine Nutzer nimmt", sagt er gegenüber persoenlich.com.

Ein-Marken-Strategie

Das Ziel der Zusammenlegung von Print und Online sei die Etablierung einer "einzigen Marke". Die Strategie? "Wir publizieren auf jedem Kanal den gleichen hochwertigen Inhalt. Dass auf NZZ Online andere Inhalte zu finden sind als in der Zeitung, wird es künftig nicht mehr geben." Die Marke "NZZ Online" werde verschwinden.

Wie das Zusammenspiel im täglichen Redaktionsgeschäft funktionieren soll, erläutert er folgendermaßen: "Nach einem aktuellen und vor allem unerwarteten Ereignis wird man wohl nach wie vor eine Agenturmeldung verwenden müssen, aber das geht allen gleich. Wo wir uns differenzieren wollen, ist, dass dann der Dossier-Experte in der neuen konvergenten Redaktion eine Stunde später einen vertiefenden Artikel oder einen Kommentar in NZZ-Qualität schreibt." User werden die Seite nicht primär aufgrund der Aktualität frequentieren, sondern weil es Hintergrundinformationen zu lesen gibt, so der Plan.

Die Paywall soll in Etappen kommen, verrät Hogenkamp. In einem ersten Schritt, der im Sommer erfolgen soll, werden die User aufgefordert, sich zu registrieren. Nach einem Informationsprozess über Bezahlmodelle soll die "gestaffelte Bezahlpflicht", so Hogenkamp, nach dem Sommer eingeführt werden. Wie das Modell genau aussehen wird, sagt er nicht, nur so viel: "Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass wir die Reichweite trotz Paywall halten und mittelfristig wegen des deutlich ausgebauten Angebots sogar steigern wollen. Wir wollen die Reichweite erhöhen bei den Gelegenheitsnutzern, nur die Intensivnutzer sollen zahlen." (om, derStandard.at, 23.5.2012)

  • So sieht die Beta-Version der NZZ um 12.55 Uhr aus.
    foto: screenshot/nzz

    So sieht die Beta-Version der NZZ um 12.55 Uhr aus.

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