Angst vor Athens Abkehr vom Sparkurs

23. Mai 2012, 12:54
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Offiziell geht es um Wachstum, die EU-Chefs dürften bei dem Sondergipfel aber auch um das Thema Griechenland nicht herumkommen

Brüssel - Die EU-Kommission hat vor dem informellen Gipfeltreffen der europäischen Staats- und Regierungschefs betont, dass sie keine Alternativen wie einen Euro-Austritt Griechenlands verfolgt. "Wir sind nicht in einer Zeit, wo wir Alternativszenarien prüfen", sagte EU-Kommissionssprecher Olivier Bailly am Mittwoch in Brüssel. Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und Wirtschaftskommissar Olli Rehn hätten in den vergangenen Tagen klar gemacht, dass die EU-Kommission Griechenland in der Eurozone halten möchte.

Der Sprecher betonte, es gebe eine Vereinbarung zwischen den europäischen und internationalen Partnern mit Griechenland, die eingehalten und umgesetzt werden müsse. Es liege nun an der griechischen Bevölkerung, bei den für 17. Juni angesetzten Neuwahlen über eine neue Regierung zu entscheiden. Die EU-Kommission hoffe, dass aus der Wahl eine Koalition hervorgehe, die die bisherigen Vereinbarungen umsetze. Dies wäre ein Signal des Vertrauens an die Märkte. Sollte Griechenland zu seinen Verpflichtungen stehen, werde die EU das Land weiter unterstützen.

Warnung an Griechenland

Die Deutsche Bundesbank warnt indes Griechenland mit Nachdruck vor einer Abkehr der im Gegenzug für Rettungsgelder vereinbarten Sparmaßnahmen. "Hiermit wird die Fortführung der Hilfen aufs Spiel gesetzt", schrieb sie am Mittwoch in ihrem Monatsbericht. "Griechenland hätte die damit verbundenen Folgen zu tragen." Auch für Deutschland und die anderen Euro-Länder "wären die Herausforderungen in diesem Fall erheblich, aber bei vorsichtigem Krisenmanagement beherrschbar".

Vor einer neuen Systemkrise, die die Finanzplätze in der ganzen Eurozone und die ganze Welt erschüttern könnte, warnt indes die Spitze der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) für den Fall eines Bankrotts Griechenlands.

Wegen der stark abgebauten Anleihebestände wäre eine Griechenland-Pleite für die heimischen Banken zwar kein direktes neues Abschreibungsproblem mehr. "Aber die Frage ist, ob Griechenland ein isoliertes Ereignis wäre oder ein weiteres Systemereignis", sagte FMA-Vorstand Helmut Ettl. "Ich traue mir dazu keine Prognosen zu und halte all jene für sehr mutig, die behaupten, es wäre kein Problem, wenn Griechenland aus dem Euro rausfliegt."

"Wir sähen das sehr sehr kritisch", sagten die FMA-Vorstände heute, und zwar für alle Finanzplätze Europas. "Wir können nicht abschätzen, was das heißt."

EZB wappnet sich

Die Europäische Zentralbank (EZB) wappnet sich indes nach einem Pressebericht gegen eine mögliche Eskalation der Lage in Athen. Nach Informationen der Wochenzeitung "Die Zeit" hat die Notenbank einen Krisenstab unter Vorsitz des deutschen Direktoriumsmitglieds Jörg Asmussen eingerichtet, der sich mit dem Thema Griechenland beschäftigt. Auch bei der Deutschen Bundesbank befasse sich eine entsprechende Arbeitsgruppe unter Leitung von Vorstandsmitglied Joachim Nagel mit dem Thema.

Beide Notenbanken lehnten am Mittwoch einen Kommentar zu dem Bericht ab. Zuletzt hatte Asmussen aber klargestellt, dass die EZB weiter nach "Plan A" arbeite, nach dem die Griechen in der Euro-Zone bleiben. (APA/Reuters, 23.5.2012)

 

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    Wie geht es in Athen weiter? Die Sorgen lasten wieder schwer auf Europa.

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