Telekom-HV: BDO-Prüfbericht bringt kaum neue Erkenntnisse

23. Mai 2012, 12:26
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Chef-Forensiker Brinkmann: Vorwürfe gegen Ex-Manager erhärtet, aktuelle Vorstände und Aufsichtsräte nicht belastet

Die Forensik-Spezialisten Markus Brinkmann und Stefan Kühn von der Beratungsfirma BDO Deutschland haben bei der Hauptversammlung der Telekom Austria nach sieben Monaten intensiver Prüfungen ihren abschließenden Bericht über die Malversationen bei der TA präsentiert. Das Fazit: Die bereits bekannten Vorwürfe gegen frühere Vorstandsmitglieder und leitende Angestellte haben sich erhärtet, für die Mitglieder des Vorstands und Aufsichtsrates des Jahres 2011 habe man jedoch keine belastenden Fakten gefunden, sagte Brinkmann.

106.000 E-Mails und Hunderte Aktenordner

Während des vergangenen halben Jahres haben insgesamt 32 BDO-Prüfer 106.000 E-Mails und Hunderte Aktenordner analysiert und 146 Befragungen durchgeführt - neue Erkenntnisse wurden dabei kaum gewonnen, lediglich im Infrastruktur-Bereich und bei Beraterverträgen wurde man vereinzelt fündig.

Insgesamt beläuft sich die Summe der als Privatankläger angemeldeten Schadenersatzforderungen der TA auf 28,7 Mio. Euro. Der größte Brocken davon bezieht sich auf die Kursmanipulationen im Zusammenhang mit dem Stock-Option-Programm für Topmanager in Höhe von 10,3 Mio. Euro. Schwierig sei die Lage gegenüber den vielen redlichen Empfängern von Zahlungen aus dem Stock-Option-Programm, sagte Aufsichtsratschef Markus Beyrer. 2004 hätten rund 95 Personen Leistungen aus dem Stock-Option-Programm erhalten, viele hätten sich an Rechtsanwälte und die Arbeiterkammer gewandt. Die Durchsetzung der Forderungen gegenüber diese Personen sei daher schwierig. 30 dieser Personen seien heute noch im Unternehmen beschäftigt, mit mehr als 80 Prozent von ihnen haben man Vereinbarungen über teilweise Rückzahlungen geschlossen. Vorstandschef Hannes Ametsreiter, der 2004 ebenfalls unter den Begünstigten des Stock-Option-Programms gewesen sei, habe bereits letztes Jahr den gesamten erhaltenen Betrag an das Unternehmen zurückerstattet.

9 Mio. Euro

Vom Lobbyisten Peter Hochegger bzw. seiner Firma Valora will die Telekom 9 Mio. Euro zurück - die Einbringlichkeit dieser Summe scheint aber sehr fraglich.

Keiner der in die Malversationen involvierten Manager sei mehr im Unternehmen beschäftigt, betont man seitens der Telekom - von Festnetz-Vorstand Rudolf Fischer und zwei Bereichsleitern habe man sich getrennt, darüber hinaus habe man sämtliche Mitarbeiter und Manager für Zeugeneinvernahmen von der Geheimhaltungspflicht entbunden. "Wir müssen die Vergangenheit aufarbeiten und die Schuldigen zur Verantwortung ziehen", sagte Aufsichtsratspräsident Markus Beyrer. (APA, 23.05. 2012)

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