Kältetherapie verringert Hirn­schaden durch Sauerstoffmangel

23. Mai 2012, 12:20
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Das Ausmaß von neurologischen Schäden nach einem Herzstillstand lässt sich durch eine Absenkung der Körpertemperatur verringern

Berlin - Tausende Menschen in Deutschland erleiden jährlich einen sogenannten hypoxischen Hirnschaden durch einen Sauerstoffmangel des Gehirns - etwa nach einem Unfall, einer Vergiftung oder einem Herzstillstand. Die Deutsche Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin (DGNI) weist in einer Aussendung darauf hin, dass sich das Ausmaß von neurologischen Schäden durch eine kontrollierte Absenkung der Körpertemperatur des Patienten verringern ließe.

Die Sauerstoffzufuhr im Gehirn kann aus vielen Gründen stoppen. Dazu zählen Vergiftungen, Krebserkrankungen oder Unfälle wie Ertrinken oder Ersticken. DGNI-Pressesprecher und Mediziner Oliver W. Sakowitz von der Neurochirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg erläutert, dass in über 80 Prozent der Fälle ein Herzstillstand die Ursache des Sauerstoffmangels ist: "Zwar werden viele Patienten durch Wiederbelebungsmaßnahmen gerettet. Aber lediglich ein kleiner Teil von ihnen erleidet keine Hirnschäden oder nur minimale neurologische Behinderungen", so Sakowitz. 

Auf Bewusstlosigkeit folgten Hirnschäden

Kommt es zu einer Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff, so tritt nach etwa zwölf Sekunden Bewusstlosigkeit ein. Nach drei bis sechs Minuten sterben erste Nervenzellverbände ab, und bei einer fehlenden Sauerstoffversorgung von länger als neun Minuten kommt es meist zum klinischen Bild des hypoxischen Hirnschadens, dessen Maximalvariante sogar im Hirntod resultieren kann.

Viele Überlebende entwickelten schwere Folgeschäden bis hin zum Wachkoma. In Deutschland leben etwa 8.500 Menschen in diesem Zustand: Obwohl ihre Augen offen sind, zeigen sie kein Bewusstsein für ihre Umgebung oder sich selbst.

"Das Ausmaß des Hirnschadens hängt vor allem von der Dauer des Sauerstoffmangels ab", sagt Hagen B. Huttner, Oberarzt der Intensivstation der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Erlangen. Extrem empfindlich auf Sauerstoffmangel reagiert insbesondere die Großhirnrinde, aber auch der für das Gedächtnis wichtige Hippocampus oder das Kleinhirn, so der Intensivmediziner weiter: "Werden Letztere geschädigt, fällt es Patienten schwer, komplexe Bewegungen zu planen und auszuführen oder neue Informationen im Gedächtnis abzuspeichern. Ist gar die Großhirnrinde selber, beziehungsweise Teile von ihr, betroffen, kann es zum Verlust der höheren kognitiven - für den Menschen charakteristischen - Funktionen kommen und schlimmstenfalls zum Verlust des Bewusstseins."

Absenkung der Körpertemperatur

Patienten mit hypoxischem Hirnschaden werden nach einem individuellen Muster behandelt, das maßgeblich von Labortests, computergestützten Schnittbildern, elektrophysiologischen Untersuchungen und den Reaktionen des Patienten abhängt. Studien zeigen, dass eine 24-stündige Absenkung der Körpertemperatur auf etwa 33 Grad Celsius neurologische Schäden verringern kann. Wirksame Medikamente zum Schutz der Nervenzellen gibt es dagegen nicht.

"Bisher erleiden die weitaus meisten Überlebenden eines Herzstillstands bleibende Probleme. "Deshalb müssen wir weiter dringend nach Wirkstoffen und Therapien suchen, die die Prognose der Betroffenen verbessern", so Sakowitz. (red, derStandard.at, 23.5.2012)

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