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Tübingen/Wien - Madrid, London, Rom, Paris - und auch Wien: Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei will offenbar massiv nach Europa expandieren. Blutkrebs-Patienten würden davon profitieren. Trotzdem ist die deutsche Organisation nicht überall willkommen. Seitens des österreichischen Gesundheitsministeriums will man keine voreiligen Beurteilungen abgeben und die Angelegenheit prüfen, wenn sie denn spruchreif wird. Und das wird nicht vor 2013 sein.
6.000 Deutsche haben im vergangenen Jahr Knochenmark gespendet und damit Blutkrebs-Patienten neue Hoffnung geschenkt. Und die Hilfe hat nicht an der Grenze halt gemacht, denn zwei Drittel der geretteten Patienten lebten im Ausland. Aber diese Rolle als Exportweltmeister ist vor allem Symptom eines Problems, denn außer Deutschland verfüge kaum ein Land über ein wirkungsvolles System, um genügend passende Spender für Blutkrebspatienten zu finden.
Expansion ins Ausland
Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in Tübingen will die Sache deshalb nun selbst in die Hand nehmen und massiv im Ausland expandieren. Aber kaum ein Land empfängt die deutsche Organisation mit offenen Armen.
"Die Organisation ist uns unbekannt", so ein Sprecher des heimischen Gesundheitsministeriums. Knochenmarkspenden seien "eine heikle Sache", die hohe Standards verlange. "Wir haben gesetzlich sehr hohe Ansprüche, auch im internationalen Vergleich. Und die müssen natürlich gehalten werden."
Überdies gebe es ohnehin eine heimische Datenbank, den "Fonds Österreichisches Stammzell-Register" - und dieser sei bereits international vernetzt. Als zentrales Register in Österreich ist der Fonds somit in der Lage, auf die Daten von über 17 Millionen freiwilliger Spender zuzugreifen. Dennoch wolle man abwarten, bis eine Anfrage aus Tübingen komme. "Alles nähere muss man sich anschauen, wenn es spruchreif wird. Wir wollen im voraus niemanden beurteilen, das bedarf einer profunden Analyse."
Viele Knochenmarkspender in Deutschland
Nach Angaben des internationalen Netzwerks Bone Marrow Donors Worldwide gibt es 4,5 Millionen registrierte Knochenmarkspender in Deutschland, aber nur 199.000 in Frankreich, 96.000 in Spanien und 62.000 in Österreich. Wenn Ärzte in diesen Ländern einen Spender für ihre Patienten brauchen, greifen sie immer häufiger auf einen Deutschen zurück. Aber das hat seine Grenzen. "Wir können nicht aus Deutschland die ganze Welt mit Knochenmark versorgen", betonte Peter Harf, Mitbegründer der DKMS und Vorsitzender der DKMS Stiftung Leben.
Dabei geht es gar nicht darum, dass die Deutschen nicht im Ausland helfen wollen, sagt Carlheinz Müller, Geschäftsführer des Zentralen Knochenmarkspenderregisters in Ulm. "Den Spendern ist es erstmal egal, ob der Empfänger in Amerika lebt oder in ihrer Nachbarstadt." Das Problem ist ein medizinisches.
Regionen-spezifische Gewebemerkmale
Schon die Gewebemerkmale von Norddeutschen und Süddeutschen unterscheiden sich. "Die Wahrscheinlichkeit, für einen Spanier in Deutschland einen passenden Spender zu finden, ist viel geringer, als wenn man in Spanien suchen würde", sagt Müller. "Und ein Deutscher mit türkischen Wurzeln wäre darauf angewiesen, dass es in der Türkei viele potenzielle Spender gäbe."
Das derzeitige System, bei dem sich Ärzte in ganz Europa vor allem auf Spender aus Deutschland verlassen, helfe jedenfalls nur sehr wenigen Menschen - nämlich denen, die genetische Verbindungen nach Deutschland haben, kritisierte Harf.
Die DKMS will deshalb jetzt nicht mehr darauf warten, dass andere Länder ihr System selbst optimieren. "Wir zünden jetzt die nächste Stufe der DKMS. Unser Ziel ist es, in möglichst vielen Ländern tätig zu werden", sagte Harf. "Uns geht es darum, möglichst vielen Blutkrebs-Patienten auf der Welt das Leben zu retten - unabhängig davon, ob es Deutsche, Spanier oder Engländer sind."
Großbritannien, Italien, Frankreich
Am 1. Jänner 2013 werde eine Auslandsgesellschaft in Großbritannien starten. Danach seien Italien und Frankreich im Fokus, anschließend kleinere Länder wie die Schweiz, Österreich, Belgien oder die Niederlande. Der 66 Jahre alte Manager, der seit Jahrzehnten das Milliardenvermögen der Mannheimer Familie Reimann verwaltet und ein großes Firmengeflecht aufgebaut hat, will dabei seine internationale Erfahrung einbringen.
Doch schon jetzt sind zahlreiche Konflikte absehbar. Anfang des Jahres war die DKMS mit einem Expansionsversuch in Spanien auf heftigen Widerstand gestoßen. Die Regierung verabschiedete sogar eine Gesetzesänderung, die die deutsche Organisation massiv einschränkt - zum Unverständnis der spanischen Patienten-Vereinigungen. Zudem gab es Kritik an den Kosten, denn ein Empfänger muss für die Spende zwischen 11.000 und 15.000 Euro zahlen. Auch in Frankreich wehrt sich die dortige Knochenmarkspender-Datei seit Jahren gegen ein Engagement der DKMS.
Doch solche Probleme soll es in Großbritannien nicht geben, sagt Harf. In Spanien habe die DKMS Fehler gemacht und daraus gelernt. "Wir haben die Abwehrhaltung unterschätzt. Vermutlich ist das nirgendwo willkommen, wenn Leute von außen kommen und sagen: Wir können es besser." Das Projekt in Großbritannien werde deshalb sehr sorgfältig vorbereitet. Wie genau die DKMS die Briten von ihrer Arbeit überzeugen will, verrät Harf noch nicht. (APA, 23.5.2012)
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"Die Organisation ist uns unbekannt" (!!!!) - und wie buchstabiert man noch mal "Läukähmie"?
Ich wollte mich vor Jahren in Österreich registrieren lassen - das Kontingent war damals bereits im ersten Halbjahr erfüllt, eine Aufnahme in die Datei - ohne dafür einen (höheren) Betrag zahlen zu müssen - nicht möglich. Ich habe mich später in Deutschland bei der DKMS registrieren lassen. Das Verhältnis der registrierten Spender in Deutschland zu Österreich spricht wohl Bände...
Also ein enger Verwandter von mir ist betroffen und wurde mit einer deutschen Knochenmarkspende bis auf weiteres geheilt. Dem Patienten sind nämlich lokale Klüngeleien ziemlich egal wenns ums überleben geht. Warum es hier nicht schon längst auf europäischer Ebene zu einer Konsolidierung kommt, ist mir unverständlich.
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