Prüfer stießen auf Miss­wirt­­schaft bei Telekom

23. Mai 2012, 15:14
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Kontrollore stießen auf Berater­verträge in Millionen­höhe ohne Gegenleistungen. Investor Sawiris wird heute nicht Aufsichtsrat

Wien - Bei ihrer Überprüfung der Geschäfte der Telekom Austria sind die Forensiker der Beratungsfirma BDO wiederholt auf "dolose Handlungen" gestoßen - so bezeichnen Juristen vorsätzliche Handlungen, die zum Schaden eines Unternehmens durchgeführt werden. Mehrfach stießen die Prüfer auf Beraterverträge zum Teil in Millionenhöhe, bei denen keine erkennbaren Gegenleistungen gefunden wurden.

Die gefundenen Unregelmäßigkeiten seien "punktuell und nicht system-immanent", betonten die BDO-Prüfer Markus Brinkmann und Stefan Kühn wiederholt - durchgehend sei jedoch das Problem der schlechten und lückenhaften Dokumentation der Auftragsvergabe, die Rechnungslegung sei zum Teil vor der Leistungserstellung erfolgt, Rechnungen wurden rückdatiert.

So wurden unter dem Titel Behördenfunk (Digitalfunk BOS-Austria) Zahlungen an ein Budapester Beratungsunternehmen im Ausmaß von 1,1 Mio. Euro aus den Jahren 2008/09 gefunden - ohne eine Dokumentation der Leistungserbringung. Tiefergehende Prüfungen ohne die Mittel eines Strafverfahrens seien nicht möglich, betonten die BDO-Prüfer.

Die BDO-Prüfung im Auftrag des Telekom-Aufsichtsrates hat laut Aufsichtsratschef Markus Beyrer insgesamt 1,43 Mio. Euro gekostet - davon seien 990.000 Euro bereits 2011 überwiesen worden.

Reputation geschädigt

Es seien in der Vergangenheit Dinge passiert, die die Reputation des Unternehmens nachhaltig geschädigt hätten und die aufgeklärt werden müssten, "sonst haben wir keine Zukunft", sagte TA-Generaldirektor Hannes Ametensreiter.

Die vom Telekom-Aufsichtsrat beauftragten Kontrollore haben den Aktionären bereits im Vorfeld die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat empfohlen, weil nach der rechtlichen Würdigung der Forensik-Erkenntnisse nichts gegen eine Entlastung spreche.

Auf den Auftritt des neuen Großaktionärs Ronny Pecik, der inzwischen gemeinsam mit seinem ägyptischen Partner Naguib Sawiris mehr als ein Fünftel der Anteile an der Telekom Austria hält, müssen die Aktionäre noch bis zum Nachmittag warten. Auf Punkt 10 der Tagesordnung stehen die Wahlen in den Aufsichtsrat. Das Kontrollgremium soll von acht auf zehn Eigentümer-Vertreter aufgestockt werden, die beiden neuen Großaktionäre, der österreichische Investor Ronny Pecik und sein Partner, der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris, wollten sich in den Aufsichtsrat wählen lassen. Einen entsprechenden Antrag hat Peciks Marathon Zwei Beteiligungs GmbH gestellt, die mehr als ein Fünftel an der Telekom hält. In seiner Rede will Pecik auch erläutern, welche Pläne er für die Telekom Austria hat. Bei der HV will Pecik auch erläutern, was er mit der Telekom vorhat.

Wegen Wahl in Ägypten verhindert

Unterdessen steht allerdings fest: Der ägyptische Investor Naguib Sawiris wird sich bei der heutigen Hauptversammlung nicht in den Aufsichtsrat wählen lassen - einen entsprechenden Bericht der "Presse" (online) bestätigte sein Partner Ronny Pecik. Sawiris habe wegen der heute begonnen Präsidentenwahl in Ägypten nicht nach Wien kommen können, sagte Pecik. Er werde aber zu einem späteren Zeitpunkt in den Telekom-Aufsichtsrat einziehen.

"Die Presse" vermutet, dass das Verhältnis zwischen Pecik und Sawiris wegen des abrutschenden Aktienkurses der Telekom getrübt sein könnte.

"Kottan hat auch ermittelt"

Kleinanleger-Vertreter Wilhelm Rasinger ist mit der Aufarbeitung der Malversationen bei der Telekom Austria alles andere als zufrieden. "Die Staatsanwaltschaft ermittelt - das kann ich schon nicht mehr hören", sagte Rasinger. "Kottan hat auch ermittelt." Die Politik und das Justizministerium müsse endlich die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Staatsanwaltschaft so arbeiten könne, wie es die Öffentlichkeit von ihr erwarte.

Die Telekom leidet nach Ansicht Rasingers an "Berateritis". Dass von den sieben Leuten am Podium vier Berater seien, sei "symptomatisch", so der IVA-Chef. "Schwache Manager brauchen Berater." ÖIAG-Chef Markus Beyrer sei "sicher ein erfolgreicher Politfunktionär der zweiten Ebene" gewesen, aber kein Unternehmer.

Dass die Anwaltskanzlei der stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Edith Hlawati jedes Jahr das 30-Fache ihrer AR-Vergütung an Honoraren kassiere sei juristisch einwandfrei, räumte Rasinger ein, "aber es passt einfach nicht".

Rasinger kritisierte weiters, dass die Telekom "zu einem Selbstbedienungsladen sondergleichen verkommen" sei. "Gewisse Namen hängen mir beim Hals heraus, sagte ein empörter Rasinger und nannte unter anderem: "Fischer, Hochegger, Mensdorff-Pouilly ... - und die Liste ist nicht vollständig". Dafür erntete Rasinger Applaus von den zahlreichen Aktionären.

Pecik: "Wäre lieber Schmetterling als Heuschrecke"

"In unserem Land sind schlichtweg unterbewertete Industrieperlen, eine davon ist die Telekom Austria", sagte Großaktionär Pecik später. "Ich sage das, weil ich 800 Millionen Euro investiert habe, gemeinsam mit meinem Partner." Davon habe er noch offene Kreditverbindlichkeiten von 640 Mio. Euro.

Was er mit der Telekom vorhabe und wie lange er Aktionär bleiben werde, sagte Pecik nicht, aber er werde keine Entscheidung über sein Paket von 21 Prozent treffen ohne mit den Gremien des Unternehmens zu sprechen. "Man sieht mich medial als Heuschrecke, Schmetterling wäre mir lieber."

Ausdrücklich Respekt zollte Pecik der stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Edith Hlawati, die er als ausgezeichnete Juristin lobte. Zu ÖIAG-Chef Beyrer hat Pecik ein distanziertes Verhältnis: "Beyrer und ich - in diesem Leben werden wir zwei nicht Freunde. Aber wir haben eine sehr professionelle Basis im Sinne des Unternehmens."

In der Vergangenheit hätte man bei der Telekom Austria manches besser machen können, aber auch vieles schlechter, sagte Pecik. So seien etwa die Zukäufe in Bulgarien und in Weißrussland richtig gewesen, wenn auch der bezahlte Preis zu hoch gewesen sei. Das könne man jetzt rückblickend sagen, aber niemand habe mit der Hyperinflation in Weißrussland gerechnet. (APA, 23.5.2012)

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    TA-Chef Hannes Ametsreiter (r.), und sein Finanzvorstand Hans Tschuden.

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    Ronny Pecik hält gemeinsam mit seinem ägyptischen Partner Naguib Sawiris mehr als ein Fünftel der Anteile an der Telekom Austria.

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