Philosophieolympiade: Es bleibet dabei, die Gedanken sind frei

  • Selbst nachzudenken und zu argumentieren, aber auch das Gegenüber zu verstehen, ist zentral bei der Philosophieolympiade, die heuer 81 Jugendliche aus 40 Ländern in Oslo versammelte.
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    Selbst nachzudenken und zu argumentieren, aber auch das Gegenüber zu verstehen, ist zentral bei der Philosophieolympiade, die heuer 81 Jugendliche aus 40 Ländern in Oslo versammelte.

Bei der 20. Internationalen Philosophieolympiade in Oslo debattierten 81 junge Menschen über die Grenzen der Freiheit

"Wann hast du dich zum letzten Mal frei oder unfrei gefühlt?" Das ist die Frage, die je 40 Jugendliche von ihrem ebenso jungen Gegenüber gestellt bekommen.

Viele der Befragten halten einen Moment lang inne, ihre Blicke schweifen ab zum überdimensionalen Reliefbild, das die Aula des Handelsgymnasiums Oslo ziert. Schließlich wenden sie sich wieder ihren Gesprächspartnern zu, um zu antworten.

Nach etwas mehr als einer Minute stoppt sie der Philosophielehrer Thor Steinar Grødal. Die fragende Person bekommt nun wiederum dieselbe Frage gestellt.

Diese Szene vom Vormittag des 17. Mai markiert den Beginn der 20. Internationalen Philosophieolympiade (IPO) in der norwegischen Hauptstadt. 81 philosophiebegeisterte Schüler aus der ganzen Welt haben sich an diesem Tag in der Aula des Handelsgymnasiums eingefunden, um über das Thema der diesjährigen IPO zu sprechen: Limits of Freedom.

Über ihre individuell verschiedenen und an manchen Stellen doch ähnlichen Erfahrungen gelangen sie schließlich zur Frage äußerer Begrenzungen und deren Einfluss auf die eigene Freiheit.

Wähle deine Freiheit

Nun werden die Jungphilosophen gebeten, sich entweder dem platonischen beziehungsweise dem sokratischen oder dem aristotelischen Freiheitsbild zuzuordnen. Das heißt, die Entscheidung zu treffen, ob der eigenen Freiheit tatsächlich externe Grenzen gesetzt sind. Der Hauptorganisator der diesjährigen Veranstaltung, Grødal, erklärt, dass bei dieser Übung einerseits das eigene Nachdenken, andererseits aber auch das gegenseitige Zuhören im Vordergrund steht.

Die Sitzung wird nach einer halben Stunde mit einem allgemeinen Dank von Grødal geschlossen, der seine Freude über das Zustandekommen der IPO und insbesondere über die Kommunikation der Schüler kundtut. Seit der ersten IPO, die 1993 in Bulgarien stattfand, kamen bereits 19 weitere Olympiaden zustande. In diesem Jahr traf man sich vom 16. bis zum 20. Mai in Oslo. Seit ihrer Gründung wuchs die IPO dabei ständig weiter, sowohl was die Anzahl der Teilnehmer als auch was jene der teilnehmenden Staaten betrifft.

Bei der diesjährigen Veranstaltung trafen junge Menschen aus insgesamt vierzig Ländern aufeinander. Zehn Länder nehmen heuer zum ersten Mal teil.

Philosophieren bei Jazzmusik

Bei der Eröffnungsfeier am Abend des 16. Mai konnten sich alle Delegationen kurz vorstellen. Anschließend spielten die Schüler der Foss videregående skole Jazzmusik. Das Programm umfasste neben gemeinsamen philosophischen Überlegungen, Vorlesungen, Seminaren und Diskussionsrunden zum Jahresthema auch die Teilnahme an der Parade zum norwegischen Nationalfeiertag und eine gemeinsame Besichtigungstour durch Oslo.

Einer der wichtigsten Programmpunkte der gesamten IPO folgte am 17. Mai nach einem gemeinsamen philosophischen Aufwärmen im Osloer Handelsgymnasium und der Nationalfeiertagsparade. Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen sind alle Teilnehmer der IPO Preisträger eines Essaywettbewerbs, der im Rahmen ihrer jeweiligen nationalen Philosophieolympiaden stattfand.

Sie sind daher nicht zuletzt nach Oslo angereist, um einen weiteren philosophischen Essay zu verfassen. Von vier vorgelegten Zitaten konnten die Schüler eines wählen und ihren Wettbewerbstext dazu verfassen.

Gewinner der Goldmedaille waren Sarah Yoon aus Südkorea und Tadas Krisciunas aus Litauen. Silber holten Jeff Granhøj aus Dänemark, Aleksi Korpela aus Finnland, Myrto Vlazaki aus Griechenland und Nishith Bharat Khandwala aus Indien. Die vier Bronzemedaillen gingen an Niklas Plaetzer aus Deutschland, Abhinav Suresh Menon aus Indien und Stian Follevaag Ersvær aus Norwegen. (Bath-Sahaw Baranow aus Oslo, DER STANDARD, 23.5.2012)

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gemeinsames philosophisches Aufwärmen

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