Fall Wi: Verdächtiger spricht von Unfall

23. Mai 2012, 10:22
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Ermittler bezweifeln Version des Mannes - Frau seit zehn Jahren vermisst - Suche nach Leiche

Wien - Der Fall der seit 2001 vermissten Heidrun W. (37) aus Wiener Neustadt könnte vor der Klärung stehen: Ein 41-jähriger Verdächtiger hat eine "Beichte" abgelegt. Die Frau sei bei einem Waldspaziergang mit dem Kopf gegen einen Stein geprallt und leblos liegen geblieben. In Panik habe er die Sterbende zurückgelassen. Das bestätigte Erich Habitzl von der Wiener Neustädter Staatsanwaltschaft. Die Ermittler zweifeln diese Version allerdings an und suchten am Mittwoch nach der Leiche.

Der Verdächtige wurde jedenfalls wegen des Verdachts des Mordes festgenommen. In einem Waldstück in der Buckligen Welt waren Beamte des Bundeskriminalamts (BK) mit Spürhunden im Einsatz, um nach den sterblichen Überresten der Frau zu suchen. Bis Einbruch der Dunkelheit sollte die Aktion andauern und gegebenenfalls am Donnerstag fortgesetzt werden, sagte BK-Sprecher Mario Hejl.

Verdächtiger berichtet vom Tod der Frau

Die Entwicklung ist spektakulär, aber eigentlich keine echte Wende. Denn der Mann, der Heidrun W. als Letzter lebend gesehen hatte, gehörte bereits seit längerer Zeit zu den Verdächtigen. Im Zuge eines Cold-Case-Verfahrens wurde der 41-Jährige nun erneut einvernommen. Dabei berichtete er vom Tod der Frau.

Heidrun W. galt seit dem 28. September 2001 als verschwunden. Die Kindergartenhelferin wollte an jenem Tag ihren sechsjährigen Sohn um 11.30 Uhr von der Schule abholen, kam dort aber nie an. Der Fall wurde im Juli 2002 auch in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY" aufgegriffen. W. wurde mittlerweile von ihrem Ehemann auch für tot erklärt.

Verdächtiger als Verfasser eines "Abschiedsbriefes"

Am Tag des Verschwindens der Frau hatte der Verdächtige Tischlerarbeiten bei ihr zu Hause durchgeführt. Im September 2002 geriet der Verdächtige in Verdacht, weil er als Verfasser eines "Abschiedsbriefes" ausfindig gemacht worden war, der vier Tage nach dem 28. September beim Ehemann von W. einlangte. In dem Text hieß es: "Ich sorge schon um sie, ihr geht es gut, wir sind im Ausland, sie will dich anrufen, wenn sie bereit ist..." Ein "tragfähiger Beweis für eine Täterschaft" konnte damals laut Polizei jedoch nicht erbracht werden.

Der Mann sollte nach den Einvernahmen in die Justizanstalt Wiener Neustadt eingeliefert werden, wo binnen 48 Stunden über die Verhängung der Untersuchungshaft entschieden werden muss. Nach der Leiche wurde seit Dienstag in einem Waldstück bei Lanzenkirchen (Bezirk Wiener Neustadt) gesucht. Zwölf Polizeihunde und ihre Hundeführer standen im Einsatz. Die Aktion musste aufgrund starker Regenfälle zeitweise unterbrochen werden.

Cold Case Management

Für die Aufklärung sogenannter kalter Fälle wurde am 1. Juli 2010 im Bundeskriminalamt die Abteilung Cold Case Management eingerichtet. Sie soll nationale und internationale Maßnahmen sowie Ermittlungen zur Aufklärung von speziellen, unaufgeklärten und länger zurückliegenden Vermissten- und Kriminalitätsfällen leiten und koordinieren. (APA, 23.5.2012)

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