Offener Brief an Uwe Scheuch

Gastkommentar | Ulrich Frick, 23. Mai 2012, 09:45

Stellungnahme zur "Tetschn"-Aussage von Lehrenden und StudierendenvertreterInnen der Bereiche Gesundheit & Soziales und Wirtschaft der Fachhochschule Kärnten

An: DI Uwe Scheuch, LH-Stv. und Referent für Bildung, Schule, Jugend, Naturschutz, Raumordnung, Nationalparks, Feuerwehren, Jagd- und Fischerei, Kärnten.

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann-Stellvertreter!

Ihre Äußerungen in der ORF-Sendung "Streitkultur" zum Thema "Durchgriffsrechte für Lehrer" haben große öffentliche Aufmerksamkeit erfahren und erheblichen Widerspruch von politischen Mitbewerbern geerntet. Die gegen Ihre Meinung von einer "Tetschn hin und wieder" vorgebrachten Argumente verweisen einerseits auf das gesetzliche Züchtigungsverbot und andererseits auf eine von ethisch-moralischen Erwägungen getragene Wertorientierung an Gewaltfreiheit auch in der Erziehung.

Wir möchten aus unserer Profession als Hochschullehrer/-innen heraus, die sich mit Gesundheits- und Erziehungsthemen beruflich befassen, daher in der besten Wahrnahme unserer Dienstpflichten diese beiden Begründungen, warum denn diese Ihre Ansichten untragbar sind, um eine wichtige Argumentation ergänzen: Unabhängig von moralischen Erwägungen und unabhängig von der bestehenden Rechtslage kann man die Frage stellen: Haben Sie recht? Ist die weit verbreitete Meinung, dass ein geringes Maß an Gewalt in Erziehungsfragen vielleicht sogar notwendig wäre, um Erziehung optimaler zu gestalten, nur unerwünscht, trotzdem aber wahr?

Die äußerst negativen Effekte von Gewalterfahrungen von Kindern und Jugendlichen auf deren langfristige Gesundheit und ihre Persönlichkeitsentwicklung (z. B. Gilbert et al. 2009) sowie auf die von der Gesellschaft zu tragenden langfristigen Gesundheitskosten (Brown, Fang & Florence 2011) für Gewalt-Exponierte sind vielfach und eindeutig nachgewiesen worden. Alle diesbezüglichen Studien belegen, dass mit steigender Gewaltintensität auch das Ausmaß der Konsequenzen ansteigt. In keiner einzigen uns bekannten Studie wurde bislang nachgewiesen, dass ein geringes Ausmaß an "Züchtigung" systematisch bessere Erziehungseffekte bringen könnte als eine gewaltfrei organisierte Schule.

Es gibt unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten kein "optimales Gewaltniveau".

Ihr Standpunkt, dass "die Kinder das [die umstrittene Tetschn] schon vertragen würden" ("Die Presse" vom 15.5.) ist nach aller wissenschaftlichen Erkenntnis meistens falsch und immer hoch riskant: Es gibt zwar durchaus große interindividuelle Unterschiede, wie Menschen mit Gewalterfahrungen zurechtkommen. Ihre persönliche biografische Erfahrung, auf die Sie in der öffentlichen Argumentation rekurrieren, ist hier aber ein schlechter Ratgeber: Denn man kann nie präzise vorhersagen, Schüler X wird auf eine leichte Tetschn unbeeindruckt reagieren, aber auf eine heftige Watschn hin zu Schaden kommen (so wie Sie laut Presseberichten Ihre Aussage nachträglich relativieren wollten).

Für Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter wissen wir vielmehr, dass

a) sich diese in einer besonders vulnerablen Phase ihrer körperlichen und seelischen Entwicklung befinden und

b) Gewalt, die von Vertrauens- und/oder Autoritätspersonen im persönlichen Nahfeld ausgeübt wird, besonders starke Schädigungen nach sich zieht. Dass einzelne Jugendliche scheinbar äußerlich unberührt über Ereignisse hinwegkommen, die für andere ein schweres Trauma darstellen, darf für einen verantwortlichen Politiker im Felde der Schulpolitik nach unserem besten Wissen keine Argumente dafür liefern, durch ein Züchtigungsrecht für Lehrer alle Kinder einer Gesundheits- und Persönlichkeitsschadenslotterie auszusetzen. Dies gilt unberührt davon, wie hoch die Chancen/Risiken in dieser "Lotterie"* sind).

Wir würden uns freuen, wenn Sie Ihre Meinung über die Tolerierbarkeit von Gewalt im Erziehungsumfeld durch zusätzlich gewonnenes Wissen überdächten und sich deutlich von Ihren Äußerungen distanzierten und sie nicht nur zu relativieren suchten. Wir sehen darin auch eine Frage der wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Vernunft.

Mit freundlichen Grüßen

Unterzeichnet: hauptberuflich Lehrende und StudierendenvertreterInnen der Fachhochschule Kärnten aus den Bereichen Gesundheit & Soziales und Wirtschaft (Ulrich Frick, derStandard.at, 23.5.2012)

Autoren

Die Liste aller Unterzeichner finden Sie unter www.fh-kaernten.at

Literatur und Fußnoten

* "Lotterie" meint hier den Fachbegriff aus der ökonomischen Theorie zu "rational choice": die bewusste Wahl einer Alternative (aus Dritterwägungen wie z. B. dem Disziplinierungsgedanken heraus), die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit entweder glimpflich oder aber katastrophal ausgehen kann.

Brown D. S., Fan X., Florence C. S. (2011): Medical costs attributable to child maltreatment: a systematic review of short- and long-term effects. American Journal of Preventive Medicine, 41, 627-635.
Gilbert R., Spatz Widom C., Browne K. et al. (2009): Burden and consequences of child maltreatment in high-income countries. Lancet, 373, 68-81.

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Danke an die Autoren für der Versuch,...

... aber dass offene Briefe an Adressaten dieses jenseitigen Kalibers wenig bis nichts nutzen - diese Erfahrung musste schon Josef Winkler mit seiner "Post aus Indien" machen.

Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

http://derstandard.at/131500657... ef-Winkler

SPÖ, QUO VADIS?

Peter Kaiser & co.: Schlaft ihr alle oder seid ihr noch wach? Hat man euch Valium verabreicht, oder habt ihr die Jahre für die Politikerpension schon zusammen?
Eure ehemaligen Wähler, wenn sie nicht längst schon FIK/FPK/BZÖ wählen, weil sie eigentlich immer schon mehr national als sozialistisch ausgerichtet waren, werden euch vergessen!
Was alles müssen wir wenigen noch mitdenkenden Kärntner, die nicht längst das Wustigkeitsgefühl gepackt hat, noch aushalten? Und ihr seht brav und tatenlos zu? Wofür gab man euch die Stimme und wofür bezahlt euch der Steuerzahler viel zu großzügig? Es würde nicht auffallen, wäret ihr alle schon im Ruhestand. Euer Dasein bleibt SPURLOS!
Geschichtsbücher werden euch dereinst TOTSCHWEIGEN

Herr Scheuch, ein Urlaub am Balaton in Ungarn würde Ihnen helfen wieder klar zu sehen.

Kennt jemand die Koordinaten des Programmierers

des Minarett-Spiels?

Ich würde bei ihm gerne ein Tetscht-den-Scheuch-Spiel bestellen.

Das versteht der doch nicht. Das muss man ihm übersetzen: "Haerst, leicht Obtätschnder, Tetschn san net guat. Host Du des jetzt behirnt?" Obwohl die letzte Frage ist eher rhetorisch, dazu besteht ja leider keinerlei Chance.

ein offener brief ist ein problem

man weiß nicht ob er ihn lesen kann

Wau Super...

...es gibt noch Menschen in Kärnten die das Maul aufmachen !!! Gratuliere zum Statement...aber ich schließe mich einigen postern an, dass der Text von Scheuch nicht verstanden wird, dazu hat er zuviel auf den Hinterkopf bekommen !!!

In meiner Jugend wurde behauptet: Leichte Schläge auf das Hinterhaupt erhöhen das Denkvermögen.

Diese Aussage steht der ihren diametral gegenüber, da er ja dann durch die erhaltenen Schläge auf den Hinterkopf heute ein Hochbegabter sein müsste. Dies weiß er aber gut zu verbergen.

haben Scheuch & Co eigentlich was dagegen, wenn man IHNEN eine Tetschn gibt?

.. und ich würde mich freuen,

wenn sie, Herr Scheuch, jetzt endlich von allen Ämtern zurücktreten und sich nicht mehr um die Anliegen unserer Kinder kümmern würden. Dass hier eine Erweiterung des Wissens stattfindet, wage ich sehr zu bezweifeln.

"Vulnerabel"

Super Wort - wusste gar nicht, dass es das in der deutschen Sprache gibt. Spitze!

Die Autoren dieses Briefes

gehen jetzt aber nicht davon aus, daß Hr. Scheuch auch nur ansatzweise den Inhalt desselben versteht?! Da würden sie ihn n.m.M massiv intellektuell überschätzen...

Owei – "optimaler gestalten"… eindeutig nicht am gutesten!

Es gibt ja auch eine Steigerung von "tot" -

ausgestorben.

Mr. Tetsch-PartoftheGame-Uwe-Scheuch

geh in häfn, bevor der name noch länger wird...

.. den "BMW" ned vergessen....

auch dieser ehrentitel soll ja erhalten bleiben....

Oje! Literaturangaben, Fussnoten, Fremdwörter. Den Brief versteht der nicht. Ist ja auch nur der Bildungsreferent....

Recht hat er ..

.. solange ein Großteil unserer Schüler immer dümmer wird, muss man sich der neuen Zeit anpassen.

Ich bezweifele bei bestimmten Schülern einen erfolgreichen Einsatz der deutschen Sprache zur Problembeseitigung.
.. und das ist eigentlich noch viel schlimmer!

Eigentlich traurig, dass man so was schreiben muss.

Das Problem ist: wer liest ihm diesen Brief vor?

Der Gefängniswärter

Und wer erklärt den Inhalt?

Da haben sie dien Beweis dafür, was für eine fehlgeleitete Persönlichkeitsentwicklung "ein paar Tetschn" anrichten kann.
Entsetzlich!

find ich gut,...

...aber hätte man ihm nicht schreiben müssen - er verstehts so & so nicht...

"A klane Tetschn" hin und wieder wäre da schon zielführender.

Da ich´s grad ansprech, hat der Uwe nicht noch Nachsitzen offen?

lg mensch

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