Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
An: DI Uwe Scheuch, LH-Stv. und Referent für Bildung, Schule, Jugend, Naturschutz, Raumordnung, Nationalparks, Feuerwehren, Jagd- und Fischerei, Kärnten.
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann-Stellvertreter!
Ihre Äußerungen in der ORF-Sendung "Streitkultur" zum Thema "Durchgriffsrechte für Lehrer" haben große öffentliche Aufmerksamkeit erfahren und erheblichen Widerspruch von politischen Mitbewerbern geerntet. Die gegen Ihre Meinung von einer "Tetschn hin und wieder" vorgebrachten Argumente verweisen einerseits auf das gesetzliche Züchtigungsverbot und andererseits auf eine von ethisch-moralischen Erwägungen getragene Wertorientierung an Gewaltfreiheit auch in der Erziehung.
Wir möchten aus unserer Profession als Hochschullehrer/-innen heraus, die sich mit Gesundheits- und Erziehungsthemen beruflich befassen, daher in der besten Wahrnahme unserer Dienstpflichten diese beiden Begründungen, warum denn diese Ihre Ansichten untragbar sind, um eine wichtige Argumentation ergänzen: Unabhängig von moralischen Erwägungen und unabhängig von der bestehenden Rechtslage kann man die Frage stellen: Haben Sie recht? Ist die weit verbreitete Meinung, dass ein geringes Maß an Gewalt in Erziehungsfragen vielleicht sogar notwendig wäre, um Erziehung optimaler zu gestalten, nur unerwünscht, trotzdem aber wahr?
Die äußerst negativen Effekte von Gewalterfahrungen von Kindern und Jugendlichen auf deren langfristige Gesundheit und ihre Persönlichkeitsentwicklung (z. B. Gilbert et al. 2009) sowie auf die von der Gesellschaft zu tragenden langfristigen Gesundheitskosten (Brown, Fang & Florence 2011) für Gewalt-Exponierte sind vielfach und eindeutig nachgewiesen worden. Alle diesbezüglichen Studien belegen, dass mit steigender Gewaltintensität auch das Ausmaß der Konsequenzen ansteigt. In keiner einzigen uns bekannten Studie wurde bislang nachgewiesen, dass ein geringes Ausmaß an "Züchtigung" systematisch bessere Erziehungseffekte bringen könnte als eine gewaltfrei organisierte Schule.
Es gibt unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten kein "optimales Gewaltniveau".
Ihr Standpunkt, dass "die Kinder das [die umstrittene Tetschn] schon vertragen würden" ("Die Presse" vom 15.5.) ist nach aller wissenschaftlichen Erkenntnis meistens falsch und immer hoch riskant: Es gibt zwar durchaus große interindividuelle Unterschiede, wie Menschen mit Gewalterfahrungen zurechtkommen. Ihre persönliche biografische Erfahrung, auf die Sie in der öffentlichen Argumentation rekurrieren, ist hier aber ein schlechter Ratgeber: Denn man kann nie präzise vorhersagen, Schüler X wird auf eine leichte Tetschn unbeeindruckt reagieren, aber auf eine heftige Watschn hin zu Schaden kommen (so wie Sie laut Presseberichten Ihre Aussage nachträglich relativieren wollten).
Für Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter wissen wir vielmehr, dass
a) sich diese in einer besonders vulnerablen Phase ihrer körperlichen und seelischen Entwicklung befinden und
b) Gewalt, die von Vertrauens- und/oder Autoritätspersonen im persönlichen Nahfeld ausgeübt wird, besonders starke Schädigungen nach sich zieht. Dass einzelne Jugendliche scheinbar äußerlich unberührt über Ereignisse hinwegkommen, die für andere ein schweres Trauma darstellen, darf für einen verantwortlichen Politiker im Felde der Schulpolitik nach unserem besten Wissen keine Argumente dafür liefern, durch ein Züchtigungsrecht für Lehrer alle Kinder einer Gesundheits- und Persönlichkeitsschadenslotterie auszusetzen. Dies gilt unberührt davon, wie hoch die Chancen/Risiken in dieser "Lotterie"* sind).
Wir würden uns freuen, wenn Sie Ihre Meinung über die Tolerierbarkeit von Gewalt im Erziehungsumfeld durch zusätzlich gewonnenes Wissen überdächten und sich deutlich von Ihren Äußerungen distanzierten und sie nicht nur zu relativieren suchten. Wir sehen darin auch eine Frage der wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Vernunft.
Mit freundlichen Grüßen
Unterzeichnet: hauptberuflich Lehrende und StudierendenvertreterInnen der Fachhochschule Kärnten aus den Bereichen Gesundheit & Soziales und Wirtschaft (Ulrich Frick, derStandard.at, 23.5.2012)
Autoren
Die Liste aller Unterzeichner finden Sie unter www.fh-kaernten.at
Literatur und Fußnoten
* "Lotterie" meint hier den Fachbegriff aus der ökonomischen Theorie zu "rational choice": die bewusste Wahl einer Alternative (aus Dritterwägungen wie z. B. dem Disziplinierungsgedanken heraus), die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit entweder glimpflich oder aber katastrophal ausgehen kann.
Brown D. S., Fan X., Florence C. S. (2011):
Medical costs attributable to child maltreatment: a systematic review of
short- and long-term effects. American Journal of Preventive Medicine, 41,
627-635.
Gilbert R., Spatz Widom C., Browne K. et al. (2009): Burden and
consequences of child maltreatment in high-income countries. Lancet,
373, 68-81.
... aber dass offene Briefe an Adressaten dieses jenseitigen Kalibers wenig bis nichts nutzen - diese Erfahrung musste schon Josef Winkler mit seiner "Post aus Indien" machen.
Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
http://derstandard.at/131500657... ef-Winkler
Peter Kaiser & co.: Schlaft ihr alle oder seid ihr noch wach? Hat man euch Valium verabreicht, oder habt ihr die Jahre für die Politikerpension schon zusammen?
Eure ehemaligen Wähler, wenn sie nicht längst schon FIK/FPK/BZÖ wählen, weil sie eigentlich immer schon mehr national als sozialistisch ausgerichtet waren, werden euch vergessen!
Was alles müssen wir wenigen noch mitdenkenden Kärntner, die nicht längst das Wustigkeitsgefühl gepackt hat, noch aushalten? Und ihr seht brav und tatenlos zu? Wofür gab man euch die Stimme und wofür bezahlt euch der Steuerzahler viel zu großzügig? Es würde nicht auffallen, wäret ihr alle schon im Ruhestand. Euer Dasein bleibt SPURLOS!
Geschichtsbücher werden euch dereinst TOTSCHWEIGEN
Diese Aussage steht der ihren diametral gegenüber, da er ja dann durch die erhaltenen Schläge auf den Hinterkopf heute ein Hochbegabter sein müsste. Dies weiß er aber gut zu verbergen.
.. solange ein Großteil unserer Schüler immer dümmer wird, muss man sich der neuen Zeit anpassen.
Ich bezweifele bei bestimmten Schülern einen erfolgreichen Einsatz der deutschen Sprache zur Problembeseitigung.
.. und das ist eigentlich noch viel schlimmer!
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.