Der König der leichtfüßigen Helden

22. Mai 2012, 18:37
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Filmmuseum und Viennale richten King Hu, dem Spezialisten für Martial-Arts-Filme, eine Retro aus

Wien - Kämpfer fallen von Bäumen wie reifes Obst. Zwischen dicht gewachsenen Bambusstämmen schlagen sie ihre Salti, die Lagen ihrer Seidengewänder bauschen sich im Luftzug und in Zeitlupe. Mit kräftigen Sprüngen werden Distanzen überwunden, die Schwerter sirren, es hallt nach, wenn Metall auf Metall trifft. Wer gegen diese Angreifer nicht gewappnet ist, der geht nach dem ersten Streich zu Boden.

"A Touch of Zen"/"Xia nü" heißt dieses furiose Kinomärchen. Ein Kalligraf stößt in einer verlassenen Festung nächtens auf eine Fremde. Die Dame Yang, in die er sich umgehend verliebt, wird von der Geheimpolizei verfolgt. Sie hat zwei treue Beschützer, vor allem ist sie selbst sehr wohl in der Lage, sich zu verteidigen. Dieses Vermögen ist auch der Stoff, aus dem Regisseur King Hu, der "A Touch of Zen" zwischen 1969 und 1971 in Taiwan realisierte, seine visionären Kampfkunstsequenzen entwickelte.

Hu, geboren 1931 und 1997 gestorben, war wesentlich für jenes spezifisch asiatische Genre, das sich alte Kulturtechniken (von Peking-Oper bis Kampfsport) und mythische Stoffe beziehungsweise Figuren aneignete. Dafür erfand es filmische Formen, die sich weder an physikalische Gesetze noch an Wahrscheinlichkeitsgebote halten mussten.

Obwohl etwa "A Touch of Zen" 1975 in Cannes gezeigt wurde, nahm man Hu international erst richtig zur Kenntnis, als in den 1990er-Jahren die nächste Welle des einschlägigen Hongkong-Kinos anrollte - mit Arbeiten wie "A Chinese Ghost Story" oder "Peking Opera Blues".

Das Österreichische Filmmuseum richtet ab Freitag im Rahmen des Viennale-Jubiläums zur 50. Festivalausgabe eine Retrospektive aus. Auf dem Programm stehen neun Filme aus den Jahren 1963 bis 1983 - mit trunkenen Rittern und zu allem entschlossenen Fechtmeisterinnen ist allzeit und aus jeder Richtung zu rechnen. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 23.5.2012)

25. Mai bis 17. Juni, Österreichisches Filmmuseum, Einführungsvorträge am 30. Mai und 4. Juni.

Programm

filmmuseum.at

  • Wo Schwerter und Kämpfer durch die Luft fliegen: "Dragon Inn", ein 
Kassenschlager von King Hu aus dem Jahr 1967.
    foto: österreichisches filmmuseum

    Wo Schwerter und Kämpfer durch die Luft fliegen: "Dragon Inn", ein Kassenschlager von King Hu aus dem Jahr 1967.

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