Gekreuzigte Schweine: Anzinger-Schau abgesagt

24. Mai 2012, 13:12
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Die Kunst-Station Sankt Peter hat eine Ausstellung des österreichischen Künstlers abgesagt

Köln/Wien - Eine Ausstellung des österreichischen Künstlers Siegfried Anzinger in einer Kölner Kirche wurde  abgesagt, nachdem der  Beirat befürchtet hatte, dass zwei Bilder des 16-teiligen Hieronymus-Zyklus religiöse Gefühle verletzen könnten. Seine Darstellung von Schweinen, die unter anderem an ein Kreuz geschlagen werden, erschien dem Kurator Guido Schlimbach laut Medienberichten anfällig für "Missverständnisse".

Anzinger selbst zeigte sich verwundert: er habe nicht damit gerechnet, von dem künstlerischen Beirat, der ihn eingeladen hatte, "zensiert zu werden". Gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger" erklärte Schlimbach, dass Anzinger die besagten Schweine erst kurz zuvor gemalt habe: Auf eine so konkrete Kreuzigungsdarstellung von "beinahe lieblichen Schweinchen" sei er nicht vorbereitet gewesen. Bei dem Motiv des gekreuzigten Schweins habe er eher mit Anleihen bei der Fleisch- und Blutmetaphorik eines Hermann Nitsch gerechnet.

Weil Anzinger die betreffenden Bilder nicht weglassen wollte, musste die ganze Ausstellung abgesagt werden. "Ich wollte den Dialog mit der Gemeinde und bin mir sicher, die Gläubigen hätten die Bilder gut gefunden", wird Anzinger in der "Süddeutschen Zeitung" zitiert. "Hätte sich jemand beleidigt gefühlt, hätte ich sofort abgehängt."

Dem Pfarrer der Gemeinde hätten die Bilder jedenfalls gut gefallen. Auch der Gründer der Kunst-Station Sankt Peter, Friedhelm Mennekes, stellte sich laut Zeitungsberichten in der Diskussion hinter den Künstler. Er selbst habe die Kunst-Station vor 25 Jahren mit einem gekreuzigten Schmetterling von Markus Lüpertz eröffnet.

2008 gab es in Bozen einen ähnlichen Eklat - wegen eines gekreuzigten Froschs von Martin Kippenberger. (APA, 24.5.2012, red)

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