Mehr-Fronten-Kampf um Allentsteig

22. Mai 2012, 18:03
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Offiziell ist die Auslagerung des Truppenübungsplatzes zwar abgeblasen, in Niederösterreich traut man dem Frieden aber nicht

Allentsteig/Wien - Eigentlich ist der monatelang schwelende Streit um die Auslagerung des Truppenübungsplatzes (Tüpl) in Allentsteig im Waldviertel beigelegt: Die Bauern können die Gründe, die derzeit von den Heeresforsten verwaltet werden, auch in Zukunft pachten, verkündete Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) Anfang Mai. Doch beim NÖAAB traut man dem Frieden nicht so ganz. "Wir wissen, dass Darabos sein Fähnchen mit dem Wind dreht, deshalb bleibt die Rute im Fenster", sagt dessen Obmann, Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka.

Ein anderer Schwarzer, Agrarlandesrat Stephan Pernkopf, hatte mit Darabos eine "regionale Lösung" ausverhandelt, die die Verlängerung der Pachtverträge für die Bauern beinhaltet. Im NÖAAB wird allerdings gemutmaßt, Da rabos spreche im Hintergrund weiterhin mit den Bundesforsten, die mehrfach Interesse am Tüpl bekundet hatten. Neue Nahrung bekamen die Gerüchte vergangene Woche, als Bundesforste-Vorstandssprecher Georg Erlacher bei einer Bilanzpressekonferenz sagte, man würde sich "nicht verweigern", wenn Darabos in Sachen Allentsteig auf das Unternehmen zukäme. Die Entscheidung dar über liege aber beim Vertei digungsministerium. Mit dieser Aussage habe man bloß Gesprächsbereitschaft signalisieren wollen, präzisierte eine Sprecherin der Bundesforste am Dienstag auf Nachfrage des Standard.

Drei Millionen Rücklagen

Ausgerechnet die Tatsache, dass die Heeresforste in den letzten Jahren gewinnbringend gearbeitet haben, könnte ihr Aus im Waldviertel bedeuten, mutmaßt man indes beim NÖAAB. Denn eine Ausgliederung des Tüpl wäre für das Verteidigungsressort durchaus lukrativ: Es locken nicht nur fast zwei Millionen Euro an Grundstückserlösen, sondern auch drei Millionen Euro, die die Heeresforste an Rücklagen angehäuft haben.

Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte dem Standard diese Summe zwar, betonte aber gleichzeitig, man dürfe nicht davon ausgehen, dass dieses Geld frei verfügbar wäre. Vielmehr müssten die Rücklagen teilweise investiert werden.

Die Gerüchte, die Bundesforste seien nach wie vor im Rennen um den Tüpl, will man im Verteidigungsministerium "weder bestätigen noch dementieren". Fakt ist, dass es am 29. Mai eine neuerliche Gesprächsrunde gibt. Laut Insidern soll es dabei aber nur um die Details zu der bereits vereinbarten Lösung gehen.

ÖAAB versus Bauernbund

Das hindert Sobotka nicht dar an, Darabos' angebliche Auslagerungsansinnen weiterhin "aufs Schärfste zu bekämpfen". Dabei kämpft er freilich - zehn Monate vor der Landtagswahl - an mehreren Fronten: So wird der NÖAAB-Obmann nicht müde zu betonen, die niederösterreichischen Sozialdemokraten seien in der Debatte um den Tüpl höchst zerstritten; während die Landesparteizentrale auf der Seite des Ministers stehe, hielten die Waldviertler Roten zu den örtlichen Bauern.

Sollten die mit der Tüpl-Lösung tatsächlich zufriedengestellt werden, dann will man beim ÖAAB wohl nicht dem Bauernbündler Pernkopf den ganzen Verhandlungserfolg überlassen. Er wird schließlich - wie Sobotka - als Nachfolger von Landesparteiobmann Erwin Pröll gehandelt. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 23.5.2012)

  • Heiß umfehdet, wild umstritten: ÖVP und SPÖ bekriegen sich rund um den 
Truppenübungsplatz im Waldviertler Allentsteig. Ende Mai gibt es eine 
neuerliche Verhandlungsrunde
    foto: standard/newald

    Heiß umfehdet, wild umstritten: ÖVP und SPÖ bekriegen sich rund um den Truppenübungsplatz im Waldviertler Allentsteig. Ende Mai gibt es eine neuerliche Verhandlungsrunde

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