Schreiduelle im Grazer Wiederbetätigungsprozess

22. Mai 2012, 17:40
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Entlastungszeugen tauchten nicht auf, eine Honsik-Befragung ist nur per Videoschaltung geplant

Graz - Ungewöhnlich turbulent ging es in der Fortsetzung des Prozesses gegen zehn Männer wegen NS-Wiederbetätigung am Dienstag im Grazer Straflandesgericht zu: Verteidiger der Rechtsextremen, die Nazi-Parolen gerufen und Propaganda-Aufkleber verteilt haben sollen, lieferten sich Schreiduelle mit Staatsanwalt Johannes Winklhofer.

Winklhofer wollte wissen, warum zwei junge Frauen, die für zwei der Angeklagten Alibis bereithielten, erst 26 Monate nach den angeklagten Taten als Zeuginnen präsentiert wurden. Es folgte ein Disput, in dem Richter Raimund Frei schließlich auch lauter werden musste, als er rief: "In der ersten Klasse Volksschule lernt man das, dass man den anderen ausreden lässt!"

Zeugen fehlten

Vier andere Entlastungszeugen blieben der Verhandlung fern. Dar unter die beiden zukünftigen Schwiegereltern und die Verlobte eines Angeklagten, der im ersten Prozess gegen acht der Männer, wegen schwerer Körperverletzung, dank dieser drei Zeugen - noch nicht rechtskräftig - freigesprochen wurde. Er sei, so die Familie der Freundin damals, zum Tatzeitpunkt nicht in Graz, sondern in Stockerau gewesen. Der Angeklagte sagte, seine Verlobte könne aus psychischen Gründen nicht kommen, weil sie eine Fehlgeburt erlitten habe, nachdem sie der Staatsanwalt "seelisch gequält habe". Dieser konterte erbost. "Ich habe sie ganz normal befragt!"

Der Anwalt des Hauptangeklagten und Ältesten unter den Beschuldigten, Franz Radl, beantragte, dass das Gericht den nicht erschienenen Zeugen der Verteidigung Gerd Honsik mittels Amtshilfeverfahrens an seinem Wohnsitz Spanien einvernehmen solle. Radl soll laut Anklage dem verurteilten und 2011 auf Bewährung freigelassenen Holocaust-Leugner Honsik mit dem Betreiben seiner Homepage geholfen haben.

Frei gab dem Antrag statt. Möglicherweise wird die Einvernahme per Videokonferenz in den Gerichtssaal übertragen. Der Prozess wird am 2. Juli fortgesetzt. Einen einzelnen Verhandlungstag im Juni hält Frei aber für möglich. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 23.5.2012)

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    Soll Holocaust-Leugner Gerd Honsik bei Betreiben der Homepage geholfen haben: Hauptangeklagter Franz Radl.

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