Neues Arbeitszeitmodell für Postler kommt 2013

22. Mai 2012, 16:46
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Eine Dienstzulage ersetzt die Werbematerial-Prämie, vom Mengen- wird auf ein Zeitsystem ungestellt

Wien - Anfang 2013 tritt für die knapp 9.000 Post-Zusteller in Österreich ein neues Jahresarbeitszeitmodell in Kraft, das die tatsächlich geleistete Arbeit besser berücksichtigen soll. Bisher mussten gewisse Tätigkeiten falls nötig auch außerhalb der Dienstzeit durchgeführt werden, andererseits wurde durch Automatisierungen für die Briefträger manches einfacher. Der Wegfall der bisherigen "Info.Post"-Prämie für Werbematerial-Sendungen, die im Schnitt 145 Euro im Monat ausmacht und damit bei vielen ein Zehntel der gesamten Gage, wird in eine Dienstzulage umgewandelt, erläuterte die Belegschaftsvertretung am Dienstag der APA. Die Einigung mit dem Post-Management erfolgte nach monatelangem Tauziehen am Montagabend.

Die umstrittenen elektronischen Zeitaufzeichnungsgeräte, die jeder Briefträger bekommt, erlauben keine Fernortung per Funk, sagte Martin Palensky vom Zentralausschuss der Post-Bediensteten. GPS könne auf den Geräten zwar zugeschaltet werden, aber nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen, wobei die Initiative oft von den Bediensteten selbst ausgehen könne, etwa wenn es um den Nachweis gehe, dass ein weiterer Rayon mitbetreut werden müsse. Zu den Apparaten werde noch eine eigene Betriebsvereinbarung abgeschlossen. Die Geräte, kleiner und handlicher als die bisherigen, seien auch gleich für die Abwicklung dokumentationspflichtiger Sendungen (mit Unterschrift) geeignet.

Zeitorientiert

Kern der Arbeitszeit-Neuregelung sei eine Umstellung von einem mengenbasierten auf ein zeitorientiertes System. Ausgelegt sei das Modell, so wie bisher, auf eine 40-Stunden-Woche. Bei der Jahresdurchrechnung gibt es einen Korridor, beim Überschreiten von 150 Plus-Stunden würden Überstunden ausgezahlt, darunter verfallen sie, so Palensky. Sei kurzfristig Mehrarbeit nötig, um zum Beispiel den Zustellrayon eines erkrankten Kollegen mitzuübernehmen, seien die Überstunden aber unmittelbar abzugelten.

Während das neue Arbeitszeitmodell samt Geräte-Aufzeichnung erst per 1. Jänner 2013 in Kraft tritt, gibt es die Kompensationszahlungen bereits per September, so der Post-Belegschaftsvertreter. Grund dafür ist, dass der Einsatz der sogenannten Collatoren - für die automatische Bündelung und Stapelung der Werbematerial-Sendungen - ja bereits erfolgt sei. Davor mussten die Mitarbeiter der Zustelldienste dieses Vorsortieren laut Palensky am Vortag selbst vornehmen, in der Regel aber nicht in der Dienstzeit, sondern faktisch in der Freizeit.

Entschädigung

Die neue Vereinbarung bringe den Mitarbeitern eine möglichst hohe finanzielle Entschädigung für den Wegfall der Info.Post-Prämie und gleichzeitig auch die langfristige Absicherung tausender Arbeitsplätze in der Briefzustellung, so Zentralausschussvorsitzender Helmut Köstinger in einer Aussendung. "Mehr Geld" gebe es durch die Umstellung auf die Pauschalzahlung aber nicht, "das ist uns nicht gelungen", räumt Palensky ein: "Es ist ein Kompromiss."

Laut Post-Chef Georg Pölzl ist es "mit diesem umfangreichen Paket gelungen, auf die Bedürfnisse unserer Brief-Zusteller einzugehen". Durch die automatische Sortierung würden sie in der Arbeitsleistung entlastet, gleichzeitig werde der Wegfall der Prämien für die bisherigen Mehrleistungen durch eine Pauschalzahlung ausgeglichen. Durch den Durchrechnungszeitraum von einem Jahr habe man "die gesetzlichen Vorgaben der Ist-Arbeitszeitaufzeichnung mit der hohen Flexibilität, die unser bisheriges Kapazitätsmodell geboten hat", vereint, so Pölzl in einer Aussendung am Dienstagnachmittag. (APA, 22.5.2012)

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