Zentralmatura: Erster Mathematik-Schulversuch bringt weniger Fünfer

22. Mai 2012, 14:51
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Die Ergebnisse des ersten Schulversuchs sind allerdings nicht auf künftige Prüfungen umlegbar

Wien - Mathematik ist bei der Zentralmatura das umstrittenste Fach - wegen angeblich unausreichender Vorbereitung haben Schüler-, Lehrer- und Elternvertreter wiederholt eine Verschiebung des an den AHS für 2014 geplanten Starttermins gefordert. Der erste Schulversuch in Mathematik, der im Mai an 13 Klassen in fünf Bundesländern durchgeführt wurde, hat unterdessen überdurchschnittlich gute Ergebnisse gebracht, wie Auswertung der Noten zeigt: Nur 8,6 Prozent der Arbeiten wurden negativ beurteilt, laut Daten aus dem Unterrichtsministerium schreiben sonst beim ersten Klausurtermin im Schnitt 15 Prozent der Schüler ein "Nicht Genügend".

Unterschiedliche Ergebnisse in verschiedenen Klassen

16,4 Prozent der 220 Schulversuchsteilnehmer bekamen ein "Sehr Gut" auf ihre Mathematik-Klausur, 15,5 Prozent ein "Gut", 38,2 Prozent ein "Befriedigend" und 21,4 Prozent ein "Genügend". Dabei, betont der für den Schulversuch verantwortliche Mathematik-Didaktiker Werner Peschek von der Universität Klagenfurt, gibt es zum Teil recht unterschiedliche Ergebnisse in den verschiedenen Klassen. Der Anteil negativer Beurteilungen lag jedoch in keiner über 20 Prozent, vielmehr habe es in einigen Klassen "Spitzenergebnisse" gegeben.

"Bestens vorbereitet"

Mit dem Schulversuch zeigt sich Peschek dementsprechend zufrieden: Das zentrale Ziel einer "Sicherung von mathematischen Grundkompetenzen für alle" sei damit in den teilnehmenden Klassen nach einer Vorbereitungszeit von "nur zwei Jahren" in hohem Maße erreicht worden, "wie die Ergebnisse zeigen, waren die Schulversuchsklassen von ihren Lehrern bestens vorbereitet".

Kein Beleg vor ausreichende Vorbereitung

Als Beleg dafür, dass bis zur flächendeckenden Einführung der Zentralmatura 2014 eine ausreichende Vorbereitung aller Maturanten möglich sein wird, versteht er die Ergebnisse indes nicht. "Dass eine derart gute Vorbereitung bis 2014 in allen Klassen stattfinden wird, darf allerdings bezweifelt werden", warnt Peschek. Immerhin seien die Schulversuchsklassen zwei Jahre lang von Mitarbeitern seiner Projektgruppe intensiv informiert, beraten und betreut worden.

Auch Gabriele Friedl-Lucyshyn, Leiterin des für die Zentralmaturavorbereitung zuständigen Wiener Zentrums des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), warnt vor direkten Vergleichen: Immerhin habe nur eine kleine Anzahl von Schulen am Schulversuch teilgenommen und für die Lehrer habe es dort eine wesentlich engmaschigere Betreuung gegeben, als das etwa bei den Schulversuchen zu den Fremdsprachen möglich sei, die an knapp 85 Prozent aller AHS durchgeführt werden. "Die Schulen wurden ganz speziell betreut."

Pilottests waren schlechter

Die Ergebnisse des Zentralmatura-Schulversuchs sind übrigens nicht nur besser ausgefallen als übliche Mathematik-Klausuren, sie waren auch deutlich besser als die der vorangegangenen Pilottests, bei denen "zum Teil recht beträchtliche Defizite" bei den Schülern festgestellt worden waren. Pescheks Schluss aus dieser Diskrepanz: Die Pilottests hätten offenbar eine starke Orientierungsfunktion für Schüler und Lehrer und seien damit wichtig für die Vorbereitung auf die Zentralmatura, "sie haben aber offenbar wenig Prognosewert für die bei der Matura tatsächlich erzielbaren Leistungen".

Zentralmatura ab 2012

Bei der Zentralmatura sollen ab 2014 an den AHS und ab 2015 an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) alle Schüler am selben Tag idente Aufgaben in Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen lösen. Die Fragen werden vom Bifie erstellt, das den Lehrern auch einen Bewertungsschlüssel vorgibt. Neben den zentralen Klausuren besteht die neue Reifeprüfung aus zwei weiteren, voneinander unabhängigen Säulen: Zusätzlich muss jeder Schüler eigenständig außerhalb der Unterrichtszeit eine vorwissenschaftliche Arbeit (an den BHS: Diplomarbeit) erstellen und präsentieren. Bei der mündlichen Prüfung können die Schulstandorte eigene Schwerpunkte setzen: Die Lehrer eines Faches einigen sich dabei auf einen Themenpool, aus dem die Prüflinge ihre Aufgabe ziehen. (APA, 22.5.2012)

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