Haneke findet Abwesenheit von Kulturministerin "etwas peinlich"

22. Mai 2012, 14:37
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Offizielles Österreich glänzt an der Croisette durch Abwesenheit - "Schade für den österreichischen Film"

Cannes - Verwundert darüber, dass sich das offizielle Österreich in einer der erfolgreichsten Phasen des heimischen Films stark im Hintergrund hält, zeigt sich Michael Haneke. "Es ist doch eher ungewöhnlich, dass ein so kleines Land wie Österreich zwei Filme im Wettbewerb von Cannes hat", so der österreichische Regisseur am Rande der Filmfestspiele vor Journalisten. "In meiner Premiere (von "Amour", Anm.) waren sowohl der deutsche Kulturminister als auch die französische Ministerin, nur die österreichische Ministerin war nicht da. Das finde ich doch etwas peinlich."

Ihm persönlich sei die Anwesenheit von Kulturministerin Claudia Schmied nicht so wichtig. "Es ist nur schade für den österreichischen Film", so Haneke, dessen Film bisher als haushoher Favorit für die Goldene Palme gehandelt wird. "Da geben alle ihre Sprüche an die Presse und gratulieren, aber es passiert nicht viel - das ist leider so." Er wolle dazu aber eigentlich nichts mehr sagen. "Ich habe früher versucht, mich in die Filmpolitik einzumischen, aber jetzt kümmere ich mich lieber um meine Filme. Das reicht." Haneke hatte 2009 für "Das weiße Band" bereits die Goldene Palme gewonnen.

"Natürlich ist Cannes das wichtigste Schaufenster für den internationalen Film", erklärte der Filmemacher. "Und wenn man in den Wettbewerb kommt, ist die Aufmerksamkeit noch um einiges größer. Das ist die beste Publicity, die man haben kann, das hier und der Oscar. Wenn man diese Fenster zur Öffentlichkeit nutzen darf, macht man das auch gerne." Die Aufregung um den heuer rein männlich besetzten Wettbewerb in Cannes findet Haneke dagegen "relativ albern". Wenn etwa die Regisseurinnen Agnes Varda oder Claire Denis einen neuen Film hätten, "dann würden die auch sicher hier gezeigt werden". (APA, 22.5.2012)

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