Neointendant Fritz Ostermayer plant neue Markierungen

22. Mai 2012, 12:30
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Der Autor und Radiomacher folgt mit 1. Juni auf den verstorbenen Gründer Hintze - Gespräche mit den Subventionsgebern noch ausständig

Wien - "Das ist das erste eigene Büro meines Lebens", erklärte der designierte Intendant der Wiener Schule für Dichtung (sfd): Der Radiomacher, Autor und Journalist Fritz Ostermayer folgt auf den im Februar überraschend verstorbenen Christian Ide Hintze nach. Am heutigen Dienstagvormittag wurde Ostermayer, der mit 1. Juni sein Amt antritt, in den Räumlichkeiten der sfd vorgestellt und bot erste Einblicke, wie er die Tradition des Hauses fortsetzen und "neue Markierungen" setzen will.

Wobei Ostermayer anmerkte, dass er der Gründung der Schule vor 20 Jahren skeptisch gegenüberstand. Das habe sich mittlerweile aber geändert, sehe er die sfd doch vor allem als "Ort der Inspiration". Der "überzeugter Teamspieler" sei bei allem, was er macht, der "Tradition des Dilettantismus" verpflichtet. Als künftige Lehrende schweben ihm etwa Jonathan Meese, der über Manifeste referieren könnte, oder Franz Schuh mit einem Kurs über "The Art Of Polemik" vor.

Gleichzeitig will er die sfd auch weiter öffnen: Dazu wäre etwa der österreichische Filmemacher Martin Arnold ein geeigneter Kandidat für eine Kombination aus Film und Text zu visueller Poesie oder eine Zusammenarbeit mit dem Donaufestival in Krems. "Eine Sichtbarmachung in diese Richtung halte ich für wünschenswert", so Ostermayer.

Fest zum 20-jährigen Jubiläum

Noch etwas unsicher ist zum 20-jährigen Jubiläum (die sfd startete im April 1992 mit den ersten zwölf Klassen) die finanzielle Lage. Gespräche mit den Subventionsgebern stehen erst an, bisher habe man jährlich 140.000 Euro vom Bund und 87.000 Euro von der Stadt erhalten. Laut sfd-Mitglied Orhan Kipcak hofft man, in den kommenden ein, zwei Monaten Genaueres zu wissen. Davor wird aber erst einmal gefeiert: Am 2. Juni gibt es im Kasino am Schwarzenbergplatz eine Festveranstaltung, bei der die Burgschauspieler Brigitta Furgler, Dorothee Hartinger, Jürgen Maurer und Moritz Vierboom Texte von sfd-Lehrenden wie Blixa Bargeld, Nick Cave oder Allen Ginsberg vortragen werden.

Die Schule für Dichtung wurde 1991 als unabhängiges Künstlerprojekt von Hintze gegründet. Für Kipcak ist die sfd ein "wesentliches kulturelles Asset in dieser Stadt", weshalb man sich nach dem Tod des Gründers auch dazu entschlossen habe, die Arbeit fortzusetzen und weiterhin die Zwischenräume von Literatur, Pop, Performativem und Extravagantem auszuloten. Bis dato haben neben Bargeld, Cave oder Ginsberg auch Autoren und Künstler wie H.C. Artmann, Wolfgang Bauer, Falco oder Felix Mitterer an der sfd unterrichtet. Das aktuelle Programm umfasst Klassen mit den Autoren Anne Waldman, Amir Or und Daniel Soukup. (APA, 22.5.2012)

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