Erdbeben in Norditalien - Monti verspricht Hilfe

22. Mai 2012, 11:22
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Premier ausgepfiffen - Nachbeben nehmen kein Ende, 5.000 Menschen sind obdachlos

Rom/Ferrara - Nach dem schweren Erdbeben in Norditalien mit sieben Toten und 50 Verletzten hat der italienische Premier Mario Monti den Betroffenen rasche Hilfe zugesichert. Monti besuchte am Dienstag die Gemeinde Sant'Agostino nahe Ferrara, in der am Sonntag drei Arbeiter beim Einsturz einer Fabrik ums Leben gekommen waren. Der Regierungschef kam gemeinsam mit Italiens Zivilschutzchef Franco Gabrielli mit Angehörigen der Opfer zusammen. "Die Regierung ist den Menschen nahe, die vom Erdbeben so stark getroffen worden sind", betonte Monti. Sie werde ihren Beitrag zum Wiederaufbau der Gegend leisten.

Steuerentlastungen für vom Beben betroffene Gebiete

Monti versprach Steuerentlastungen für die vom Beben betroffenen Gebiete. "In schwierigen Momenten müssen Zusammenhalt und starker Reaktionswille siegen", betonte Monti. Der Regierungschef musste auch Kritik hinnehmen. Einige aufgebrachte Obdachlose pfiffen ihn aus. "Geh nach Hause", riefen sie dem parteiunabhängigen Premier zu.

Der Regierungschef kündigte an, dass der Ministerrat am Dienstag für die Region Emilia Romagna den Notstand ausrufen werde. Damit sollen Gelder für den Wiederaufbau locker gemacht werden. "Wir müssen der Gegend helfen, so rasch wie möglich wieder ihre wirtschaftlichen Aktivitäten aufzunehmen", sagte der Ministerpräsident.

Österreich bietet Unterstützung an

Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) erklärte am Dienstag nach dem Ministerrat, Österreich habe Italien Unterstützung angeboten. Man sei "gerne bereit", Hilfsmaßnahmen zu leisten, wenn dies erforderlich sei. Noch habe hierfür jedoch kein Bedarf bestanden. "Das Angebot steht", so Spindelegger.

Rund 5.000 Obdachlose und kräftige Nachbeben

Rund 5.000 Menschen sind obdachlos und mussten die Nacht in Notunterkünften verbringen, 48 Verletzte befanden sich noch im Krankenhaus. Regenfälle behinderten zeitweise die Aufräumarbeiten. Viele Schulen blieben geschlossen. Erneut wurde die Region von Nachbeben erschüttert. In der Nacht auf Dienstag wurden weitere 22 Nachbeben gemeldet, das schwerste hatte eine Stärke von 3,7 auf der Richterskala, teilte Italiens nationales Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) mit. Ein kräftiges Nachbeben der Magnitude 4,1 nach Richter im Raum Bologna am Montag um 18.37 Uhr war auch im Raum Innsbruck leicht verspürt worden. "Es konnte in höheren Stockwerken wahrgenommen werden", teilte der Österreichische Erdbebendienst der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mit.

Durch das Beben der Stärke 6,0 am Sonntag kurz nach 4.00 Uhr kamen mindestens sieben Menschen ums Leben, 50 Personen wurden verletzt. Betroffen waren 39 Gemeinden vor allem in den Provinzen Modena und Ferrara. An vielen historischen Gebäuden entstanden schwere Schäden. Nach ersten Schätzungen wurden mindestens 5.000 Menschen obdachlos.

Lebensmittelproduktion eingeschränkt

Das Erdbeben hat das Herz von Italiens Lebensmittelproduktion schwer in Mitleidenschaft gezogen. In den betroffenen Provinzen Ferrara, Modena und Bologna konzentriert sich ein Großteil der Herstellung. Auf 200 Millionen Euro beziffert der Landwirtschaftsverband Coldiretti die Schäden allein im Agrar- und Lebensmittelbereich. Lager- und Treibhäuser, Ställe und Fabriken wurden beschädigt. Schweine und Kühe sind unter den Trümmern ihrer Ställe gestorben. Wegen des Erdbebens seien 5.000 Jobs in Landwirtschaft und Industrie gefährdet, warnte der Gewerkschaftsverband CGIL.

Folgenschwer war der Erdstoß auch für die Parmesan-Käsereien der Region. Nach Branchenangaben wurden mehrere Lagerhäuser und über 300.000 Laibe der beliebten Hartkäsesorten Parmigiano Reggiano und Grana Padano zerstört, das sind zehn Prozent der gesamten Produktion. Der Schaden belaufe sich einer ersten Schätzung zufolge auf insgesamt 250 Millionen Euro, berichteten Experten. (APA, 22.5.2012)

Die österreichische Bevölkerung kann Erdbeben-Beobachtungen über das Wahrnehmungsformular auf der Homepage www.zamg.ac.at/bebenmeldung mitteilen oder schriftlich einsenden (Porto zahlt Empfänger: Österreichischer Erdbebendienst Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), Hohe Warte 38, A-1190 Wien).

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