Nanosilber in Socken, Kosmetika & Co

Mit "Silberfrische" wird für Socken, Putzlappen oder Computer- tastaturen geworben - Die gesundheitlichen Risiken sind nicht abzuschätzen

Der Einsatz von Silber zur Bekämpfung von Bakterien hat seit dem Altertum Tradition. Bereits die alten Römer führten auf Reisen das Trinkwasser in Silbergefäßen mit sich und vor der Einführung des Kühlschranks legte man zur Verlängerung der Haltbarkeit eine Silbermünze in die Milch.

Wird heute im Diskonter mit "Silberfrische" geworben, ist Nanosilber im Spiel - eine Chemikalie, in der Silber in winzigsten Teilchen vorliegt. Nanosilber findet sich in Sportkleidung, Computertastaturen, Kosmetika, Putzlappen, Tapeten, Frischhaltefolien oder in Kühlschränken. Es soll der Bekämpfung von Bakterien dienen und damit für längere Frische und die Vermeidung von schlechten Gerüchen sorgen. Derzeit ist aber noch nicht hinreichend erforscht, inwieweit die Verwendung von Nanosilber in Alltagsprodukten gesundheitliche Risiken birgt.

Resistenzbildung möglich

Nanosilber ist reaktiver als herkömmliche Silberverbindungen und wird auch in der Medizin genutzt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der übermäßige, unkontrollierte und niedrig dosierte Einsatz von Nanosilber zu Resistenzbildung führen kann. Eine Kennzeichnung von Produkten, die Nanosilber verwenden, ist ab September 2013 vorgeschrieben. Diese ist allerdings lückenhaft, berichtet der Verein für Konsumenteninformation (VKI).

"Der Einsatz von antibakteriellen Produkten im Alltag ist mehr als fragwürdig. Nicht alle Bakterien sind auch Krankheitskeime. Eine großflächige und niedrig dosierte Anwendung von antibakteriellen Zusätzen kann die Entstehung von resistenten Bakterien fördern und Allergien beim Menschen hervorrufen. Ebenso ist die Umwelt potenziell gefährdet", warnt Susanne Stark, Expertin für Nanotechnologie beim VKI. "Noch nicht hinreichend erforscht ist auch, inwieweit Nanosilber über das Lungengewebe, die Hautoberfläche oder bei der Verdauung aufgenommen wird, wie es sich im Körper verteilt und ob es die Blut-Hirn- beziehungsweise die Blut- Plazenta-Schranke überwinden kann."

Zulassungspflicht gefordert

Ob ein Produkt Nanosilber enthält oder nicht, ist aufgrund einer fehlenden Deklarationspflicht nur schwer nachvollziehbar. Die Herstellerinformationen sind mit Vorsicht zu genießen, da erfahrungsgemäß einige Hersteller Nanosilber einsetzen, ohne darauf zu verweisen und umgekehrt. Zwar muss Nanosilber ab 2013 deklariert werden, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen - etwa sobald ein Produkt damit beworben wird.

"Diese Regelung ist nicht ausreichend. Vielmehr sollte die Anwendung von Nanosilber oder anderen antibakteriellen Zusätzen bei Produkten immer einer Zulassungspflicht unterliegen. Eine Genehmigung sollte auch nur in Zusammenhang mit einer konkreten medizinischen Anwendung erteilt werden, wie etwa bei Diabetes, Neurodermitis oder der Wundversorgung", so Stark.

Wo Nanosilber drinsteckt

Hinweise, dass ein Produkt Nanosilber enthält, geben Begriffe wie kolloidales Silber, Nano-Batist, Nano-Silber, Nano-Silver, Nano-Silberpartikel oder Nanopartikeltechnologie.

Hinweise auf einen wahrscheinlichen Einsatz geben Begriffe wie: Activecare, antibakteriell, Microbes Stop, Mikrosilber, Nanoperl, SilberAktiv, Silberionen, Silbertechnologie, Silcryst und Silver.

Weitere Infos zum Thema gibt es auf www.konsument.at und ab dem 24.5. in der Juni-Ausgabe des Magazins "Konsument". (red, derStandard.at, 22.5.2012)

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