Selbstmord nach Outing: Milde Haftstrafe für Cyber-Mobber

22. Mai 2012, 12:52
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Ein homosexueller US-Student beging Selbstmord, weil ihn sein Mitbewohner im Internet bloßstellte - Der Peiniger muss nun 30 Tage ins Gefängnis

Ein Gericht in den USA hätte dem Peiniger im Fall von Tyler Clementi, der sich infolge von Cyber-Mobbing das Leben genommen hatte, zehn Jahre Haft und die Ausweisung aus den USA auferlegen können. Dem verurteilten Dharun R. wurde am Montag das Strafmaß von 30 Tagen Gefängnis verhängt. Die US-Medien sprechen von einer milden Strafe.

Mit versteckter Kamera

Der 20-Jährige hatte im September 2010 heimlich Videos von seinem homosexuellen Mitbewohner Clementi und dessen Partner aufgenommen und im Internet veröffentlicht. Über SMS und Twitter forderte der damalige Student seinen Bekanntenkreis auf, die Videos im Internet anzuschauen.

Unfreiwilliges Outing

"Mitbewohner will Zimmer bis Mitternacht alleine. Bin in Molly's Zimmer und hab die Webcam angemacht. Sehe ihn mit einem Typen rummachen. Yay", lautete ein Tweet.

Zwei Tage später sprang das bloßgestellte Opfer von der George-Washington-Brücke in den Hudson River und starb. Noch kurz vor seinem Suizid soll er die Tweets von Dharun gecheckt haben und kündigte daraufhin seinen Sprung auf Facebook an.

"Nicht aus Hass gehandelt"

Die Richter entschieden sich gegen eine Haftstrafe von zehn Jahren und eine Ausweisung in sein Geburtsland Indien, weil Dharun für sie nicht aus Hass gehandelt habe und nicht ausschließlich für den Selbstmord verantwortlich gemacht werden könne, berichtete die Time. Außerdem konnte nie bewiesen werden, ob die Kamera tatsächlich in der Nacht gelaufen ist.

Die Richter erteilten Dharun zusätzlich zu der Gefängnisstrafe drei Bewährungsjahre und 300 Stunden gemeinnützige Arbeit. Der Verurteilte muss sich zudem über die Gefahren des Cyber-Mobbings beraten lassen und 10.000 Dollar an eine einschlägige Institution spenden.

Anti-Mobbing-Gesetz

Schwulen- und Antimobbing-Aktivisten hatten nach dem Vorfall vehement protestiert. Sogar US-Präsident Barack Obama hatte sich zu dem Fall geäußert. Im Bundesstaat New Jersey wurde daraufhin ein Anti-Mobbing-Gesetz verabschiedet. (mvu, derStandard.at., 22.5.2012)

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    Cyber-Mobber Dharun bei der Anhörung im Gericht von New Jersey

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