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Michael Krebs (40) ist Oberarzt an der Universitätsklinik für Innere Medizin III der Med-Uni Wien und leitet am AKH die Ambulanzen für Schilddrüsen- und endokrine Erkrankungen.
Standard: Sind Erkrankungen der Schilddrüse in Österreich häufig?
Krebs: Ganz prinzipiell gilt es zwischen zwei großen Gruppen zu unterscheiden. Zum einen die Funktionsstörungen der Schilddrüse, also die Über- und Unterfunktionen, zum anderen die Knoten in der Schilddrüse. Und ja, beide Formen sind häufig. Bei 50 Prozent aller 50-Jährigen finden sich meist kleine Knoten, die durch Zufall entdeckt werden.
Standard: Was heißt Zufall?
Krebs: Die Knoten verursachen üblicherweise keine Beschwerden, sondern werden zum Beispiel bei einer Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader diagnostiziert.
Standard: Was bedeutet das für Patienten?
Krebs: Dass abzuklären gilt, ob es sich um einen gutartigen oder bösartigen Knoten handelt. Die meisten sind gutartig, die Schwierigkeit liegt darin, die bösartigen darunter rechtzeitig zu erkennen, um eine Metastasierung zu verhindern.
Standard: Welche Untersuchungen werden dafür gemacht?
Krebs: Die Diagnose beruht auf vier Säulen. Den Tastbefund durch den Arzt - harte, wenig verschiebliche Knoten sind verdächtig, auch die nuklearmedizinische Untersuchung der Szintigrafie liefert wichtige Hinweise. Die dritte Säule ist der Ultraschallbefund. Wenn Knoten unregelmäßig aufgebaut und stark durchblutet sind, ist auch das ein Hinweis auf Bösartigkeit. Durch eine Feinnadelpunktion wird dann versucht, Zellen für die zytologische Auswertung zu gewinnen.
Standard: Haben auch Menschen unter 50 Jahren diese Knoten?
Krebs: Wesentlich seltener. Jüngere Patienten kommen meist wegen Funktionsstörungen der Schilddrüse in die Ambulanz. Häufig betrifft die Unterfunktion Frauen. Hashimoto- oder Autoimmun-Thyreoditis ist dann die Diagnose. Morbus Basedow, die Überfunktion, ist seltener.
Standard: Sind diese Funktionsstörungen immer auch Autoimmunerkrankungen?
Krebs: Meistens, bei älteren Patienten kommen auch überfunktionierende Knoten vor.
Standard: Welche Symptome treten bei Funktionsstörungen auf?
Krebs: Oft sehr unspezifische Beschwerden. Bei Unterfunktion sind es Müdigkeit, Muskelbeschwerden, trockene Haut oder Verstopfung. Überfunktion ist leichter zu erkennen durch Zittern, Herzrasen, Gewichtsabnahme oder Durchfall. Das alles kann aber auch andere Ursachen haben. Der TSH-Wert (siehe Kasten) bringt dann die notwendige Sicherheit, ob es sich um eine Funktionsstörung handelt.
Standard: Ist dieser Laborwert allein ausreichend, wenn es um die Entscheidung für oder gegen Therapie geht?
Krebs: Man muss immer die individuelle Situation des Patienten gemeinsam mit dem Laborbefund beurteilen. Wir haben Eckpunkte, für die es klare Empfehlungen gibt. Dazwischen liegt aber ein breites Spektrum. Bei einem TSH-Wert von über 10 mU/l geht man von einer erheblichen Schilddrüsenunterfunktion aus. Da sind die Cholesterinwerte hoch, das Atherosklerose-Risiko erhöht, und deshalb empfehlen wir generell eine Behandlung.
Standard: Was ist der untere Grenzbereich?
Krebs: Wir wissen, dass eine Schilddrüsenunterfunktion auch der Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch sein kann. Hier halten wir uns an den Richtwert von unter 2,5 mU/l und empfehlen Hormonsubstitution, denn das Schilddrüsenhormon spielt auch für die Entwicklung des Embryos eine sehr wichtige Rolle. Auch Schilddrüsenüberfunktion sollte therapiert werden. In allen anderen Fällen kommt es bei leicht erhöhten Werten auf die individuelle Beurteilung, also das Wohlfühlen und die Beratung an.
Standard: Wohlfühlen als Therapieziel ist schulmedizinisch eher schwer zu erfassen, oder?
Krebs: Wir wissen, dass der TSH-Wert wie fast alle Hormone nicht nur im Laufe eines Tages, sondern auch von Tag zu Tag schwankt. Der TSH-Wert ist ein Parameter zur Orientierung, auch bei der Einstellung. Sich nur auf die Laborbefunde zu stützen, greift aber sicher zu kurz. Oft probieren wir aus, wie eine Therapie wirkt. Wenn sich jemand wohler fühlt und die Laborbefunde im akzeptablen Bereich liegen, bleiben wir dabei. Viele sind bei leichten Funktionsstörungen allerdings nicht bereit, täglich eine Tablette schlucken.
Standard: Kann eine Behandlung auch Nebenwirkungen haben, eventuell so dramatische wie bei der Hormonersatztherapie gegen Wechselbeschwerden?
Krebs: Nein, es handelt sich um ganz andere Hormone. Nebenwirkungen treten kaum auf, nur die Dosierung ist wichtig. Eine Überdosierung ist unbedingt zu vermeiden, weil sie zu Vorhofflimmern oder Osteoporose führen kann.
Standard: Jod spielt bei der Bildung der Schilddrüsenhormone eine wichtige Rolle. Seit den 60er-Jahren wird Salz in Österreich jodiert. Welche Auswirkung hat das?
Krebs: Das ist eine komplexe Diskussion, in der es in erster Linie um die Gesundheit der Gesamtbevölkerung geht. Tatsache ist: Österreich ist von Natur aus ein Jod-Mangelgebiet. Vor der Jod-Prophylaxe gab es viele Kröpfe, Struma im Fachbegriff. Das konnte durch Jod im Salz eingedämmt werden. Jod ist ja vor allem auch für die geistige und körperliche Entwicklung von Kindern ein entscheidender Faktor. Insofern macht Prophylaxe Sinn. Auf der anderen Seite gibt es aber Studien aus Dänemark und China, die zeigen, dass eine erhöhte Jodversorgung in der Nahrung Autoimmunerkrankungen leicht vermehren dürfte. Generell überwiegt bei uns sicher aber der Nutzen. Konkret empfehlen wir Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion daher nicht, auf jodiertes Salz zu verzichten.
Standard: Was ist mit Selen?
Krebs: Das ist ebenfalls ein Spurenelement, und es gibt Hinweise, dass es die Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse beeinflussen könnte. Daten, ob eine Behandlung mit Selen den Verlauf langfristig positiv beeinflussen kann, fehlen. Die Frage der Dosierung ist zudem diffizil, denn wir haben Hinweise, dass eine vermehrte Einnahme von Selen zum Beispiel das Risiko, Zuckerkrankheit zu entwickeln, erhöhen könnte. Selen zaubert aber ganz sicher keine bestehende Immunerkrankung weg. Zu Selen wird aktuell weitergeforscht.
Standard: In den diversen Foren wird auch oft über natürliche Hormonbehandlung diskutiert. Wie sehen Sie das?
Krebs: Dabei handelt es sich um aus Tieren gewonnene Schilddrüsenextrakte. Davon raten wir ab, weil auch die Frage der Dosierung hier unklar ist. Schilddrüsenhormone, mit denen wir behandeln, sind chemisch hergestellt, aber ident zum menschlichen Schilddrüsenhormon. (Karin Pollack, DER STANDARD, 22.5.2012)
Wissen
Kleine Drüse, große Wirkung
Die Schilddrüse ist ein hormonproduzierendes Organ, besteht aus einem rechten und linken Lappen und sitzt unterhalb des Kehlkopfes.
Ihre Aufgabe: für den Energie- und Wärmehaushalt im Körper zu sorgen, den Stoffwechsel in Gang zu halten und für Wachstum und Entwicklung mitverantwortlich zu sein. Überdies werden über die Schilddrüse die Funktionen von Nerven, Herz und Kreislauf reguliert.
Die Steuerungszentrale dieses Systems ist die Hirnanhangdrüse mit Verbindung zum Hypothalamus, wo das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) gebildet wird. Dieses kann sehr einfach im Blut gemessen werden und gibt Auskunft über die Aktivität der Schilddrüse, die ihrerseits Thyroxin (T4), Trijodidthyronin (T3) und Calcitonin bildet. Erkennt das Gehirn, dass zu wenig Schilddrüsenhormone vorhanden sind, steigt der TSH-Wert. Das aktiviert die Schilddrüse, mehr Hormone zu produzieren. Insofern ist die Hirnanhangdrüse mit einem Thermostat zu vergleichen.
Der TSH-Wert im Blut ist also ein guter Parameter, die Schilddrüsenfunktion nicht nur zu messen, sondern bei Über- und Unterfunktion auch die richtige Therapieeinstellung zu erkennen. Bei erhöhten TSH-Werten bildet die Schilddrüse zu wenig Hormone, bei niedrigen Werten zu viele. Als generelle Norm gelten Werte zwischen 0,4 und 4 mU/l. (pok)
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ich gestehe, dass mir derartige ärztenamen ein quell steter freude sind:
http://www.unmoralische.de/namen/nam... aerzte.htm
... muss man manchmal eine dahingehende Untersuchung und Behandlung richtiggehend erkämpfen, selbst wenn man lehrbuchmäßige Symptome zeigt.
Ich kenne mehrere(!) Fälle, bei denen die (verschiedenen) Ärzte ihre Patienten lange nicht ernst nahmen, was in einem Fall sogar dazu führte, dass die betreffende Person unnötigerweise fast 30kg zunahm, bevor sie richtig diagnostiziert wurde. Es scheint mir insbesondere für (sonst eher schlanke) Frauen ein Problem zu sein, adäquate Hilfe zu bekommen, da sie von den Ärzten (männl. wie weibl.) unterstellt bekommen, sie würden nur Hormone wollen um abzunehmen.
Dabei geht es bloß um einen simplen Bluttest, der leicht eine etwaige Hormonstörung feststellen kann ...
Ich weiß ja ehrlich nicht, warum es für Ärzte so schwierig ist, sich mit der Schilddrüse zu beschäftigen?
Meine Erfahrungen:
Zur Hausärztin: "Ich bin so erschöpft, ich könnte mich mitten im Supermarkt auf den Boden legen, weil ich nicht mehr kann". Antwort: "Nein, also das liegt sicher nicht an der SD. Ihre Werte sind bestens eingestellt, einfach ein bisschen joggen gehen..."
SD-Ambulanz: "Ich bin so erschöpft, ich kann nicht mehr". Ergebnis: Dosierung bei behalten, bestens eingestellt.
- anderer Arzt: "Sie irren sich sicher! Wer so dünn ist, hat keine Unterfunktion. Wahrscheinlich Essstörung. Am besten in d. Psychosomat. Ambulanz!
"Liebe" Ärzte:
"Gut eingestellt" = symptomfrei!
und die Symptome sind oft unspezifisch.
wenn man dann fragt, was denn sonst der Grund für die ständige Müdigkeit, Antriebslosigkeit, der nicht essbedingten, konstanten Gewichtszunahme und dem grausigen, inneren Frieren ist. Denn irgendeinen Grund muss es ja haben, wenn es einem nicht gut geht.
Antwort: "Das kann ich Ihnen auch nicht sagen, Ihre Blutwerte (gr. Blutbild) sind jedenfalls in Ordnung."
Ähm?!
Der TSH-Wert ist in den letzten 12 Monaten kontinuierlich gestiegen (von 1,01 auf 4,0), sonst lässt sich nichts finden - aber die Thyroxin-Dosierung passt sicher und an der SD liegt es auch nicht. Nur Einbildung um Medikamente abzugreifen ...
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(Die betroffene Person, die diese Geschichte erlebt hat, geht morgen zu einer Spezialistin. Bin gespannt, was dann das Ergebnis ist.)
Stimmt, man muss großes Glück haben, um einen Arzt oder eine Ärztin zu finden, der/die richtig diagnostiziert. Ich bin auch zwei Jahre lang mit Hashimoto rumgelaufen, ehe die Diagnose gestellt wurde. Danach hat es noch mal drei Jahre gedauert, bis die Medikation richtig eingestellt war, auch, weil viele Spezialisten sich schlichtweg nicht wirklich auskennen und meinen "Och, TSH liegt bei 2.9, das passt schon, das ist in der Norm". Nachdem die Symptome aber weiter bestanden haben, hab ich den Arzt gewechselt. Der hat die Dosis erhöht und siehe da - seit einem Jahr bin ich gut eingestellt und hab fast keine Beschwerden mehr.
Gerne, das ist Dr. Bamdad Heydari - ich kenn ihn über Woman & Health am Laurenzerberg. Ich fand ihn auf Anhieb sympathisch, er hatte auch überhaupt kein Problem damit, dass ich mich selber in die Thematik eingelesen hatte, sondern fand das im Gegenteil gut, dass ich mich informiert hatte. Sein einziger Nachteil ist, dass er Wahlarzt ist und ein Ersttermin so um die 130 Euro kostet, wenn ich das richtig im Kopf hab. Ich weiß jetzt nicht, ob er auch abseits von Woman & Health tätig ist - laut Arztverzeichnis der Ärztekammer Wien dürfte er aber zusätzlich im Wilhelminenspital arbeiten.
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