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Eines Morgens wachte Tomislav Nikolic auf und sah sich in einen Europäer verwandelt. So könnte man eine Biografie des neuen Präsidenten Serbiens beginnen. Denn vor dreieinhalb Jahren trennte sich Nikolic (60) von der ultranationalistischen Serbischen Radikalen Partei (SRS) und gründete die proeuropäische Serbische Fortschrittspartei (SNS). Auf die Frage, wie es denn möglich sei, über Nacht dermaßen seine Ideologie zu verändern, antwortete Nikolic vor laufenden Kameras lakonisch: "Ich habe gemerkt, dass ich auf die alte Tour nicht an die Macht kommen kann."
Seit der demokratischen Wende in Serbien war Nikolic als Anführer der SRS mehrmals ganz nah dran an der Macht: Die SRS war die stärkste Partei, andere Parteien gründeten jedoch eine Koalitionsregierung; 2004 und 2008 führte "der Mann aus dem Volk" nach der ersten Runde vor Boris Tadic, verlor aber in der Stichwahl um das Amt des Staatspräsidenten. Danach brach er mit dem Chef der SRS, Vojislav Seselj, dem vor dem UN-Tribunal der Prozess wegen Kriegsverbrechen gemacht wurde. Nikolic sah ein, dass sein Koalitionspotenzial eingeschränkt bleiben würde, solange er dem oft wirren Seselj untergeordnet war.
Hungerstreik
Die Zersplitterung der SRS nahm man in Brüssel mit Erleichterung auf. Vergessen war, dass Nikolic gesagt hatte, dass man die Albaner aus dem Kosovo vertreiben sollte, vergessen sein Aufruf, "serbisches Territorium" in Kroa- tien zurückzuerobern - Hauptsache, die antieuropäischen Kräfte in Serbien könnten nicht mehr gefährlich sein. Vergessen auch, dass Nikolic als Freiwilliger in den Krieg gezogen war und von Seselj für seinen patriotischen Dienst den Titel eines "Woiwoden der Tschetniks" erhalten hatte. "Ich schäme mich nicht dafür", erklärte er. Früher sagte Nikolic auch, dass Serbien nichts mit der EU zu tun haben sollte, weil die EU Serbien den Kosovo "geraubt" habe.
Im April 2011 wollte er noch Neuwahlen mit einem Hungerstreik erpressen. Und beendete ihn auf Drängen des Patriarchen der serbisch-orthodoxen Kirche, seine Gegner bezeichneten ihn als "unzurechnungsfähig". Nikolic ist verheiratet und hat zwei Kinder. Ab 1992 war er zwei Jahrzehnte lang Abgeordneter. 1998 war er kurzfristig stellvertretender Premierminister, 1999 Vizepräsident der jugoslawischen Bundesregierung unter Slobodan Milosevic. Als Staatspräsident will er Serbien nun in die EU führen. (Andrej Ivanji, DER STANDARD, 22.5.2012)
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ein leider sehr unerfreulicher überraschender wahlausgang. man kann nur hoffen, daß sich nikolic wirklich gewandelt hat. andererseits muß man fairerweise auch tadic den vorwurf machen, daß er die SPS wieder salonfähig gemacht hat. also ist auch tadic nicht frei von jeder sünde.
Den Anderen ist eh egal, was wie wird.
Der Weg in die EU kostet die Serben viel - nämlich den Aufwand, den man betreiben muss, um in seinem Land Ordnung zu haben. Das wollen ganz besonders die nicht, die von der Unordnung am besten profitieren: Steuerhinterzieher, Korrupte, Schmuggler, etc.
Wobei es Steuerhinterzieher auch in der EU gibt.
Die EU hat es verpasst, die richtige Werbebotschaft nach Belgrad auszustrahlen.
Die Uneinsichtigkeit, dass Serbien den Kosovo aus eigener Verantwortung heraus "verloren" hat, hat dazu geführt, dass solche Leute wie Nikolic/Dacic an Popularität in Serbien nicht einbüßen.
Eine Annäherung an die Nachbarn wird dadurch erschwert, dass dieser "Woiwode der Tschetniks" nun Präsident ist.
Schaunmermal...
"brandschutzmauern", "ohne euro kein europa", "böse spekulanten" oder ganz einfach gewählte politiker (ob diese nun gut sind/waren oder nicht spielt keine rolle) absetzen und durch technokraten ersetzt. -> also diktatorisch.
des weiteren werden die neuen posten hauptsächlich durch leute von goldman sachs besetzt.
welche werbebotschaft soll von diesem hochkorrupten trümmerhaufen denn kommen, die die diese botschaften übertünchen?
werden sich wieder etliche europaeer wundern, welche toene in dem dann EU-mitgliedsland serbien angeschlagen werden: kontra EU, kontra menschenrechte, pro nationalserbien, etc...
deja vu - in ungarn.
lernen aus der (zeit)geschichte ist auch keine politische kategorie...
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