Peking fordert von London Wiedergutmachung

21. Mai 2012, 19:00
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Vier Länder wird der Dalai Lama auf seiner derzeitigen Europareise insgesamt besuchen. Überall reagiert China äußerst empfindlich auf Treffen zwischen dem Tibeter und Spitzenpolitikern

China hat zuletzt scharf gegen ein Treffen des britischen Premierministers David Cameron mit dem Dalai Lama in London protestiert. Das Zusammentreffen zwischen Cameron und dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter sei eine "schwerwiegende Einmischung in die inneren Angelegenheiten" Chinas und ein "Affront für das chinesische Volk", sagte der chinesische Außenamtssprecher Hong Lei in Peking. Cameron war mit dem Dalai Lama zusammengekommen, bevor dieser in London für seinen Beitrag zur Spiritualität mit dem hochdotierten Templeton-Preis ausgezeichnet wurde.

Die chinesische Regierung protestiert regelmäßig, wenn der Dalai Lama von anderen Regierungen empfangen wird. Das Treffen Camerons mit dem Dalai Lama, an dem auch Camerons Stellvertreter Nick Clegg teilnahm, war protokollarisch nicht als offizieller Empfang eingestuft. Dennoch forderte der chinesische Außenamtssprecher, Großbritannien müsse den entstandenen "Schaden wiedergutmachen". Die Preisverleihung an den Dalai Lama erfolgte vor mehr als 2000 Menschen in der Londoner St.-Paul' s-Kathedrale. Das Treffen mit Cameron und Clegg fand zuvor statt.

Treffen mit Kanzler und Vize

Ab 25. Mai hält sich der Dalai Lama in Wien auf. Nach Besuchen in Kärnten und Salzburg, wo er von den jeweiligen Landeschefs empfangen wurde, sind in Wien Treffen mit Spitzenpolitikern geplant. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) soll den Tibeter am Samstag treffen, Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) wird den Dalai Lama dagegen bereits am Freitag in der Wiener Stadthalle seine Aufwartung machen. Auch mit dem Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn war eine Zusammenkunft geplant.

Kein Medienauftrieb

Peking legt besonderen Wert auf die Feststellung, dass es in jenen Staaten, die der Dalai Lama auf seiner derzeitigen Europareise besucht, keinerlei großen Medienauftrieb mit einheimischen Spitzenpolitikern für den Tibeter gab. Sowohl in Großbritannien und Slowenien sei auf medienöffentliche Termine verzichtet worden. Auch Belgien, wo der Dalai Lama noch zwei Tage verbringen werde, wolle dies so halten, hieß es. (red, DER STANDARD, 22.5.2012)

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