Vietnamesisches Waldrind bleibt ein Rätsel

21. Mai 2012, 18:32
38 Postings

IUCN: 20 Jahre nach der Entdeckung hat noch kein Biologe das Tier in freier Wildbahn beobachten können

Gland - Das äußerst seltene vietnamesische Waldrind bleibt auch 20 Jahre nach seiner spektakulären Entdeckung ein Rätsel für die Forschung. Bis heute habe noch kein Biologe das Tier in freier Wildbahn entdecken können, teilte die Weltnaturschutzunion (IUCN) am Montag mit. Die wenigen gefangenen Exemplare seien jeweils nach kurzer Zeit gestorben. Die Umweltstiftung WWF geht davon aus, dass nur noch rund 200 Exemplare der in Vietnam als Saola bekannten Huftiere existieren. Es sei aber fast unmöglich, die Größe des Bestands sicher zu schätzen, sagte Stefan Ziegler vom WWF.

Das äußerst scheue Saola (Pseudoryx nghetinhensis) hat etwa die Ausmaße des mitteleuropäischen Rehs und ist rund 100 Kilo schwer. Das Tier ist in Zentralvietnam und dem benachbarten Laos beheimatet und äußerst scheu. Es hat zwei lange, gerade nach hinten gerichtete Hörner. Weil das Waldrind aber so geheimnisvoll ist, wurde es bereits mit dem sagenumwobenen "Einhorn" in Verbindung gebracht. 

Entdeckung war eine Sensation

Die Entdeckung des vietnamesischen Waldrinds war 1992 eine Sensation. Wissenschafter hatten es bis zu dem Zeitpunkt nicht für möglich gehalten, noch eine so große bisher unbekannte Säugetierart zu finden. Zunächst hatte man nur die Hörner gefunden; erst einige Jahre später konnte ein lebendes Tier gefangen werden. Zuletzt gelang das Dorfbewohnern in der Provinz Bolikhamsai in Zentral-Laos im August 2010. Das Saola starb jedoch wenige Tage später. 2011 richtete die Forstbehörde in Vietnam in der Provinz Quang Nam einen eigenen Schutzpark für das Waldrind ein.

Das Saola ist akut vom Aussterben bedroht. In Laos sei die Population verstärkt durch die Abholzung der Wälder gefährdet. In Vietnam mache dem Tier vor allem die Wilderei zu schaffen, erläuterte Ziegler. "Die Wilderei in Vietnam ist stärker geworden." Als Hauptbedrohung des Saola sieht der WWF die illegale Jagd mit Schlingenfallen. "Saolas verenden großteils als ungewollter Beifang in Schlingenfallen aus Draht, die Wilderer für andere Tiere wie Sambar- und Muntjak-Hirsche oder Zibetkatzen auslegen. Diese landen als Wildfleisch in den Restaurants der Städte oder kommen in der traditionellen Medizin zum Einsatz", so Nick Cox, Leiter des WWF-Artenschutzprogramms in der Mekongregion.

Aufgrund des begrenzten Verbreitungsgebiets habe es vermutlich ohnehin nie viele Exemplare gegeben, so Ziegler. Der stärkste Rückgang des Bestands sei wahrscheinlich - noch vor der wissenschaftlichen Entdeckung - durch die Folgeschäden des Vietnamkriegs verursacht worden. (APA/red, derStandard.at, 21.5.2012)


Working Together to Save the Saola (WWF-Video auf YouTube)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das vietnamesische Waldrind ist äußerst selten - und bleibt auch 20 Jahre nach seiner Entdeckung noch ein Rätsel für die Forschung.

Share if you care.